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Vermot-Mangold Ruth-Gaby · Nationalrat · 2007-03-19

Vermot-Mangold Ruth-Gaby · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-03-19

Wortprotokoll

Als ich in den Siebzigerjahren in Togo meine Dissertation über Frauen- und Kinderrechte machte, kam ich an einem Dorf vorbei, wo soeben kleine Mädchen an ihrer empfindlichsten Körperstelle verstümmelt worden waren. Sie weinten und litten höllische Schmerzen. Die umstehenden Mütter wussten aus Erfahrung, dass ihre Mädchen genau wie sie lebenslang mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen zu leben haben würden.

Unicef schreibt, dass jährlich schätzungsweise 3 Millionen Mädchen und Frauen sexuell verstümmelt werden. Die gesundheitsschädigende und schmerzvolle Praxis sei, so Unicef, nicht nur ein Schnitt in den Körper, sondern auch eine Verletzung der Seele und es sei auch eine grundlegende Verletzung des Rechtes auf Unversehrtheit des Körpers. Die Folgen für die Mädchen und Frauen sind schwerwiegend. Viele Frauen sterben bei der Geburt ihres Kindes aufgrund der Verstümmelungen. Sehr junge Mütter überleben Geburten meist nicht.

Die sexuelle Verstümmelung von Mädchen wird längst öffentlich diskutiert. Verschiedene Länder wie zum Beispiel Senegal oder Sudan kämpfen dank engagierten Frauenorganisationen gegen diese Praxis. Immer mehr Frauen, aber auch Männer und religiöse Führer versuchen, diese Traditionen auszumerzen. Zu Hilfe kommt ihnen die Uno-Konvention über die Rechte des Kindes, die verlangt, dass rituelle Handlungen, die der Gesundheit von Kindern schaden, abgeschafft werden. Mädchenbeschneidung verstösst damit sowohl gegen die Uno-Kinderrechtskonvention als auch gegen die Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau.

In der Bekämpfung der Mädchenbeschneidung, sagt Unicef, müssen neue Ansätze verfolgt werden. Es geht nicht an, dass wir sagen: Diese Menschen dort sind unzivilisiert, weil sie Mädchen verstümmeln. Es braucht eben auch unsere [PAGE 391] Hilfe; es braucht den sozialen Wandel, das ist von zentraler Bedeutung. Und es braucht die Überwindung des Rituals der Mädchenbeschneidung, die nur möglich ist, wenn sich die verschiedenen Länder, Frauenorganisationen, auch Parlamente dagegenstellen und aufzeigen, wie schlimm diese gesundheitsschädigenden Praxen sind. Wir müssen auch hier in der Schweiz mit Sensibilisierungskampagnen und Entwicklungshilfe dazu beitragen, dass Behörden, Dorfälteste, religiöse Führer sensibilisiert werden und dann auch darauf verzichten, Mädchenbeschneidungen weiterzuführen. Ich habe in Senegal die Erfahrung gemacht, dass z. B. Beschneiderinnen aufgehört haben zu beschneiden, weil sie anderswo einen Verdienst gefunden haben. Die Beschneiderinnen leben überall von den Einkünften aus der Beschneidung.

Die Länder, in denen sexuelle Verstümmelung von Mädchen praktiziert wird, sind auf internationale Unterstützung angewiesen. Für Frauen, die bei uns Asyl suchen und die Opfer von Beschneidungen sind, müssten nichtstaatliche Verfolgungsgründe anerkannt werden, denn diese Frauen brauchen besonderen Schutz. Die Bekämpfung sexueller Verstümmelung ist auch eine Aufgabe der Schweiz und anderer europäischer Länder. Wir müssen hier mithelfen: mit Kampagnen, mit Information und mit Schutz.