Brunner Toni · Nationalrat · 2005-10-07
Brunner Toni · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-10-07
Wortprotokoll
Ich bitte Sie, das Postulat Wehrli anzunehmen. Drei Punkte sprechen dafür.
1. Es ist eine Ungerechtigkeit, dass in der jetzigen Praxis bei nicht oder nicht mehr verheirateten Eltern ein Elternteil ganz allein darüber entscheidet, ob die elterliche Sorge gemeinsam oder doch nur von der Mutter wahrgenommen werden soll. Die Regelung des Gesetzgebers, dass beide Elternteile Ja zu einer gemeinsamen elterlichen Sorge sagen müssen, entzieht in der Praxis den Vätern schlicht allzu häufig die eigenen Kinder und damit den Kontakt zu ihnen, weil bei einem Nein der Mutter das Sorgerecht allein ihr zufällt. Eine Regelung "gemeinsam statt einsam" tut Not, sowohl bei der Erziehung und beim Umgang mit den Kindern als auch beim Umgang mit den Sorgen und Nöten dieser Kinder.
2. Damit wird auch die Voraussetzung geschaffen, dass es bei der Unterhaltsregelung für die Kinder weniger Probleme gibt. Es ist ja auch logisch: Wenn ein Vater nichts zu melden hat, ausser jeden Monat zahlen zu dürfen, und nicht einmal Kontakt zu den Kindern haben darf, dann ist er auch nicht sehr motiviert, Unterhaltszahlungen zu leisten, ganz im Gegenteil. Er ist motivierter, wenn er Kontakt zu den Kindern hat und gleich behandelt wird wie die Mutter.
3. Es handelt sich bei diesem Vorstoss um ein Postulat. Es verlangt nichts anderes, als dass der Bundesrat prüft, wie eine zeitgemässe gemeinsame elterliche Sorge bewerkstelligt werden könnte - für verantwortungsvolle Eltern, für eine befriedigendere Lösung, als es sie heute gibt. Ich werde daher zusammen mit vielen meiner Fraktionskolleginnen und -kollegen diesem Postulat zustimmen.
Ich bin ein bisschen erstaunt über das Frauenbild einiger linker Parlamentarierinnen - die jungen sind ausgenommen -, weil es in diesem Punkt genau darum geht, dass Gleichbehandlung gelten und vorherrschen würde. Noch etwas an die Adresse der linken Frauen, die dieses Postulat bekämpfen: Letztlich ist ja gewährleistet, dass die Männer auch mehr in die Verantwortung genommen würden. Sie trauen den Männern nicht zu, dass sie auch mit den Kindern etwas machen könnten und sie erziehen könnten und letztlich auch die Verantwortung wahrnehmen könnten. Ich bin ein bisschen erschüttert über dieses Frauenbild. Das hat für mich so getönt, wie wenn man als Frau den ganzen Tag am Herd stehen würde, an jedem Rockzipfel ein Kind hätte und letztlich dann noch vom Morgen bis zum Abend allein für die Erziehung dieser Kinder verantwortlich wäre. Nein, wir trauen den Männern mehr zu als Sie, liebe Frauen! Darum wird die SVP-Fraktion hier mehrheitlich anders stimmen als Sie.