Daguet André · Nationalrat · 2005-06-15
Daguet André · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-06-15
Wortprotokoll
Ich staune immer wieder über diese freisinnigen Fragen. Ich beantworte sie gerne.
Sie sagen, Lehrlingsausbildung, Berufsausbildung, sei einer der wertvollsten Schätze dieses Landes und dieser Wirtschaft. Herr Bundesrat Deiss hat das schon hundertmal gesagt: Wenn wir diese nötige Ausbildung nicht sicherstellen können, haben wir nicht die gleiche wirtschaftliche Zukunft. Da können Sie mir doch nicht sagen, man müsse auch die anderen hundert Kriterien mit einbeziehen, und wenn nicht, sei auch die Ausbildung nicht als Kriterium aufzunehmen. Auch das ist, finde ich, eine sehr bescheidene Antwort. Sie kennen die Wirtschaft, Sie sind selber Unternehmer. Sie sollten eigentlich wissen, wie wichtig die Ausbildung ist. Das erwarte ich von Ihnen.
Und nun zu Ihrem zweiten Punkt, den Kosten. Ich kenne aus meiner gewerkschaftlichen Praxis die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sehr gut. Ich kann Ihnen sagen: Es ist sehr einfach, zu sagen, Lehrverhältnisse würden sich lohnen, würden den Preis der Produkte senken. Ich habe [PAGE 866] Erfahrungen aus einer Branche, in der noch 70 Prozent der Betriebe ausbilden - dank des gemeinsamen Engagements von Arbeitgeberverband, Arbeitgebern und Gewerkschaft, Smuv dazumal, Gewerkschaft Unia heute. Dank dieses Engagements haben wir ein hohes Ausbildungsniveau. Aber gute Ausbildung kostet auch viel in einem Betrieb, gerade in der Maschinenindustrie. Zu sagen, das seien billige Arbeitskräfte, dann könne man die Produkte noch billiger machen, ist eine etwas billige Antwort auf die Problemstellung.
Es gibt, ich kann das auch für die Maschinen- und Metallindustrie sagen, insbesondere kleinere und mittlere Betriebe, die es sich nicht leicht machen, wenn sie dafür sorgen, dass Lehrstellen geschaffen und Lehrlinge ausgebildet werden - auch für die Zukunft und im Interesse der Branche. Aber diese Arbeitgeber sagen mir immer, wie schlimm es ist, wenn Betriebe, die zum Teil keine Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, die gut ausgebildeten ehemaligen Lehrlinge in ihre Betriebe holen, ihnen sogar etwas mehr Lohn bezahlen und damit die Arbeitgeber bezahlen lassen, die sie ausgebildet haben. Das ist die Realität.