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Wyss Ursula · Nationalrat · 2005-06-16

Wyss Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-06-16

Wortprotokoll

Ich bin froh, die SP ist froh, dass die Dramatik der Lage auf dem Lehrstellenmarkt nun doch endlich erkannt wird. Heute sind 50 000 Jugendliche bis 25 Jahre arbeitslos, ohne Arbeit, ohne Lehrstelle. Bisher sahen wir uns vor allem leeren Versprechungen gegenüber. Im Abstimmungskampf zur Lehrstellen-Initiative, ich muss einfach daran erinnern, haben Sie, Herr Bundesrat Deiss, versprochen, bis im Herbst 2003 - man merke: 2003 - habe jeder Jugendliche eine Lösung. Heute wissen wir, dass dies ein leeres Versprechen gewesen ist.

Insbesondere wurden die vorgesehenen finanziellen Mittel sowohl beim Lehrstellenbeschluss II, auf den sich meine Interpellation bezieht, als auch jetzt, beim neuen Berufsbildungsgesetz im Jahr 2004, eben nicht ausgeschöpft. Es heisst dann dazu, das System hätte sich halt noch in der Aufbauphase befunden. Nur wurde der Bundesrat dummerweise schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass es erstens diese finanziellen Mittel gibt und dass er sich zweitens darum bemühen soll, dass sie auch ausgeschöpft werden. Ich erinnere an Vorstösse von ehemaligen Parlamentsmitgliedern. Zum Beispiel hat Ruedi Strahm mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Mittel doch eingesetzt werden sollten, dass die Kommunikation funktionieren müsse, dass die Koordination sowohl mit den Verbänden wie auch mit den Kantonen in Gang gebracht werden solle.

Aber wir wollen uns heute nicht die Schuld zuweisen. Wir wollen, dass künftig die zur Verfügung stehenden Mittel für die Förderung von Lehrstellen auch ausgenutzt werden. Gerade im Bereich der niederschwelligen Angebote, der Attestausbildungen, auf die sich meine Interpellation bezieht, ist Handeln aufgrund der dramatischen Lage dringend, denn es tickt effektiv eine soziale Zeitbombe. Die Integration in die Gesellschaft, die findet nun einmal ganz zentral über die Erwerbsarbeit statt. Die sozialen Folgekosten sind so verheerend wie absehbar: Die Arbeitslosigkeit kostet genauso wie die Sozialhilfe, in der sich heute in den Städten schon ungefähr jeder zehnte Jugendliche befindet.

Besonders also im Bereich der Attestausbildungen ist dringend beherztes Handeln gefordert, denn genau in diesem Bereich bieten sich für Jugendliche kaum noch Chancen. Die Besserqualifizierten, die können aufs Gymnasium ausweichen; die Mittleren, die finden meistens auch noch irgendeine Ausweichlösung. Aber es sind die Schwächsten, die am Schluss übrig bleiben und überhaupt keine Lösung mehr haben. Nicht von ungefähr befinden sich heute über 20 000 Jugendliche in irgendwelchen Brückenangeboten, [PAGE 902] um auf eine Lehrstelle zu warten, zum Teil schon im zweiten Jahr, zum Teil im dritten Jahr. Sie sind dann mittlerweile 20, und Sie können sich vorstellen, dass dies eine Lehrstellensuche nicht vereinfacht. Es führt kein Weg daran vorbei: Es müssen endlich mehr Lehrstellen her!

Ich bitte Sie daher sehr, nicht nur meine Interpellation zu lesen, sondern vor allem die Motionen und Postulate, die Ihnen heute präsentiert worden sind, anzunehmen.