Wyss Ursula · Nationalrat · 2005-09-28
Wyss Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2005-09-28
Wortprotokoll
Wir reden jetzt nicht mehr über das Asylgesetz, wir reden jetzt über das Ausländerinnen- und Ausländergesetz. Und hier, in diesem Artikel, reden wir über die bestqualifizierten und mit grösster Wahrscheinlichkeit auch über die bestintegrierten aussereuropäischen Ausländerinnen und Ausländer. Es handelt sich um diejenigen, die hier ihre Ausbildung, die hier ihr Studium abgeschlossen haben. Die Frage, die sich stellt, ist: Kann es sich die Schweiz leisten, diesen Ausländerinnen und Ausländern zu verstehen zu geben, dass sie eigentlich unerwünscht sind? Kann es sich die Schweizer Wirtschaft wirklich leisten, diese jungen Akademikerinnen und Akademiker an die USA, an Kanada oder all die europäischen Länder zu verlieren, die um diese Ausländerinnen und Ausländer buhlen?
Ich bezweifle es sehr. Zwar wurde den multinationalen Grosskonzernen zugestanden, dass sie ihre Leute mitnehmen dürfen; das wird dann Herr Bundesrat Blocher auch als Kompromiss darlegen. Aber das ist es nicht, worum es hier geht. Hier stellt sich die simple Frage: Wollen wir Ausländerinnen und Ausländer von ausserhalb der EU ausbilden, um sie dann, kaum haben sie ihre Ausbildung abgeschlossen, an andere Länder zu verlieren? Es ist auch eine Frage unserer Steuergelder, es ist eine Frage der Ressourcen. Wollen wir diese Gelder ausgeben, um die Leute auszubilden und dann keinen Nutzen davon zu haben?
Ich muss dabei noch ein anderes Argument von Herrn Bundesrat Blocher gleich vorwegnehmen. Ich gehe davon aus, Herr Blocher, dass Sie nachher in Ihrer Begründung sagen werden, es gehe hier um den Grundsatzentscheid, ob wir das linke Konzept einer Ausländerpolitik oder eben das bürgerliche, dualistische System wollten. Aber hier, Herr Blocher, geht es eben nicht um Ideologie, es geht eben nicht um die Grundsatzfrage, sondern es geht um die ganz simple Frage: Wollen wir bestausgebildete Leute, die wir notabene hier mit unseren Steuergeldern ausgebildet haben, für unseren Arbeitsmarkt hier behalten, oder wollen wir sie verlieren? Was die Universitäten davon halten und zu diesem Punkt zu sagen haben, das haben sie uns eindringlich in einem Brief mitgeteilt.
Stoppen wir diesen Verschleiss bestausgebildeter Hirne, sagen Sie hier Ja zur Minderheit und Ja zur Fassung des Nationalrates.