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Frick Bruno · Ständerat · 2005-05-30

Frick Bruno · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion · 2005-05-30

Wortprotokoll

Die beiden Nationalräte Christian Speck und Jost Gross haben uns in der ersten Maiwoche für immer verlassen. Unser Rat war an den bewegenden Trauerfeiern vom 13. Mai in Oberkulm und in Frauenfeld vertreten. Beim letzten Geleit kam zum Ausdruck, wie sehr das Andenken an die beiden Verstorbenen in ihren Kantonen und in unseren Räten in Ehren gehalten wird.

Christian Speck ist am 5. Mai 2005 nach einem chirurgischen Eingriff völlig unerwartet gestorben. Er wurde am 22. Dezember 1937 in Menziken geboren. Er lernte den Beruf des Bäcker-Konditors und prägte sowohl die Geschicke seines Berufsstandes als auch diejenigen des Gewerbes im Allgemeinen wesentlich mit, stand er doch während sechs Jahren dem Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verband vor und amtierte als Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes. Er war auch ein Exponent des Gewerbes, dessen Stimme im Nationalrat gehört wurde.

Am 6. November 1998 sagte Bundespräsident Flavio Cotti anlässlich der 150-Jahr-Feier der Bundesversammlung, dass er neben seinen Glückwünschen gerne auch eine Geburtstagstorte mitgebracht hätte, aber angesichts der Kritik, die sein Gebäck vom Spezialisten Christian Speck zweifelsohne geerntet hätte, doch lieber darauf verzichtet habe. Schon damals war der Betrieb, den Christian Speck bereits in der sechsten Generation führte, weit über die Grenzen seiner Region bekannt, und seine Aargauer Rüeblitorte war weitherum geschätzt.

Mit 33 Jahren stieg Christian Speck ins politische Leben ein. Von 1970 bis 1996 bekleidete er Ämter in seiner Aargauer Heimatgemeinde Oberkulm. Zuerst war er drei Jahre Gemeinderat, danach setzte er sich als Gemeindeammann 23 Jahre lang für seine Gemeinde ein. Als Dank für dieses langjährige Engagement wurde er Ehrenbürger von Oberkulm.

Christian Speck trat 1995 als Vertreter der SVP in den Nationalrat ein und wurde danach zweimal glänzend wiedergewählt. Für seine Fraktion nahm er Einsitz in die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie und präsidierte diese Kommission in den Jahren 2002 und 2003. Souverän habe er sie präsidiert, sagen seine Ratskolleginnen und -kollegen. In dieser Kommission kam sein Interesse für Energiefragen zum Tragen, das er als Verwaltungsrat verschiedener Elektrizitätsunternehmen und Kenner der Schweizer Energiewirtschaft mitbrachte. Er gehörte zudem der Kommission für öffentliche Bauten an. Als Präsident der mit der Prüfung der Legislaturplanung 2003-2007 beauftragten Spezialkommission des Nationalrates konnte er seine Kenntnisse auch in einem ganz anderen Bereich unter Beweis stellen.

Seine Kolleginnen und Kollegen werden sein zutiefst menschliches Wesen, seine Umgänglichkeit und sein herzliches Lächeln in bester Erinnerung behalten. Mit Christian Speck ist ein Kollege viel zu früh von uns gegangen, dessen Standpunkte stets realitätsbezogen und sehr konsequent, aber nie ideologiegebunden waren. Christian Speck hat dem Kanton Aargau und den Kreisen, die er im Nationalrat vertrat, auf vorbildliche Weise gedient.

Seinen drei Kindern und seiner Familie möchte ich unsere tiefe Anteilnahme am schweren Schicksalsschlag, der sie am Auffahrtstag traf, bekunden.

Einen Tag nach Christian Speck ist Jost Gross am 6. Mai 2005 bei einem Fussballspiel zwischen Parlamentariern aus Deutschland und der Schweiz in Waldenberg in Baden-Württemberg gestorben.

Jost Gross wurde am 1. März 1946 in Flawil geboren. Er war als Anwalt und Notar in St. Gallen tätig, habilitierte mit einer Gesamtdarstellung des schweizerischen Staatshaftungsrechtes und war seither Privatdozent an der Hochschule St. Gallen. Seine Vorlesungen fanden sowohl bei seinen Mitdozenten viel Beachtung als auch bei den Studierenden viel Interesse. Demnächst wäre er zum Titularprofessor ernannt worden.

Seine politische Karriere begann Jost Gross in seiner Wohngemeinde Ermatingen, wo er von 1979 bis 1987 Gemeinderat war. Von 1980 bis 1984 sass er für die Sozialdemokratische Partei im Grossen Rat des Kantons Thurgau. Zudem amtete er 12 Jahre als thurgauischer Verwaltungsrichter. Die Thurgauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wählten ihn 1995 in den Nationalrat, und seither wurde er mit sehr guten Ergebnissen zweimal im Amt bestätigt.

Wie der Regierungsrat des Kantons Thurgau betonte, war seine politische Tätigkeit stets "von sozialem Engagement, von profunder Kenntnis des Gesundheits- und Sozialwesens und von juristischer Genauigkeit geprägt". Für die zahlreichen Anliegen, die an ihn herangetragen wurden, hatte er stets ein offenes Ohr. Die Meinung dieses humanistischen [PAGE 398] Juristen war sehr gefragt, und so stand er unterschiedlichsten Kreisen mit Rat und Tat zur Seite.

In Bern fand er seine Hauptinteressengebiete in der Staatspolitischen Kommission und der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit wieder. Er beeindruckte in diesen Kommissionen durch seine Tatkraft, überzeugte durch sein profundes Wissen und bestach durch treffende Argumentationen. Jost Gross setzte sich mit viel Energie für den Schutz der Behinderten ein. Die Invaliden in unserem Land verdanken ihm viel, hat er sich doch bei der 4. IV-Revision mit Geschick in den Dienst ihrer Sache gestellt. Er kämpfte beharrlich für die Chancengleichheit der Behinderten in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt. Stark engagierte er sich zudem in der Arbeiterbewegung. Als Präsident des Thurgauischen Gewerkschaftsbundes war er auch wegen seiner gründlichen Kenntnisse des Arbeitsrechtes sehr geschätzt.

Wir alle werden Jost Gross als sehr kompetente Persönlichkeit und integren Menschen in Erinnerung behalten. Seine sympathische Art verschaffte ihm gute Kontakte über die Parteigrenzen hinweg. Seiner Person begegneten wir stets mit Respekt und Hochachtung, auch dann, wenn wir seine Meinung nicht teilten.

Seiner Lebenspartnerin Anita Thanei, seinen beiden Kindern und seinen Angehörigen möchte ich unsere aufrichtige Anteilnahme bezeigen.

Ich bitte Sie, meine Kolleginnen und Kollegen, in einem Moment des Schweigens der beiden Verstorbenen zu gedenken.

[VS]

Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire des défunts