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Studer Heiner · Nationalrat · 2006-03-22

Studer Heiner · Nationalrat · Aargau · EVP/EDU Fraktion · 2006-03-22

Wortprotokoll

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich hier eine Interessenbindung angeben muss oder nicht, deshalb sag ich's, damit es im Zweifelsfall kein Missverständnis gibt: Ich bin Vizeammann der Gemeinde Wettingen. In unseren Gemarkungen befindet sich das Kloster Wettingen, und in diesem Kloster hat eben der Komponist unserer Nationalhymne gewirkt. Das war ein gutes Wirken, aber der Kanton Aargau hat dann eben im Jahre 1841 alle Männerklöster aufgehoben, und Alberich Zwyssig musste mit anderen nicht nur Wettingen verlassen, sondern dann schliesslich auch noch dieses Land. Die Nachfolger dieser Mönche leben heute in Österreich, nämlich in Wettingen-Mehrerau. Aber die emotionale Beziehung, das gebe ich zu, ist natürlich geblieben. Wenn ich auswärtigen Gästen aus dem Wallis oder von sonst woher etwas von unserer Gemeinde sagen kann, dann bin ich natürlich stolz, dass ich sagen kann, wir hätten den Komponisten unserer Nationalhymne in unserer Gemeinde gehabt, weil das alle anderen nicht sagen können. Schon von daher merkt man, dass das kein Argument für die Frage ist, ob man sie beibehalten oder eine neue machen soll.

Aber ich meine, das kann bewegen. Wenn Sie zum Beispiel im letzten Jahr am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag in der vollbesetzten Klosterkirche Wettingen am ökumenischen Gottesdienst gewesen wären, da hätten sie gehört, wie wir in diesem Gottesdienst die Nationalhymne mit Orgelbegleitung gesungen haben. Ich muss sagen, das war für viele, die sonst nicht so feierlich gestimmt sind, etwas Erhebendes. Das ist auch ein Teil davon, denn was muss die Nationalhymne auch sein? Sie soll doch in feierlichen Momenten wirken, und gerade dort, wo sie gespielt wird - wenn zum Beispiel Goldmedaillen überreicht werden -, kommt eben diese Nationalhymne mit ihrem melodischen Gehalt durchaus an.

Nun ist es mir bewusst, dass die Motionärin sagt, über die Melodie könne man diskutieren, es gehe aber auf jeden Fall darum, den Text zu ändern. Also von daher merken Sie: Nicht nur als Lokalpatriot, sondern auch wegen der Melodie gebe ich zu, dass ich daran hänge und auch eine Beziehung dazu habe.

Der Text ist natürlich nicht eine Nationalhymne, sondern das war ja vorher der Schweizerpsalm. Es ist also ein Lob an Gott und nicht an uns Menschen. Das finde ich eigentlich positiv, dass wir nicht uns belobigen.

Ich finde eigentlich, dass die Motionärin recht viel Mut hat, denn sie hat gesagt, sie möchte einen Text, den alle - alle! - mit gutem Gewissen singen könnten. Ich glaube, dieses Ziel ist unerreichbar. Sollten Sie die Motion annehmen, dann hätte ich nichts dagegen, wenn man bezüglich des Textes eine Art Wettbewerb machen würde. Ich weiss, dass es gute [PAGE 422] Ideen gibt. Ich habe auch solche zugesandt bekommen. Aber ganz sicher glaube ich, dass das, was wir letzte Woche gehört haben, nicht der neue Text der Nationalhymne sein wird.