Widmer Hans · Nationalrat · 2006-10-05
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-10-05
Wortprotokoll
Eigentlich kann ich jetzt das erste Mal nach diesen langen Redeauftritten etwas Neues sagen. Das freut mich. Ich werde nämlich über einen Bereich sprechen, der bis jetzt mit keinem Wort erwähnt wurde und der von grosser Bedeutung ist, nämlich die Weiterbildung.
Sie haben von Wettlauf gesprochen, aber Sie haben zu wenig betont, dass der Wettläufer oder die Wettläuferin eine sehr gute Rennbahn braucht, eine Basis. Wenn wir keine gute Grundlage für die Weiterbildung im Sinne von "lifelong learning" haben, dann werden wir mit der Zeit in der Demokratie keine Zustimmung mehr für unsere Anliegen betreffend Spitzenforschung und all diese Dinge, die Sie jetzt erwähnt haben, bekommen. Stellen Sie sich vor, wir haben eine Bevölkerung, die immer älter wird. Das ist nicht nur für die AHV ein Problem, das ist auch eine Herausforderung für den ganzen Bildungsbereich. Wenn diese Menschen abgekoppelt werden von den Auseinandersetzungen in der Gesellschaft, von den Bedürfnissen, die diese Gesellschaft bildungsmässig aufweist, und dann an die Urne gehen und kein Verständnis mehr haben, dann entziehen wir diesem Wettlauf die guten Bedingungen.
In diesem Sinne möchte ich einfach darauf hinweisen, dass mit der neuen Bildungsverfassung in Artikel 64a erstmals die Weiterbildung auch in den Bereich der Bundeskompetenz aufgenommen wird. Das wird auch etwas kosten. Die Grundbedingung für alle Zustimmung zu unseren Anliegen in der Demokratie ist eine mündige Bürgerschaft, nicht gerade von der Wiege bis zum Grab, aber mindestens vom Schulalter bis zum Grab. Wenn wir daran nicht denken, dann haben wir einen grundlegenden Fehler gemacht.
Wir können zum Schluss - das kann ich mir sicher erlauben - noch den alten Philosophen Kant mit seinem berühmten Wort von der "selbstverschuldeten Unmündigkeit" zitieren. Wenn wir in der Weiterbildung heute nichts machen, dann laufen wir nicht nur individuell in eine selbstverschuldete Unmündigkeit hinein, sondern auch politisch und gesellschaftlich. Ich bitte alle Fraktionen, dieses Anliegen dann vor allem auch bei der Debatte über die BFI-Vorlage ernst zu nehmen. Die Weiterbildung ist nicht mehr eine Hobby-Angelegenheit, sondern sie ist von grosser Bedeutung, erstens für die Menschen dieser Gesellschaft und zweitens für die Zustimmung und damit für die Legitimation des ganzen Bildungsbereiches.