Brändli Christoffel · Ständerat · 2004-06-09
Brändli Christoffel · Ständerat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2004-06-09
Wortprotokoll
Als Mitglied des Vorstandes von Schweiz Tourismus werde ich mich zurückhaltend äussern. Gestatten Sie mir aber doch vier kurze Anmerkungen zu diesem Geschäft:
1. Vorerst einmal zum Betrag, der beantragt wird: Es gab ja ursprünglich, ich sage jetzt einmal, den Wunsch von Schweiz Tourismus nach einem Betrag von 277 Millionen Franken. Der Bundesrat beantragt 200 Millionen, die Kommissionsmehrheit 230 Millionen Franken. Der Vorschlag des Bundesrates würde bedeuten, dass man Leistungen kürzen muss. Der Betrag der Kommission bedeutet, dass man das tut, was man bisher getan hat. Das ursprüngliche Begehren von Schweiz Tourismus nach 277 Millionen ging davon aus, dass man eigentlich auf den Ostmärkten und in China mehr tun müsste. Das sind neue Märkte, und es ist eine alte Erfahrungstatsache, dass beim Eindringen in neue Märkte die Ersten am meisten Erfolg haben werden. Die Schweiz kann auf diese besonderen Aktivitäten in diesen Märkten natürlich verzichten, wird dann aber in einigen Jahren das Problem haben, dass sie von ihren europäischen Konkurrenten, die dort sehr aktiv sind, mühsam und mit viel Geld Marktanteile zurückerobern muss. Dieser Betrag von 230 Millionen ist also eigentlich strategisch nicht ein optimaler Fall, aber immerhin ein Betrag, mit dem man den Istzustand halten kann.
2. Warum ein staatlicher Beitrag? Es geht ja bei dieser Werbung um zwei Dinge. Zunächst einmal geht es um Imagewerbung für unser Land, und ich betrachte die Imagewerbung für unser Land als Staatsaufgabe. Schweiz Tourismus betreibt auch Produktewerbung. Produktewerbung ist nicht Sache des Staates, das ist Sache der Branche. Es ist so, dass die Branche einen wesentlichen Beitrag an Schweiz Tourismus für diese Produktewerbung leistet. Es wird immer wieder kolportiert, der Staat müsse nicht Produktewerbung machen, aber es ist natürlich so, dass die Branche selbst, also jedes Hotel, jede Bergbahn usw., ein Vielfaches von diesem Betrag zusätzlich für Werbeanstrengungen ausgibt.
Wenn wir jetzt von Staatsaufgabe sprechen, müssen wir uns über die Landeswerbung, die Imagewerbung für unser Land, und zwar nicht nur für den Tourismus, unterhalten. Unser Finanzplatz, unsere internationalen Verbindungen usw. sind auf ein gutes Image der Schweiz angewiesen. Ich darf in Anspruch nehmen, dass die Gäste, die uns besuchen, Schüler, die bei uns Hotelschulen besuchen usw., dieses positive Image wesentlich prägen und wesentlich dazu beitragen die Negativpropaganda, die einige Branchen in den letzten Jahren für unser Land gemacht haben, zu kompensieren. Die Landeswerbung scheint mir bei dieser Vorlage also zentral zu sein, und hier müssen wir uns darüber unterhalten, wie viel wir dafür einzusetzen bereit sind.
3. Die wirtschaftliche Bedeutung: Dazu wurde einiges gesagt. Ich möchte hier nur einen Gedanken einbringen. Wir sagen ja immer wieder - und das ist volkswirtschaftlich auch durchaus richtig -, dass wir die wertschöpfungsstärksten Branchen fördern müssen. Also: Wir brauchen einen Finanzplatz, wir brauchen eine chemische Industrie, wir brauchen eine Uhrenindustrie - das bringt unserem Land enorm viel. Das ist so, da besteht kein Zweifel. Aber vielleicht müssen wir uns auch einmal darüber unterhalten, ob wir nicht auch zu Branchen Sorge tragen müssen, die Arbeitsplätze kreieren. Wenn wir in unserem Land nur noch Arbeitsplätze fördern, die Akademiker beschäftigen, und die anderen Branchen fallen lassen, dann werden wir irgendwann einmal - ich überzeichne jetzt etwas - Akademiker haben, die Wertschöpfung generieren, und die übrige Bevölkerung stempelt. Das kann ja keine Vision sein. Es kann vor allem nicht eine Vision sein für die peripheren Gebiete. Wir sollten zum Tourismus deshalb mehr Sorge tragen und uns auch mehr und intensiver mit der Bedeutung dieser Branche auseinander setzen.
4. Die Koordination der Landeswerbung der Schweiz: Vor zehn Jahren gab es die Schweizerische Verkehrszentrale. Ihr Zweck war die Landeswerbung im weitesten Sinne. Das war ein guter Ansatz. Wir haben dann vor etwa zehn Jahren eine Aufsplitterung eingeleitet: Schweiz Tourismus für den Tourismus, Osec für die Wirtschaft, Präsenz Schweiz - ich sage jetzt nicht, ich wisse nicht wofür - auch für bestimmte Dinge, Pro Helvetia usw. Die Zersplitterung der Mittel ist marketingmässig eine völlig unsinnige Strategie. Man kann die Identität eines Landes nicht kreieren, indem man mit verschiedenen Agenturen auf die Leute losgeht. Sie können Agenturen auch nicht koordinieren, denn jede Agentur hat ihre Ideen. Klar, man koordiniert, aber man bekommt keine optimale Lösung. Ich bin deshalb der Kommission sehr dankbar. Sie hat das zwar mit einem Postulat gemacht, weil es teilweise die Zuständigkeiten des Bundesrates betrifft. Ein Postulat darf ja nicht heissen, dass man wenig tut oder [PAGE 308] eventuell nichts tut. Es hat eine absolut hohe Priorität, dass man darüber diskutiert, die ganze Landeswerbung zusammenzufassen und mit einer Organisation tatkräftig voranzutreiben. Ich hoffe dann, dass der Bundesrat dazu einige Ausführungen macht und hier im Sinne der Kommission sehr rasch nach Lösungen sucht und nicht am Schluss dann vielleicht noch jedem Departement eine Marketingagentur anhängt, um international irgendetwas zu tun.
Ich bitte Sie, dem Antrag der Kommissionsmehrheit zuzustimmen und 230 Millionen Franken zu sprechen. Ich bitte Sie, die Kommission vor allem auch zu unterstützen, wenn es darum geht, mit diesem Vorstoss eine Konzentration der Kräfte zu erreichen.