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Hess Hans · Ständerat · 2004-12-08

Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-12-08

Wortprotokoll

Ich möchte mich zu den Positionen 810.3600.103 und 810.4600.101 äussern. Vorab danke ich der Finanzkommission, dass sie bei diesen Positionen um 2 bzw. 3 Millionen Franken aufgestockt hat. Ich muss jetzt ganz kurz ausholen: Waldpflege und Bewirtschaftungsmassnahmen sowie der Schutz vor Naturereignissen sind Aufgaben, die wir ernst zu nehmen haben; das hat auch der Kommissionssprecher gesagt. Es geht hier um das Überleben von Gebieten, die durch Naturgefahren ernsthaft gefährdet sind. In der Begründung zu den Ausgaben werden denn auch Ausführungen in diesem Sinne gemacht. Ich gehe nun davon aus, dass diese zusätzlichen 5 Millionen Franken gezielt für diese Massnahmen eingesetzt werden.

Jetzt weise ich auf ein Problem hin: Tatsache ist, dass heute in den Schutzwäldern, wo im Nachgang zum Sturm Lothar Borkenkäferholz angefallen ist, dieses Holz wohl gefällt, entastet und entrindet wurde, dass es aber liegen gelassen wird, weil angeblich das Geld nicht vorhanden sei, um das Holz aus dem Wald herauszunehmen - ich muss hier sagen: herauszufliegen. Durch das Liegenlassen des zum Abtransport vorbereiteten Holzes können nach Aussagen der angefragten Amtsstellen die Kosten für die Waldschadensbekämpfung - und jetzt müssen Sie gut zuhören - im Schnitt um 10 bis 20 Franken pro Kubikmeter gesenkt werden. Rechnen wir mit gesamtschweizerisch rund 160 000 Kubikmetern liegengelassenem Holz, so ergibt das einen so genannt eingesparten Betrag von 1,6 bis 3,2 Millionen Franken. Die 5 Millionen Franken genügen also, um dieses Holz nun ordnungsgemäss und sinnvoll zu nutzen.

Wenn ich das Liegenlassen von solchem Holz aus einer mittel- oder längerfristigen Perspektive betrachte, bin ich der Überzeugung, dass hier überhaupt keine Einsparungen, sondern sogar Mehrkosten verursacht werden. Das Risiko von vermehrtem Schwemmholz in den Bächen wird trotz sorgfältiger Sicherung des liegengelassenen Holzes stark ansteigen. Das Holz, das in den Wäldern liegen bleibt, erschwert vielerorts das Aufkommen von Jungwald und wird über Jahrzehnte die Zugänglichkeit in den ohnehin schon schwer zugänglichen Schutzwäldern und damit die Waldpflege behindern.

Ausserdem, und das betone ich hier nun ausdrücklich, erachte ich das Liegenlassen von Holz als unverantwortliche Verschwendung unseres einheimischen und erneuerbaren Rohstoffes Holz. Dies sage ich nun nicht als Präsident der Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, sondern als Bürger eines Bergkantons, der mit einer solchen Waldpolitik grosse Mühe hat. Den Kolleginnen und Kollegen, die sich im Detail ein Bild machen wollen, wie liegengelassenes Holz in einem Bergwald wirkt, kann ich das anhand von Fotos aus meinem Kanton, die ich hier habe, zeigen.

Wir sind uns bewusst, dass in allen Bereichen gespart werden muss. Wenn wir aber ausgerechnet in der Waldpflege bis zu 30 Prozent sparen, während in anderen Bereichen durchschnittlich um 6 Prozent gespart wird, stimmt die Opfersymmetrie für mich nicht mehr. Ich bitte Sie, Herr Bundesrat, diese Tatsachen im Auge zu behalten, wenn die nächste Sparrunde ansteht.