Büttiker Rolf · Ständerat · 2006-03-06
Büttiker Rolf · Ständerat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-03-06
Wortprotokoll
Vor einem Jahr eröffnete Jean-Philippe Maitre als Nationalratspräsident die Frühjahrssession 2005. Er hatte den Mut, als kranker Mann noch einmal nach Bern zu kommen, um sich von uns zu verabschieden. Die Bescheidenheit in den bewegenden Worten über seine Krankheit war eine Lehre für uns alle und eine Hoffnungsbotschaft für alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, welche gesundheitliche Probleme haben. Wir hofften damals, dass Jean-Philippe Maitre wieder zu Kräften komme, doch leider hat ihn die Krankheit, der er voller Zuversicht entgegentrat, letztlich besiegt.
Wir haben seine souveräne Art, seine Klarheit und Entschlossenheit sehr geschätzt. Die Beratungen zu den Bilateralen II und über die Beziehungen zwischen der Schweiz und Europa standen im Vordergrund der einzigen von ihm präsidierten Session. In seinen Abschiedsworten gab er seiner Überzeugung für Europa und seiner Hoffnung auf ein Volks-Ja zu diesen Abkommen Ausdruck, einer Hoffnung, die dann ja auch erfüllt worden ist.
Damals kündigte sich ein vielversprechendes Präsidialjahr an, in dem Jean-Philippe Maitre Kontakte mit Luxemburg und London knüpfen wollte, den Hauptstädten der Länder, welche letztes Jahr den Vorsitz der Europäischen Union innehatten.
Jean-Philippe Maitre war ein Staatsmann mit grosser Ausstrahlung, eine grossherzige, offene und vorbildliche Persönlichkeit. Er war ein Parlamentarier ersten Ranges, der dem Nationalrat über zwanzig Jahre lang angehörte. Er bekleidete so bedeutsame Ämter wie die Präsidien der Aussenpolitischen Kommission, der Kommission für Wirtschaft und Abgaben und der christlichdemokratischen Fraktion. Der Vorsitz des Nationalrates sollte die Krönung seiner politischen Tätigkeit sein.
Jean-Philippe Maitre erwies sich im Bundesparlament als beredter Botschafter von Genf, der Metropole des Friedens, der Stadt, die uns die Tore zur Welt öffnet. Wir vergessen nicht, dass die Bundesversammlung ihre erste auswärtige Session im Jahre 1993 dank des Einflusses, den Jean-Philippe Maitre als Vorsteher des kantonalen Volkswirtschaftsdepartementes ausübte, in Genf abhalten konnte. Als junger Mann in den Genfer Grossen Rat, in den Nationalrat und in den Genfer Regierungsrat gewählt, bezeichnete er sich einmal als Schosskind der Politik. Die Tatkraft und die Leidenschaft, mit der er an seine Aufgaben heranging, haben unsere Politik sehr belebt. Er war ein grosser Diener des Kantons Genf und der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Wir denken heute an seine Mutter, seine Gattin, seine Kinder und Enkel und all seine Angehörigen. Die grosse Delegation des Bundesparlamentes, die an der Trauerfeier teilnahm, hat gespürt, von welcher Kraft die Mitglieder dieser Familie zusammengehalten werden. Jean-Philippe Maitre sagte gerne, im Leben - sei es in der Familie oder in der Politik - brauche das konstruktive Miteinander stets mehr Charakter als das destruktive Gegeneinander. Das klingt wie ein Leitsatz für unsere Arbeit.
Wir bezeugen seiner Gattin und seinen Angehörigen unser herzliches Beileid und unsere tiefe Anteilnahme. Ich bitte Sie, sich zu Ehren des Verstorbenen zu erheben.
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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
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