Gadient Brigitta M. · Nationalrat · 2006-06-15
Gadient Brigitta M. · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2006-06-15
Wortprotokoll
Ich beantrage Ihnen, der Förderung der Bienen in der Schweiz zuzustimmen und meine Motion anzunehmen. Vom grossen Bienenvölkersterben, und gerade in diesem Jahr haben wir in der Schweiz wieder eine besonders schlimme Situation, sind sowohl das biologische Gleichgewicht wie auch die landwirtschaftliche Ertragssicherheit tangiert. Die betroffenen Kreise sind alleine kaum in der Lage, der extremen Verluste durch Varroatose, Viroseschäden, Sauerbrut- und Faulbrutseuchenzüge Herr zu werden. Zudem drohen neue Seuchen auch in Europa auszubrechen. Es kommt dazu, dass sich die Imkerei im 21. Jahrhundert auch ganz generell neu ausrichten muss. Wachsende Siedlungsdichte, Raumordnungsfragen, Rodungsaktionen sowie neue, strenge Hygienevorschriften verlangen von der Imkerschaft viel mehr, als dies noch vor 20 Jahren der Fall war. Es gilt für viele, ihren Bildungs- und Wissensrückstand in kürzester Frist aufzuholen.
In dieser schwierigen Situation brauchen die Imker wie die Landwirte auch die Hilfe des Bundes. Neben dem grossen Verlust von Völkern hat nämlich auch die Zahl der Imkerinnen und Imker in den vergangenen Jahren um rund einen Drittel abgenommen. Auch das hat natürlich Auswirkungen auf die Bienenbestände. Um die Vielfalt der Wildpflanzen zu sichern und dadurch die Lebensgrundlagen der Tierwelt zu erhalten, ist aber eine beträchtliche Bienendichte wichtig. Ja, die Bienen sind durch ihre Bestäubungsleistung in Natur und Landwirtschaft unverzichtbar und unersetzbar. Fehlen die Bienen, werden von Ökologen Versteppungen ganzer Landstriche befürchtet.
Die Bienenzucht hat aber auch grosse finanzielle Auswirkungen, trägt sie doch in der Schweiz zu volkswirtschaftlichen Werten von etwa 300 Millionen Franken pro Jahr bei. Die EU-Länder tragen dem Rechnung und haben deshalb die [PAGE 965] Imkerei in ihrer Landwirtschaftsgesetzgebung verankert; sie haben ausserdem spezifische Fördermassnahmen, die subsidiär von den Ländern getroffen werden. Aufgrund einer Richtlinie haben sie sodann besondere Mittel für Jungimker, für Investitionen für Berufsimker, für Honiguntersuchungen, für Beratung und speziell auch für die Varroatose-Bekämpfung bereitgestellt.
Verglichen mit ausländischen Instituten sind die Bundesbeiträge in der Schweiz mehr als bescheiden. Der Strukturwandel in der Imkerei ist aber noch viel grösser als der in der übrigen Landwirtschaft, und der Wandel muss mit neuen Strukturen, mit professioneller Beratung und Ausbildung aufgefangen werden.
Meine Motion verlangt nicht einfach mehr Geld. Sie fordert vorab Rahmenbedingungen für die nötige Weiterentwicklung der Bienenzucht in der Schweiz. Sie möchte, dass wir diesen Wandel begleiten und dem aus ökonomischen und ökologischen Gründen insbesondere auch für unsere Landwirtschaft nicht verkraftbaren Abbau der Imkerei nicht einfach tatenlos zusehen. Entgegen der Sicht des Bundesrates besteht für die Förderung der Bienen in der Schweiz ein grosser Handlungsbedarf. Sehr geehrter Herr Bundesrat Deiss, ich weiss, dass Ihr Herz ebenfalls für die Imkerei schlägt, und bitte Sie, den Antrag des Bundesrates mit etwas weniger Überzeugung zu vertreten.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie eindringlich, auch mit der Unterstützung - Sie haben es gesehen - der Imkerschaft im ganzen Land, meine Motion anzunehmen.