Lexipedia

Cathomas Sep · Nationalrat · 2005-06-15

Cathomas Sep · Nationalrat · Graubünden · Christlichdemokratische Fraktion · 2005-06-15

Wortprotokoll

Die CVP hat viel Sympathie für Anliegen der Ausbildung. Trotzdem findet die in der Motion Galladé gestellte Forderung in unserer Fraktion keine einhellige Zustimmung. Die Forderung, dass das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen die Ausbildung von Lehrlingen als Vergabekriterium aufnehmen soll, geht einem Teil der CVP-Fraktion zu weit.

Bildung ist das wichtigste Potenzial für eine verantwortungsvolle Gesellschaft und eine erfolgreiche Wirtschaft. Die CVP steht für eine starke finanzielle Unterstützung des Bildungswesens ein. Als eine der wenigen Positionen im Bundesbudget werden im Bildungsbereich jährlich immer wieder neue Kostensteigerungen genehmigt, was auch von der CVP-Fraktion unterstützt wird. Wir stehen auch zum dualen Bildungssystem und ganz klar zur Berufsausbildung. Im Grossen und Ganzen decken das neue Berufsbildungsgesetz und die darin enthaltene Aufgabenteilung zwischen Bund, Kantonen und Organisationen diese Forderung ab.

In meiner Tätigkeit als Lehrmeister stelle ich immer wieder fest, dass viele Schulentlassene die Wahl auf einen einzigen Beruf beschränken und nicht bereit sind, auch Alternativen im Ausbildungsangebot zu prüfen und zu akzeptieren. Es fehlt bei vielen Leuten oftmals effektiv an Flexibilität. Auch im Kanton Graubünden hatten wir im vergangenen Januar grosse Bedenken, dass zu wenige Lehrstellen vorhanden seien. Die Prüfung hat gezeigt, dass wir wohl Schulabgänger ohne Lehrstellen haben, aber auch 400 Lehrplätze nicht besetzt sind. Die fehlende Bereitschaft, eine Berufswahl der zweiten Priorität zu prüfen und eine solche Lehre anzutreten, ist somit auch ein Grund für die bestehende Lehrstellenkrise.

Ein weiterer Grund ist seitens der Lehrbetriebe die fehlende respektive mangelhafte Abgeltung der in den Lehrbetrieben zusätzlich anfallenden Kosten der Lehrlingsausbildungen. Viele Betriebe sind nicht mehr bereit, Lehrstellen anzubieten, weil erstens der Preiskampf und die dadurch eingeschränkten Unternehmensgewinne und die kosteneffiziente Arbeitsausführung einen sparsamen Umgang mit den finanziellen und zeitlichen Ressourcen erfordern; zweitens werden die Lehrbetriebe in vielen Bereichen durch Gebühren und Kostenbeiträge für Kurse, Materialkosten usw. belastet, was bei verkleinerten Unternehmensgewinnen nicht mehr verkraftbar ist; drittens sind Lehrlinge und Lehrtöchter für ein KMU kein gewinnbringender Geschäftsteil, weil sie einen grösseren zeitlichen Aufwand erfordern. Aus diesem Grunde sind immer weniger KMU bereit, Lehrstellen zur Verfügung zu stellen.

Wenn wir neue Lehrplätze schaffen wollen, müssen wir in erster Linie die Bedingungen für die Lehrbetriebe verbessern. Auf der anderen Seite müssen die Lehrstellensuchenden bereit sein, eine in zweiter oder dritter Priorität stehende Ausbildung anzunehmen. Meine Frage in diesem Zusammenhang an den Bundesrat lautet: Was unternimmt der Bundesrat in diesen beiden Bereichen?

Die CVP-Fraktion ist in dieser Frage gespalten; wir haben Stimmfreigabe beschlossen.