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Reimann Maximilian · Ständerat · 2006-03-16

Reimann Maximilian · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2006-03-16

Wortprotokoll

Ich habe volles Verständnis dafür, dass sich mein sehr verehrter Kollege Hans Hofmann nach einer schnellen Einführung des sogenannten gekröpften Nordanfluges sehnt und das Hohelied auf diese, wie er festhält, ökonomischste, ökologischste und sicherste Anflugvariante angestimmt hat. Ebenso wird er aber auch Verständnis haben, dass dieses Lied durch ein paar andere Töne ergänzt wird, Töne, die man von mir aus im Kanton Zürich auch als Misstöne empfinden mag.

Zunächst bin ich aber dem Bundesrat dankbar, dass er richtig gestellt hat, dass der gekröpfte Nordanflug alles andere als die sicherste Anflugvariante darstellt. Im Gegenteil, dieser Anflug stellt höchste Anforderungen an die anfliegenden Piloten, ist höchst anspruchsvoll, vor allem für Grossflugzeuge, und darf deshalb niemals als die sicherste Variante angesehen werden, so, wie es Kollege Hofmann getan hat. Diese Anflugvariante birgt deutlich höhere Risiken in sich, und das will ich der Bevölkerung meiner Heimatregion, den Fricktalern und aargauischen Rheintalern, nicht einfach so zumuten. Ich muss deshalb heute Morgen dazu das Wort ergreifen, denn ich bin schliesslich der einzige Vertreter dieser Region in den eidgenössischen Räten.

Zur ökologischen Komponente, also zum Lärm: Auch unter der Route des gekröpften Nordanfluges leben Menschen, viele Menschen, die nicht unbedingt gewillt sind, den Zürchern auch noch das Lärmproblem abzunehmen. Diese Region trägt in freundeidgenössischer Manier schon viele überregionale Lasten, so zwei Kernkraftwerke, ein Zwischenlager für nukleare Abfälle, ist ausersehen als möglicher Standort für ein nukleares Endlager, ist vom An- und Abflug von Zürich-Kloten heute schon tangiert und hat letztes Jahr bereits den Warteraum West, den sogenannten Gipol, voll übernommen, der sich zuvor über deutschem Gebiet befunden hatte. Auch ich bin für eine gerechte Aufteilung der Immissionsbelastung, Kollege Hofmann, aber hier, mit diesem gekröpften Nordanflug einseitig auf Aargauer Gebiet, wird der Bogen eindeutig überspannt.

Kommt hinzu, dass von dieser Anflugvariante wiederum auch die deutsche Nachbarseite in Mitleidenschaft gezogen wird, Kollege Pfisterer hat das auch bereits erwähnt. Statt Hohentengen würde es nun einfach den Raum Waldshut treffen. Sie, Herr Bundespräsident, waren ja letzte Woche anlässlich der Einweihung der neuen Autobahnverbindung Schweiz-Deutschland bei Rheinfelden drüben in nächster Nähe, und trafen die massgebenden deutschen Verantwortungsträger von Berlin über Stuttgart bis Waldshut. Sicher war das Anflugproblem auf Zürich ein Gesprächsthema, und wenn Sie uns hier und heute schon darüber etwas sagen könnten, wäre ich Ihnen dankbar.

Ich hoffe jedenfalls, die Partner am Prozess Sachplan Infrastruktur Luftfahrt werden sich zu einer vernünftigen und gerechten Lösung in Sachen Anflug Kloten zusammenfinden können, unter voller - ich betone: unter voller - Mitberücksichtigung aller anderen, bereits bestehenden ökologischen Lasten. Ist das nicht der Fall und sollte die Bevölkerung im aargauischen Rheintal das Gefühl bekommen, sie würde mit dem gekröpften Nordanflug einfach überfahren, dann schliesse ich nicht aus, dass es zu einer Situation kommen wird, die ich mir bis heute im Traum nicht hätte vorstellen können, nämlich, dass die Grenzraumbevölkerung im Aargau in Sachen Hilfe und Unterstützung beim gekröpften Nordanflug primär auf die Hilfe von Berlin und Stuttgart setzen müsste.