Müller Geri · Nationalrat · 2005-06-08
Müller Geri · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2005-06-08
Wortprotokoll
Dieses Tier, das jetzt hereingelaufen ist, hat nicht die Chance, vor dem nationalen Parlament zu sprechen, obwohl es im Gegensatz zu mir eine Krawatte trägt.
Tiere können für ihre Sache nicht einstehen; Tiere sind aber, wie Sie das vorhin in verschiedenen Referaten gehört haben, für uns Menschen sehr entscheidend und sehr wichtig. Deshalb brauchen sie unseren Schutz. Die Frage ist: Wie schützt man Tiere? Wir können sie nicht befragen; es sind Gestalten, die sich nicht ausdrücken können. Dennoch haben sie eine Art und Weise, wie sie sich ausdrücken können, und das ist ihre Reaktion auf die Art, wie sie gehalten werden.
Ich beschränke mich in meinem Referat - es wurden schon sehr viele Aspekte angesprochen - auf die Haltung der Tiere insbesondere im Zoo und im Zirkus. Man sagt, dass der Zoo eine sehr wichtige pädagogische Bedeutung hat, um beispielsweise unseren Kindern und auch anderen Menschen darzulegen, wie wichtig der Tierschutz ist und wie wichtig es ist, auf diese Kreaturen Rücksicht zu nehmen und ihnen Achtung zu geben. Das stimmt nur dann, wenn im Zoo wirklich auch Tiere angetroffen werden, die tierwürdig leben. Die heutige Gesetzgebung verunmöglicht dies jedoch. Wir stellen fest, dass Tiere so eingesperrt sind, dass sie ihr ethologisches, ihr natürliches Verhalten nicht ausleben können; sei es, dass sie Gelenkschäden bekommen, weil sie sich nicht bewegen können, sei es, dass sie diese stereotypen Verhaltensstörungen haben, sei es, dass sie sogar die Ernährung verweigern und abnehmen.
Wer soll diese Vorgaben machen? Wer soll festhalten, wie ein Tier zu halten ist? Das sollen Fachleute tun. Dafür habe ich zu wenig Kenntnisse, dafür braucht es eine Kommission. Das gibt es auch schon heute, allerdings haben sich diese Gruppen nicht immer an den modernsten Erkenntnissen der Ethologie, der Verhaltenskunde der Tiere, orientiert. Oft wurden Grundsätze vergessen oder einfach nicht durchgesetzt, teilweise auch aufgrund der Interessenlage der Halter.
Ich will damit nicht eine neue Kategorie von Kriminalität schaffen. Ich habe mit Kleinzoobesitzern gesprochen. Sie haben mir teilweise gesagt: Wissen Sie, ich habe diese Tiere geschenkt bekommen, ich möchte sie hier halten, ich möchte sie anderen Leuten nicht vorenthalten, ich möchte sie zeigen. Es ist aber einfach problematisch, dass die Interessen der Tiere darunter leiden. Man sollte ein Mittel haben, solchen Zoobesitzern entweder zu helfen oder ihnen zu untersagen, die Tiere so zu halten.
Ein weiteres Beispiel sind die Verhältnisse in Zirkussen. Es ist natürlich fantastisch, wenn der Mensch Tiere dressieren [PAGE 712] kann, wenn er zeigen kann, wie gut er die Tiere im Griff hat. Es braucht manchmal eine jahrelange Beziehungsarbeit, es ist manchmal eine sehr intensive Zeit, die man mit den Tieren verbringt. Aber dass das nicht immer so reibungslos abgeht, zeigen Fotos aus Zirkussen, die darlegen, dass die Tiere bei weitem nicht immer auf die erwähnte Weise dressiert werden. Oft müssen Tiere, damit sie sich gewisse naturfremde Verhaltensweisen aneignen, verletzt werden. Es gibt Fotos von Verletzungen bei Elefanten, es gibt Bilder von stereotypen Verhaltensweisen von Tigern, mit denen man als Attraktion durchs Land zieht. Das sind alles Gebiete, wo der Tierschutz greifen müsste. Das ist das, was meine Kollegin Riklin auch angesprochen hat. Es braucht ein griffiges Tierschutzgesetz. Dieses griffige Tierschutzgesetz soll umsetzbar sein. Das ist manchmal ein Widerspruch, denn wenn es greifen soll, gibt es vermutlich jemanden, der unter diesem Gesetz leiden wird, nämlich jene Leute, die heute schon den Tierschutz nach den modernsten Erkenntnissen nicht umsetzen.
Ich werde mich nachher bei Artikel 6, bei der Frage der Ausbildung der Leute, die mit Tieren umgehen, und bei der Haltung im Allgemeinen noch dazu äussern. Ich wünsche mir, dass der Bundesrat nachher in seinen Ausführungen sagen könnte, wie er sich vorstellt, wie die Tierhaltung naturwissenschaftlich definiert wird, wer das genau macht - das wird wahrscheinlich auf der Verordnungsebene sein - und wie diese Leute ausgewählt werden. Wichtig dabei sind der Aspekt der Ethologie und der Aspekt des Tierschutzes.