Hess Hans · Ständerat · 2006-09-21
Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-09-21
Wortprotokoll
Ich lege meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz. Lignum ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, also aller "Hölzigen".
Die Schweizer Holzbranche ist interessiert an der Lösung des Problems, auf das die Motion Bezug nimmt. Sie kann auch die Stossrichtung der Motion in ihren Grundzügen unterstützen. Die Branche ist aber mehrheitlich mit dem Bundesrat der Meinung, dass die Fortführung freiwilliger Massnahmen mehr verspricht als die Schaffung neuer Gesetze, zumal dies im Alleingang der Schweiz erfolgen würde.
Die Schweizer Holzbranche nimmt die Problematik des illegalen Holzeinschlags an vielen Orten der Welt ernst und fördert aktiv Transparenz über die Holzherkunft. Eine allgemeine Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte als unilaterale Massnahme der Schweiz erachtet sie jedoch mehrheitlich als untaugliches Instrument zur Erreichung dieses Ziels, denn die Konsequenzen wären eine massive Einschränkung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche durch zusätzliche Kosten und die Schaffung eines neuen Handelshemmnisses. Die Schweizer Holzbranche setzt vielmehr auf freiwillige Massnahmen und treibt deren Umsetzung zielstrebig und breitvernetzt weiter. Im Inland hat die Holzbranche mit der Einführung des Labels Q-Swiss-Quality ein Instrument geschaffen, mit dem sich auf einfache Weise die einheimische Herkunft von Holz belegen lässt. In der Schweiz trägt bereits die halbe Waldfläche dank dem Engagement der einheimischen Forstwirtschaft ein Ökozertifikat, nämlich Q-Swiss-Quality oder FSC. Zertifiziert sind damit etwa 70 Prozent des genutzten Holzes. Die international führenden Standards der Waldbewirtschaftung in der Schweiz garantieren unabhängig davon die Nachhaltigkeit des Produktes Holz aus allen einheimischen Quellen. Unter diesem Aspekt - das betone ich ausdrücklich - verstehe ich die offene Sympathie, welche die Waldwirtschaft und mit ihr die Schweizer Holzproduzenten für die Motion zeigen.
Waldwirtschaft Schweiz hat ja heute für alle Ratsmitglieder ein entsprechendes Schreiben aufgelegt. Wir, das heisst die Lignum als Dachverband, sind aber überzeugt, dass eine Gesamtbeurteilung der Sache darauf abstellen muss, was am Markt beim verarbeiteten Produkt Holz Sache ist. Dort ist Schweizer Holz zwar ein zentraler Aspekt, aber doch auch nur die eine Seite der Medaille. Denn in Holzprodukten - bei Häusern, im Innenausbau, bei Möbeln - kommt Holz aus mehr als einer Quelle zum Zug. Die Schweiz ist keine Insel, auch Holz kennt internationale Warenströme.
Gut die Hälfte des hierzulande verbrauchten Holzes gelangt aus dem Ausland in die Schweiz. Handelspartner sind zu rund 80 Prozent Länder der EU. Auch in diesem breiten Segment ist die Holzbranche auf freiwilliger Basis zur Schaffung von Transparenz über die Holzherkunft aktiv geworden. Der organisierte Holzhandel wendet sich dezidiert gegen den illegalen Holzeinschlag und setzt auf Lieferquellen mit nachhaltiger Produktion. Die Parkettbranche hat ein System für die Selbstdeklaration eingeführt und steht mit den Umweltorganisationen im Gespräch im Hinblick auf eine Partnerschaft. Bereits seit 2004 gilt zwischen dem Verband Schweizerische Türenbranche (VST) und den beiden Umweltorganisationen WWF und Greenpeace ein Verhaltenskodex über die Beschaffung von Tropenholz zur Türenproduktion.
Derzeit läuft ein Pilotprojekt zur Rückverfolgbarkeit von Holz bis zur Quelle unter Teilnahme der Lignum, der Schweizer [PAGE 711] Holzhandelszentrale, bedeutender Unternehmen der Holzbranche und des Bundes auf der einen Seite sowie WWF und Greenpeace auf der anderen Seite, um eine ähnliche Vereinbarung für die ganze Branche zu schaffen. Dieses Projekt soll pragmatisch sein und einfach machbare Lösungen für den Nachweis der Holzherkunft bzw. den Ausschluss von Holz aus illegalen Quellen bringen. Es soll auch helfen, die Problematik komplexer Produkte wie Möbel aus mehreren Holzarten und Bauten mit unterschiedlichen Holzwerkstoffen zu lösen. Denn diese sind nachweislich eben nicht so einfach deklarierbar wie ein Glasuntersetzer aus einheimischem Holz, den Sie alle vom WWF bekommen haben. Das ist keine Kunst, hier die Herkunft zu bezeichnen, die Schwierigkeit liegt beim komplex verarbeiteten Holzwerkstoff.
Ich glaube, wir sind uns doch einig: Das gibt einen zusätzlichen administrativen Aufwand, und dieser administrative Aufwand muss dann von irgendeiner Bundesstelle erledigt werden. Da fallen Kosten an. Da wir doch die Freiwilligkeit kennen und die Bereitschaft, dass es freiwillig passiert - und Frau Kollegin Sommaruga hat ja eingestanden, dass die Branche freiwillig viel geleistet hat -, lassen wir das doch die Branche machen. Wir sind überzeugt: Wir kommen so schneller zum Ergebnis, als wenn wir diesen Markt verbeamten und dann auf Beamtenebene den Nachweis erbringen. Ich glaube, der Ansatz der Lignum ist zielführend.
Ich ersuche Sie wirklich, die vorliegende Motion aufgrund der dargelegten Gründe abzulehnen.