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preparatory:AB 50760

Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-06-09

Wortprotokoll

Unsere Kommission hat sich an einer etwas längeren und an einer etwas kürzeren Sitzung mit Schweiz Tourismus befasst. Der Tourismus ist ja eine der wichtigsten Branchen in der Schweiz und generiert etwa 30 Milliarden Franken Umsatz. Ganze Gebiete sind vom Tourismus abhängig, wie zum Beispiel das Wallis, das Tessin, das Bündnerland oder auch die Innerschweiz. In diesen Regionen ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige, welcher etwa 165 000 Vollzeitstellen anbietet, wobei noch zahlreiche Arbeitsplätze in den Bereichen Detailhandel, Transport, Schmuck, Uhren usw. dazukommen. Für meinen Kanton Luzern kenne ich die Zahlen: Es sind über eineinhalb Millionen Logiernächte, der Umsatz beläuft sich ohne Tagestouristen auf knapp 400 Millionen Franken pro Jahr, etwa 8000 Beschäftigte sind im gastgewerblichen Betrieben tätig und etwa weitere 4000 sind indirekt vom Tourismus abhängig, dies vor allem in kleinen und mittleren Betrieben. Das zeigt deutlich die Wichtigkeit des Tourismus auf. Nicht zu vergessen sind auch die vielen Lehrlinge, die in den verschiedenen, zum Teil zum Tourismus gehörenden Branchen ausgebildet werden.

Der Tourismus ist aber nicht nur eine ökonomische Grösse, sondern auch ein wichtiges Element der Kultur, und er steht in vielfältiger Beziehung zu Gesellschaft und Umwelt. Schweiz Tourismus ist eine nationale Marketingorganisation und leistet eine wichtige Arbeit für unser touristisches Angebot im Inland, vor allem aber im Ausland. Finanziert wird Schweiz Tourismus zu 60 Prozent vom Bund, 40 Prozent der Mittel müssen selber aufgebracht werden.

Schweiz Tourismus verzeichnet wachsende Mitgliederzahlen - plus 20 Prozent seit dem Jahr 2000 -, ist in der Branche anerkannt und macht einen ausgezeichneten Job. Früher genügte es, auf den Winter in der Schweiz hinzuweisen, und die Gäste kamen in Scharen. Heute ist das nicht mehr der Fall. 190 Länder haben weltweit den Tourismus zur strategischen Branche erklärt, und 176 Länder unterhalten ein nationales Dachmarketing. Das heisst, die Konkurrenz der anderen Länder ist nicht nur in Europa sehr gross.

Heute, in einer Zeit, in der man für 48 Euro von Genf nach Barcelona fliegt, heisst die Strategie im Tourismus, billiger oder besser zu sein. Billiger kann die Schweiz als Hochpreisland nicht sein, also müssen wir besser sein und auf Qualität setzen. Wir können ja leider nicht mehr immer schneesichere Winter garantieren. Wir können auch keine regenfreie Sommertage und keine warmen Badestrände garantieren. Aber wir können eine der schönsten Gegenden der Welt anbieten, auf die Bedürfnisse unserer Gäste eingehen und ihnen den Aufenthalt bei uns zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, wie wir das früher getan haben.

Schweiz Tourismus trägt dem Rechnung und verbessert dank Qualitätsprogrammen in den Betrieben die Produkte und die Servicequalität. Wenn auch der Grossteil der Tourismusbetriebe den heutigen Anforderungen genügt, so haben doch einige in den vergangenen Jahren die Eigeninitiative vernachlässigt und sind, wie viele Wirtschaftszweige in der Schweiz, etwas träge geworden; das gilt es unbedingt zu korrigieren. Weiter ist heute bei vielen Gästen Einkaufen eine Hauptbeschäftigung. Entsprechend sind unsere Ladenschlusszeiten und die geschlossenen Geschäfte am Wochenende oftmals ein Nachteil.

Offene Läden am Wochenende sind attraktiv und profitieren von der Grosszügigkeit der Gäste bei einem Städteflug. Ich bin mir aber bewusst, dass die Kompetenz der Ladenöffnungszeiten bei den Kantonen liegt und wir hier vom Bund aus nicht eingreifen können.

Ein weiterer Nachteil - wahrscheinlich der grösste - ist das Grounding der Swissair. Während früher die Swissair fast sämtliche Nationen anflog, in den Städten Auslandsgeschäftsstellen unterhielt und entsprechend als Werbeträger für unser Land unterwegs war, spüren wir heute diese Lücken sehr schmerzlich. Es ist unverständlich, weshalb z. B. Destinationen in Afrika wie Daressalam von der Swiss angeflogen werden, während Peking oder Schanghai keine Destinationen der Swiss sind. Das ist aber interne Sache der Swiss.

