Maspoli Flavio · Nationalrat · 1999-12-07
Maspoli Flavio · Nationalrat · Tessin · Fraktionslos · 1999-12-07
Wortprotokoll
Der Wiener Kabarettist und Liedermacher Georg Kreisler hat in einem seiner "Seltsamen Liebeslieder" einen Satz geschrieben, der wie kein anderer, so glaube ich, zum heutigen Geschäft passt. Er sagt: "Wenn eine Liebe 'pft' ist, dann ist sie wirklich 'pft'." Ich habe das Gefühl, die Liebe zur Expo.2001 oder 2007 oder auch 2035 oder 3012, so, wie sie uns heute präsentiert und vorgestellt wird, ist endgültig "pft". Und zwar ist sie es in der Bevölkerung, in den Herzen der Schweizerinnen und Schweizer. Wir haben als grosse Hoffnungsträgerin Frau Pipilotti Rist gefeiert. Sie hat sich dann selbst gefeuert; sie hat irgendjemandem das Zepter übergeben, und diese Person ist dann auch gegangen oder gegangen worden.
Ich muss festhalten: In einem einzigen Projekt so viele Leute, die gegangen oder gegangen worden sind, das gab es - so glaube ich - in der Geschichte der Schweiz seit zwölftausendundeinundneunzig noch nie. Und wenn ein Projekt gescheitert ist, muss man den Mut haben zu sagen: Es ist gescheitert. Wir wollen ja niemanden ans Kreuz nageln, und es müssen auch keine Sündenböcke herhalten, um das zu rechtfertigen.
Ich bin sicher kein Mann der Zahlen, Herr Föhn - Zahlen haben mir nie sehr viel bedeutet -, ich bin eher ein Mann der Worte. Aber so viele Worte, wie hier gesprochen wurden, sind selbst mir zu viel. Eine Zahl möchte ich trotzdem nennen: die Reduktion der so viel gepriesenen Arteplages von 5 auf 2. Wer weiss, vielleicht wird es in den nächsten Jahren nur noch eine Arteplage sein; wer weiss, vielleicht wird dieses Projekt dann ganz abgeschrieben! Auf den See hat man bereits verzichtet; man hat mittlerweile feststellen müssen, dass auf dem See zu bauen eben doch etwas schwieriger ist, als auf festem Grund und Boden zu bauen, und Pfahlbauer gibt es in der Schweiz halt auch keine mehr. So hat man das einfach - gelinde gesagt - abgeschrieben und auf spätere, bessere Zeiten vertagt.
Mein Antrag bedeutet nicht, nichts zu machen. Aber wir dürfen nicht vergessen: 1990 hat ein Bundesrat in Bellinzona einmal gesagt, die Expo, die nächste Landesausstellung der Schweiz, werde im Tessin stattfinden. Gut, das ist lange her; unterdessen ist der Bundesrat nicht mehr da, es hat ein anderer Bundesrat - der ist zwar auch nicht mehr da - dann gemeint, es wäre besser, einen "anderen See" zu wählen.
Wir müssen jetzt realistisch denken und eine andere Lösung anstreben. Meine Idee - ich entschuldige mich, ich war nicht in der Kommission und habe die Idee deshalb dort nicht vortragen können - ist mir auch erst gestern gekommen: Wie wäre es, eine Expo zu machen, die den vier Landesteilen [PAGE 2402] der Schweiz gerecht wird, und zwar eine dezentralisierte Landesausstellung? Das würde eventuell den helvetischen Geist stärken können, und das würde auch die Bevölkerung stärker in dieses Projekt einbinden. So würde man der Expo 2002 - oder 2005 oder 2006 - eine reelle Chance geben.
Ich bitte Sie: Unterstützen Sie meinen Antrag auf Rückweisung an die Kommission.