Freysinger Oskar · Nationalrat · 2005-06-08
Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-06-08
Wortprotokoll
Die Formulierung des Ständerates zu Artikel 1 ist ganz kurz, bündig und klar: "Zweck dieses Gesetzes ist es, die Würde und das Wohlergehen des Tieres zu schützen." Meinerseits finde ich, dass es mit der Würde schon ziemlich weit geht, damit kann ich aber noch leben. Nun kommen da aber zwei Minderheiten und wollen Folgendes hinzufügen: "empfindungsfähiges Lebewesen und Mitgeschöpf". (Zwischenruf Zisyadis: "En français!") Entschuldigung, sind wir hier in einem stalinistischen Staat, oder darf ich auch noch Deutsch reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist, ohne dass Herr Zisyadis ständig interveniert? Wenn er Russisch reden will, habe ich auch nichts dagegen einzuwenden; das gibt's doch wohl nicht!
Ich rede also hier vom empfindungsfähigen Lebewesen, was meiner Meinung nach eine Redundanz darstellt, denn es bestreitet doch gar keiner, dass das Tier einer Empfindung fähig ist. Es hat ein Nervensystem, es empfindet Schmerz usw. Das weiss doch jeder, denn sonst könnte man das noch auf die Pflanze ausweiten. Wieso bauen wir nicht ein Tier- und Pflanzenschutzgesetz auf, weil die Pflanze ja schliesslich auch Empfindungen hat?
Herr Widmer spricht hier von irgendwelchen Konzeptionen des Tieres als aufblasbares Wesen: Er traut uns wenig zu, wenn er meint, wir würden das Tier mit einer aufblasbaren Puppe verwechseln! Oder meint er damit vielleicht das Pneuma? Pneuma gleich Hauch, gleich Seele, und schon wären wir bei der Absicht dieses ganzen Gesetzes, nämlich dem Tier eine Seele einzuhauchen und es also auf das menschliche Niveau zu setzen.
Zum "Mitgeschöpf": Soll das dann etwa dazu führen, dass man dem Schnitzelverspeiser und Steakverschlinger ein schlechtes Gewissen vermitteln will? Sehen Sie sich das an: Die Mutter geht mit ihrem Kind ins Restaurant. Da verschlingt irgendeiner ein Steak, und schon wird gesagt: "Schau dir dieses Monster an, es verspeist eben herzlos ein Stück Mitgeschöpf." Da könnte man eine neue Sprachregelung einführen und sagen, es gebe im Geschäft jetzt Mitgeschöpf-Filet, Mitgeschöpf-Kotelett, Mitgeschöpf-Entrecôte und Mitgeschöpf-Wurst. Ich meine: Wo sind wir denn da? Das geht einfach zu weit. Mit der Würde kann ich noch leben, aber mit solchen Spitzfindigkeiten erweisen wir den Tieren auch keinen Dienst. Der Mensch soll ganz einfach Mensch bleiben und sich auch so verhalten, und das Tier soll Tier bleiben. Dann ist beiden gedient. Der Mensch verspeist weiterhin sein Steak mit Würde, Respekt, Genuss und ohne schlechtes Gewissen.
Ich trete also im Namen der SVP-Fraktion für den Beschluss des Ständerates ein, dem die Mehrheit zustimmt.