Durch das zusammengestrichene Netz der Swiss muss Schweiz Tourismus heute diese Lücken wettmachen. Die Welt hat sich verändert und ist klein geworden. Auch die Reisegewohnheiten haben sich verändert. Heute ist der Ferne Osten ein attraktiver Tourismuspartner, dort sind rechtzeitig Akzente zu setzen. Es ist dringend nötig, dass wir Marktanteile in den Wachstumsmärkten wie z. B. China und Indien sichern. Wir wissen, dass wir ein einzigartiges Produkt haben, was die Natur angeht: Seit 1917 haben 400 Millionen internationale Gäste die Schweiz besucht; wichtigster Faktor sind nach wie vor unsere Berge. Aber, ich habe bereits darauf hingewiesen, die Schweiz wird als teuer wahrgenommen, und entsprechend muss auch Schweiz Tourismus teuer produzieren und ein aufwendiges Marketing betreiben, damit unser Land als Qualitätsprodukt verkauft werden kann. Die Aktivitäten von Schweiz Tourismus stützen sich auf vier Pfeiler:

1. die Betreuung der Reiseveranstalter;

2. die internationale Medienarbeit;

3. die klassische Werbung;

4. das Marketing auf den elektronischen Absatzkanälen.

Was die Finanzierung betrifft, so konnte das Verhältnis in den letzten fünf Jahren umgekehrt werden, und die Finanzierung durch den Bund konnte von 80 Prozent auf 60 [PAGE 306] Prozent gesenkt werden. Die Kommission war sich einig, dass Schweiz Tourismus weiterhin unterstützt werden soll, und hat einstimmig Eintreten beschlossen. Zu diskutieren gab einzig die Höhe des Kredits. Während Schweiz Tourismus 277 Millionen Franken für die nächsten vier Jahre beantragte, kürzte der Bundesrat diesen Betrag auf 200 Millionen Franken. Die Kommission beantragt Ihnen heute, den Kredit für die nächsten vier Jahre von 200 Millionen Franken um 30 Millionen Franken, also auf 230 Millionen Franken, zu erhöhen. Das entspricht dem Betrag, den Schweiz Tourismus in den letzten vier Jahren erhalten hat.

Argumente gegen eine Erhöhung kamen verständlicherweise von den Finanzpolitikern, die auf unsere desolaten Finanzen aufmerksam machten und auf die Schuldenbremse und das Sparpaket hinwiesen. Diese Argumente sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Die Mehrheit unserer Kommission vertrat aber die Ansicht, dass der Tourismus eine der Wachstumsbranchen ist, die wir heute haben, und dass die effektive Bearbeitung von neuen und vielversprechenden Zielmärkten deshalb vordringlich ist. Es sind ja vor allem unsere wirtschaftlich schwachen Regionen, die vom Tourismus abhängen, und dort sind industrielle Ansiedlungen nach wie vor schwierig.

Aufgrund der veränderten Reisebedingungen und Ferienangebote ist die Unterstützung von Schweiz Tourismus deshalb eine Investition in die Zukunft, die nicht vernachlässigt werden sollte. Wenn wir pro Jahr 1 Milliarde Franken mehr Umsatz erzielen können, so bringt das dem Bund zusätzliche 330 Millionen Franken an Steuern. Das sollte nicht vergessen werden.

Aber auch die Kantone und Gemeinden können entsprechend profitieren, und nicht zu vergessen ist die Sicherung der entsprechenden Arbeitsplätze. Die Marketinganstrengungen zu verstärken ist die einzige Möglichkeit, wenn man Wachstum generieren will. Unser wirtschaftliches Wachstum hat in den letzten zehn Jahren stagniert; wir sind weit zurückgefallen. Es ist also höchste Zeit, dort zu investieren, wo ein "return on investment" erwartet werden kann. Die Abstimmung ergab ein Resultat von 6 zu 5 Stimmen. Wir haben dann aber die Gesamtabstimmung ausgesetzt, weil die Finanzkommission noch eine Stellungnahme zuhanden der WAK einreichen wollte. Auf dieses Rückkommen wurde dann in der nächsten Sitzung nicht mehr eingetreten. Dies vor allem, weil uns der Bundespräsident wissen liess, dass es wichtig ist, neue Märkte rechtzeitig zu erobern, und dass es auch richtig ist, dass sich das Wegfallen des feinmaschigen Netzes, das die ehemalige Swissair betrieb, negativ auf die aktuelle Situation ausgewirkt hat und dass der Bundesrat in diesem Sinn unseren Entscheid begrüsst.

Die WAK empfiehlt Ihnen deshalb mit 5 zu 0 Stimmen, allerdings bei 5 Enthaltungen, dem Kredit von 230 Millionen Franken zuzustimmen.