Germann Hannes · Ständerat · 2006-06-07
Germann Hannes · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2006-06-07
Wortprotokoll
"Die Schweiz ist rund", titelte heute Morgen der "Blick" und verwies damit auf die eigentlich unschweizerische Begeisterung, die sich im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006, die in Kürze in Deutschland beginnt, breit gemacht hat.
Als ehemaliger Fussballer - Sie erlauben mir darum das Bild - kenne ich natürlich auch den Ausspruch "Der Ball ist rund". Mit diesem geflügelten Wort hat man sich jeweils Mut gemacht, wenn man einem übermächtigen Gegner [PAGE 317] gegenüberstand, und es sollte eigentlich heissen: Alles ist möglich. Der Ball ist rund, auch in der Politik, das wissen wir. Wie anders könnten wir es sonst erklären, dass aus Kosten von einst 3,5 Millionen Franken nun solche von 72 Millionen werden? Auch da hat es sich gezeigt, dass nicht nur im Sport, im Fussball, sondern auch in der Politik doch einige Überraschungen möglich sind. Trotzdem ist es mir mit diesen 72 Millionen, die heute zur Debatte stehen, in dieser Vorlage ungleich wohler, als es mir beim Entscheid zu den 3,5 Millionen Franken war.
Heute legen wir die Basis dafür, dass an der Euro 2008 der Ball in die richtige Richtung rollt oder vielleicht sogar fliegt. Es ist bis heute gute Aufbauarbeit geleistet worden. Der Bundesrat unterbreitet eine seriöse neue Vorlage. Kantone und vor allem die Host Cities haben sich ebenfalls stark engagiert, haben überzeugende Konzepte, haben auch bereits überzeugende Marktauftritte gehabt. Darum habe ich ein bisschen Mühe mit der ganzen Diskussion. Natürlich, wir müssen am Schluss bezahlen. Die Steuerzahler müssen bezahlen, müssen ihren Beitrag leisten. Trotzdem versuche ich hier wenigstens in diesem Sinne ein positives Zeichen zu setzen. Es ist für unser Land ein Erfolg, die Euro 2008 gemeinsam mit Österreich durchführen zu dürfen.
Jetzt kann man über die hohen Kosten lamentieren. Sind sie sinnvoll, sind sie es nicht? Ich meine, dass sie notwendig sind. Es ist auch jetzt in diesem Rat wieder moniert worden, dass private Gewinne eingestrichen würden, der Öffentlichkeit blieben nur die Kosten. Ich sehe das wirklich ein bisschen differenzierter. Wir haben ja nicht nur diese direkten Kosten. Wir nehmen wohl direkt kein Geld ein. Mindestens die Host Cities, die Veranstalter, aber auch die Regionen rundherum, die Tourismusnation Schweiz - sie alle werden sicher auch von einem solchen Grossanlass profitieren. Wenn man es richtig aufzieht, kann man einen langfristigen Nutzen ziehen.
Über anfallende Kosten generell zu lamentieren bringt nichts. Die Spielregeln der Uefa sind so klar wie jene im Fussball. Dort kann höchstens der Schiedsrichter versagen; in gewissen Ländern ist er bestochen. Aber die Spielregeln sind klar; sie sind für alle gleich. Bei der Vergabe solcher Spiele, solcher Anlässe, gilt, wir wissen es von den Olympischen Spielen her, ganz klar die Devise: Wir - jetzt aus der Sicht der Uefa gesprochen - bringen den Event, und ihr sorgt für die Infrastruktur und die Sicherheit. Das ist so; c'est à prendre ou à laisser. Jeder, der sich um solche Spiele bemüht, weiss das haargenau.
Jetzt geht es darum, aus diesem Akquisitionserfolg das Beste zu machen. Wir müssen eine gute Visitenkarte abgeben. Für mich steht dabei die Sicherheit zuoberst auf der Liste. Darum - ich kann mir diesen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen - verstehe ich umso weniger, warum es Leute gibt, die gegen das "Hooliganismusgesetz" auftreten oder Unterschriften sammeln, sich dagegen wehren. In anderen Ländern, die früher von Hooliganismus heimgesucht wurden - z. B. in England, es wurde auch auf die Katastrophe im Heysel-Stadion Brüssel verwiesen -, wurden längst die Konsequenzen gezogen, und wir sind jetzt daran, sind in den Anfängen, auch endlich etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Wir müssen die Gewalt aus den Stadien hinausbringen, wir müssen diese Leute fern halten. In den Stadien haben nur der Sport und der richtige Sportfan etwas verloren. Hier glaube ich eben, dass die Schweiz mit einer vorbildlichen Organisation und mit der Gewährleistung der Sicherheit die beste Visitenkarte nach aussen abgeben kann.
In diesem Sinne freue ich mich nicht nur auf die WM 2006, die hoffentlich aus Schweizer Sicht ein sportlicher Erfolg wird, sondern ich freue mich auch darauf, dass die Schweiz, zumindest die offizielle Schweiz, die Politik, an der Euro 2008 einen Volltreffer landet.
Ich danke Ihnen und bitte Sie um Eintreten und Zustimmung zur Vorlage so, wie die Mehrheit sie Ihnen unterbreitet.