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Haering Barbara · Nationalrat · 2006-03-16

Haering Barbara · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-03-16

Wortprotokoll

Ich freue mich auf die Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Ich freue mich auf die Euro 2008. Ich gehöre zu jenen Frauen, die sehr gerne Fussballspiele verfolgen.

Die Fussball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich wird jedoch überwiegend männliche Gäste haben. Diese männlichen Gäste werden sich, dies zeigt leider die Erfahrung insbesondere auch der Euro 2004 in Portugal, nicht nur in den Stadien und Beizen vergnügen. Grosse Sportereignisse führen zu einer erhöhten Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen. Expertinnen und Experten rechnen deshalb mit einem Anstieg des Frauenhandels und der Zwangsprostitution auch während der Euro 2008 in der Schweiz und in Österreich. Es wird freiwillige Prostitution geben, aber es wird auch davon ausgegangen, dass Frauen dazu gezwungen werden.

Diese Frauen werden häufig unter falschen Versprechungen in unsere Länder gelockt. Einmal hier, werden sie gezwungen, ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Schulden bei Frauenhändlern und Zuhältern abzuarbeiten. Es geht hier nicht um Moral oder um gute Sitten. Es geht um Frauenhandel als organisierte Kriminalität. Der Bericht "Bundeslagebild Menschenhandel 2004" des deutschen Bundeskriminalamtes rechnet damit, dass in Europa derzeit rund eine halbe Million Frauen in Netzen organisierter Banden festgehalten und sexuell ausgebeutet werden. Die Möglichkeit der Ausbeutung ist gegeben durch die Erpressbarkeit und Abhängigkeit, die ihr aufenthaltsrechtlicher Status bietet.

Die Frauen, die zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen werden, kommen vornehmlich aus Osteuropa. Ihre Arbeitsbedingungen sind mit Sklaverei vergleichbar. Häufig wird ihnen ein einträglicher Job als Diskothekkraft versprochen, dann aber werden sie misshandelt, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen. Diese Frauen können keine Kunden ablehnen und auch nicht auf Kondomen bestehen. Ihre fiktiven oder tatsächlichen Schulden zahlen sie zu einem einseitig bestimmten Zins und zu einseitig bestimmten Bedingungen ab. Frauen als Opfer von Menschenhandel erleben Zwang, Gewalt und Unfreiheit, einige werden schwer traumatisiert, alle werden ausgebeutet.

In Deutschland bereiten sich verschiedene Trägerschaften mit Projekten gegen den internationalen Frauenhandel ganz gezielt auf die zu erwartende Zunahme des Frauenhandels rund um die Fussball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer vor: so beispielsweise mit der Aktion "Abpfiff - Schluss mit Zwangsprostitution" oder mit der Aktion "Verantwortlicher Freier" und selbstverständlich mit der bundesweiten Kampagne "Stoppt Zwangsprostitution". Details zu diesen Kampagnen können Sie der Dokumentation entnehmen, die ich mit meiner Mitarbeiterin zusammengestellt und auf meiner Homepage aufgeschaltet habe.

Wir sollten daraus lernen und gemeinsam mit Österreich entsprechende Projekte im Hinblick auf die Euro 2008 [PAGE 293] lancieren. Ich weiss, dass die Vorbereitungen dazu in Wien bereits an die Hand genommen wurden.

Mit meinem Antrag bitte ich Sie dringend, hier in der Schweiz ein Gleiches zu tun. Die Sicherheit, die wir für die Gäste der Euro 2008 garantieren wollen, muss die Sicherheit der Frauen umfassen und einschliessen.