Wandfluh Hansruedi · Nationalrat · 2005-06-17
Wandfluh Hansruedi · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-06-17
Wortprotokoll
Kollegin Galladé hat ihr Herzblut bei den Basislehrjahren, das ist gestern ganz klar zum Ausdruck gekommen. Sie vertritt hier ein absolut hehres Anliegen. Alle Jugendlichen sollen eine Lehrstelle haben. Wer keine hat, soll ein Basislehrjahr absolvieren können. Auch ich stehe dafür ein, dass möglichst viele Lehrstellen angeboten werden. Ich selber habe 34 Auszubildende, das sind 13 Prozent der Beschäftigten.
Leider muss ich feststellen, dass der "galladénische" Ansatz des Basislehrjahrs realitätsfremd ist. Das Basislehrjahr hat eine gewisse Daseinsberechtigung bei anspruchsvollen Berufen wie Informatikern oder anderen. Dort wird es als erstes Lehrjahr angerechnet. Es gibt den Jugendlichen einen ersten Schub an Grundwissen, damit sie sich ab dem zweiten Jahr in der Praxis besser zurechtfinden.
Die Idee des Basislehrjahrs, wie es Kollegin Galladé sieht, ist jedoch für Bildungsschwächere gedacht und für solche, die noch nicht recht wissen, was sie lernen wollen. Würde das Basislehrjahr so ausgestaltet, dass das schulische Element vorherrscht, dürfte es am Zielpublikum vorbeischiessen, denn wir haben es sehr oft mit bildungsmüden Jugendlichen zu tun. Wird es hingegen so ausgestaltet, dass vor allem der praktische Teil vorherrscht, analog der heutigen Lehre, werden wir kaum Betriebe finden, die solche Basislehrjahre anbieten. Wenn wir schon heute Mühe haben, genügend Lehrstellen zu finden, wo wollen Sie die Lehrstellen für die Basislehrjahre hernehmen? Was soll der Anreiz für einen Betrieb sein, ein Basislehrjahr anzubieten? Wenn es an die Stelle einer Lehre tritt, wird das Ziel auch nicht erreicht. Es müsste zusätzlich zu einer Lehre sein. Als Arbeitgeber habe ich jedoch keinerlei Interesse, meine Erstlehrjahr-Stifte durch Erstbasislehrjahr-Stifte zu ersetzen, welche nach einem Jahr meinen Betrieb mit relativ grosser Wahrscheinlichkeit wieder verlassen. Die Hürde, Lehrlinge auszubilden, würde nochmals massiv erhöht. Ich bitte Sie im Interesse der Jungen, die eine Lehrstelle suchen, die "galladénischen" Basislehrjahre abzulehnen.
Noch ein Wort zur Ausbildung der Jugendlichen in den internationalen Firmen: Durch die Motion 04.3104 wird der Bundesrat aufgefordert, in internationalen Firmen eine Informationskampagne über das Lehrlingswesen durchzuführen. Ich habe nichts dagegen einzuwenden, wenn die internationalen Firmen informiert werden über das, was bei uns im Bildungswesen üblich ist. Doch diese Informationen müssen gezielt abgegeben werden, nicht in einer allgemeinen Werbekampagne. Die anvisierten Firmen können durch Kantone und Organisationen der Arbeitswelt bereits heute direkt kontaktiert und bearbeitet werden. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von internationalen Firmen. Es gibt diejenigen Firmen, die von internationalen Konzernen übernommen werden, Schweizer Firmen, die auch schweizerische Beschäftigte haben. Diese kennen das Ausbildungswesen, sie kennen das Bildungssystem, sie bilden im Normalfall auch Lehrlinge aus. Und es gibt diejenigen Firmen, die mit ihren gesamten Stäben neu in die Schweiz ziehen. Dort haben wir natürlich grössere Probleme. In diesen Firmen ist die Firmensprache im Normalfall Englisch. Da wird erwartet, dass jemand, der eine Lehre macht, von Beginn weg perfekt Englisch sprechen und auch korrespondieren kann.
Es ist also vorausgesetzt, dass dort Jugendliche rekrutiert werden, die internationale Schulen besucht haben. Auch aus diesen Überlegungen geht hervor, dass ein individuelles Motivationsgespräch absolut angezeigt ist; das ist unterstützungswürdig. Aber eine Informationskampagne ist der falsche Weg.
Ich bitte Sie, auch diese Motion abzulehnen.