Graf Maya · Nationalrat · 2004-03-09
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2004-03-09
Wortprotokoll
Ich möchte im Namen der grünen Fraktion das Postulat ebenfalls unterstützen, und zwar aus Sicht der Schweiz und aus Sicht der Tropenholzpolitik der Schweiz.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die tropischen Urwälder noch unberührt. Wir wissen es alle: Seit den Sechzigerjahren sind grosse Flächen abgeholzt und unwiederbringlich zerstört worden. Das Ausmass der Zerstörung ist so dramatisch, dass gegenwärtig nur noch 20 Prozent der ursprünglichen Wälder überhaupt erhalten sind; also nur wenige Regionen der Erde, wie in Zentralafrika, Südostasien und im Amazonasbecken, beherbergen überhaupt noch grossflächige Tropenwälder. Jedes Jahr geht 1 Prozent davon verloren.
Der Bericht über die Umsetzung der "Agenda 21" für den Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im Jahre 2002 zeigt auf, dass bei den Bemühungen gegen die zunehmende Entwaldung der tropischen Regionen bisher nur geringe Fortschritte erreicht wurden. Sie können sich vorstellen, dass diese Entwicklung für die Menschen, die in den Tropenwäldern leben, fatale Folgen hat. Die Vernichtung ihres Lebensraumes bedeutet für sie den Verlust ihrer Kultur und Identität. Die Völker der Wälder nutzten seit je die natürlichen Ressourcen zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse, ohne jedoch dabei das ökologische Gleichgewicht des Waldes zu zerstören. Durch den kommerziellen Holzschlag wird dieses fragile Gleichgewicht zerstört. Durch die Rodung der Wälder wird nicht nur die Lebensgrundlage vieler Waldvölker zusehends zerstört, sondern auch die Artenvielfalt irreversibel vernichtet. Damit nicht genug: Nachdem der Wald abgeholzt ist, werden die frei gewordenen Flächen als Viehweiden oder Anbauflächen für Monokulturen intensiv genutzt. Der Boden wird weggespült, und es dauert Generationen, bis sich das Land überhaupt erholt.
Ich denke, wir kennen heute die Folgen der Zerstörung der Tropenwälder. Und sie machen sich auch fernab, zum Beispiel in der Schweiz, bemerkbar. Die Tropenwälder werden nicht zu Unrecht als die grüne Lunge der Erde bezeichnet, denn sie prägen das globale Klima. Und die Abholzung verursacht einen klimatischen Wandel, dessen Auswirkungen wir bis hier in die Schweiz spüren. Es sei an den heissen Sommer 2003 erinnert, an Erdrutsche und auch an das Schmelzen der Gletscher. Der Schutz der letzten Tropenwälder kommt also nicht nur der indigenen Waldbevölkerung zugute. Eine Intensivierung des Schutzes der letzten noch intakten Tropenwälder liegt sehr wohl auch im Eigeninteresse der Schweiz. Wir sollten deshalb nicht nur immer schöne Absichtserklärungen abgeben, sondern endlich mit [PAGE 222] dem Schutz der Tropenwälder Ernst machen - was wir hier beschliessen können.
Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, der Motion Eggly wenigstens als Postulat zuzustimmen und der verstärkten Entwicklungszusammenarbeit mit indigenen Völkern im Tropenwaldgebiet Folge zu geben.