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Vollmer Peter · Nationalrat · 2006-12-05

Vollmer Peter · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-12-05

Wortprotokoll

Die Ausführungen von Herrn Pfister könnten einen jetzt provozieren, etwas über das Verhältnis zwischen Kultur und Politik und Staat und Medien und Filmschaffenden zu reflektieren. Aber ich glaube, hier geht es nicht um diese Debatte. Hier geht es schlicht und einfach darum, ob wir dem Filmschaffen im Rahmen der kulturellen Förderungen denjenigen Platz zuordnen, den es verdient.

Mein Minderheitsantrag will nichts anderes, als die Kürzungen kompensieren, die vom Bundesrat in den verschiedenen Rubriken vorgenommen worden sind. Das heisst, ich schlage vor, dass wir diese zusätzliche Million - verteilt auf die verschiedenen Rubriken - beschliessen, damit wir nicht heute nach der Budgetdebatte vor der Situation stehen, dass wir gegenüber dem letzten Jahr im Bereich Film gespart haben.

Über die Bedeutung des Films gäbe es hier sehr viel zu sagen. Ich bin eigentlich erstaunt, dass ausgerechnet die nationalkonservative Rechte hier einmal mehr den Film als Objekt von Sparübungen sieht, denn der Film ist heute zu einem der wichtigsten Kultur- und Identitätsträger unseres Landes geworden. Über den Film werden die vielfältigen regionalen, kulturellen und sprachlichen Entwicklungen in unserem Land hervorragend kommuniziert. Es ist ja kein Zufall, dass ausgerechnet in den letzten Jahren verschiedene Schweizer Filme zu grossen Erfolgen gekommen sind; sie sind eben auch Ausdruck einer bestimmten kulturellen Identität. Es ist auch kein Zufall, dass sich gerade im Filmbereich in unserem Lande verschiedene Subzentren mit eigenen Filmfestivals entwickelt haben, ich denke an Locarno, an Solothurn, an Winterthur, an Nyon, an Fribourg, dass sich ausgerechnet dort - also nicht in Zürich, nicht in den Zentren der wirtschaftlichen Wertschöpfung - eine kulturelle Vielfalt und Identität konzentriert und entwickelt.

Wenn man weiss, welch grossen, auch ökonomischen Wertschöpfungsbeitrag ein bescheidener Förderungsfranken für den Film auslöst, über die Filmschaffenden, über die Filmindustrie bis zur Vorführung - in diesem ganzen ökonomischen Zyklus gibt es mit den Kosten auch induzierte Effekte in der Wertschöpfung -, dann ist es völlig unverständlich, wenn Sie jetzt den Sparhebel hier ansetzen. Filmförderung heisst im Grunde genommen, der kulturellen Identität und Entwicklung in diesem Lande Raum zu bieten. Wir machen das ja auch in Bezug auf die Ausbildung. Die ganzen Ausbildungen im Bereich Film werden heute auch stark aufgewertet, bei den Fachhochschulen, bei den Kunsthochschulen, wo man den Film als Kulturrichtung entdeckt hat und entsprechende Ausbildungsgänge etabliert hat.

Es ist eigentlich fatal, wenn wir dann genau in der Umsetzungsphase, wo die Filmschaffenden eben bescheidene Beiträge brauchen, um sich dem Publikum stellen zu können, nicht die entsprechenden Voraussetzungen schaffen. Das ist der Hintergrund meines Antrages; des Antrages also, hier mit dem Sparen nicht noch zuzusetzen, sondern mit der Aufstockung um diese Million diese Branche, die sich ihren Raum mit ihren kulturellen Leistungen erkämpft hat, auch entsprechend zu würdigen und ihr weiter Raum zu geben. In diesem Sinne bitte ich Sie, dem Minderheitsantrag zuzustimmen.

Ich freue mich auch über den Antrag, den Herr Fluri dann begründen wird. Er ist als Vertreter einer Stadt, in der ein wichtiges schweizerisches Filmfestival stattfindet, sehr prädestiniert zu zeigen, welche hohe Bedeutung in dieser vielfältigen kulturellen Entwicklung die Filmwirtschaft hat. Meine Fraktion wird selbstverständlich auch diesem Antrag zustimmen.

Ich bitte Sie hier also, ein klares Bekenntnis zum Film abzugeben und mindestens der Minderheit, die nichts anderes will, als den Status quo zu erhalten, zuzustimmen. Aber noch besser ist es, die entsprechenden Verbesserungen mitzubeschliessen, die hier von freisinniger Seite gefordert werden.