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Widmer Hans · Nationalrat · 2005-09-28

Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-09-28

Wortprotokoll

Ich kann nahtlos beim letzten Gedanken meiner Vorrednerin anknüpfen, nämlich beim Stichwort Braindrain. Kaum jemand wird bezweifeln, dass wir in einer wissensbasierten Gesellschaft leben. Das hat natürlich Konsequenzen: Konsequenzen für Forschung und Lehre einerseits, Konsequenzen aber auch für die Wirtschaft andererseits. Der Bereich Forschung und Lehre begriff schon im letzten und vorletzten Jahrhundert, was es bedeutet, über die Landesgrenzen hinaus, über die Grenzen der Kontinente hinaus immer wieder Menschen anzustellen, welche sich durch überdurchschnittliche Leistungen in ihren jeweiligen Wissensgebieten auszeichnen. Viele Familiennamen - schauen Sie die Vorlesungsverzeichnisse an - machen nicht den Anschein, als seien ihre Träger mit dem roten Pass geboren worden.

Etwas ganz Ähnliches gilt für gewisse Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, aber auch für das mittlere Kader der KMU. Meine Damen und Herren von der Mitte und von rechts, denken Sie daran: Viele KMU - das gilt nicht nur für die Ems-Chemie, für Nestlé oder Novartis - können nicht mehr überleben, wenn in ihren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen keine Spitzenkräfte vorhanden sind: Spitzenkräfte, die sie von überall her rekrutieren können sollen. Seien Sie nicht masochistisch! Nehmen Sie alle auf, vor allem wenn sie bei uns ausgebildet worden sind! Beim FC Thun hat das Goal nicht einer geschossen, dessen Familie den roten Pass seit langem, seit Jahrhunderten, besitzt, sondern es ist geschossen worden, weil dort, wie auch in allen Spitzenclubs der Welt, Leute mitmachen können, die eben Qualität, Spitzenqualität, bieten.

Ich bitte natürlich vor allem die FDP-Fraktion, die das immer wieder predigt, diesen Minderheitsantrag anzunehmen. Seien Sie konsequent mit Ihren Bekenntnissen in Bezug auf die KMU-Politik, die Sie in Ihren Parteiprogrammen haben, und stimmen Sie dem Antrag der Minderheit Wyss zu, auch wenn er aus der Mitte der sozialdemokratischen Fraktion kommt. Das ist kein partei-, sondern ein wirtschaftspolitisches Problem. Ich danke, falls Sie diesen Antrag annehmen; falls nicht, kann ich nicht verleugnen, dass ich dann einige Enttäuschung nach Hause tragen werde.