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Sommaruga Simonetta · Ständerat · 2007-06-05

Sommaruga Simonetta · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-06-05

Wortprotokoll

Ich möchte kurz auf einen Punkt der Argumentation von Herrn Maissen eingehen. Er hat gesagt, und das fast als Vorwurf formuliert, dass das Fibl von verschiedenen Seiten, auch von staatlicher Seite und von verschiedenen Ämtern, Geld entgegennimmt. Ich muss Ihnen einfach sagen: Das sind Leistungsaufträge, die [PAGE 362] vergeben werden, und das Fibl muss sich wie alle anderen Akteure auch darum bewerben. Wenn es das beste Angebot macht, dann bekommt es den Leistungsauftrag; dies einfach, damit das geklärt ist.

Ich meine, das Fibl habe auch international einen hervorragenden Ruf. Sie konnten lesen, dass das Fibl im EU-Forschungsprogramm jedes Jahr über eine Million Franken Forschungsgelder abholt und zwei EU-Projekte koordiniert. Anstatt auf eine solche Institution in der Schweiz stolz zu sein, sollen jetzt dort die Forschungsgelder gekürzt werden. Das kann ich nur schlecht verstehen.

Die Argumentation des Bundesrates verstehe ich ebenfalls nicht, wenn er schreibt, die Mittel, die ins Fibl flössen, seien überproportional, gemessen an der Fläche des Biolandbaus oder an dessen Marktanteilen. Ich möchte Ihnen nur zwei Beispiele nennen, die zeigen, dass die Forschung im Biolandbau für die gesamte schweizerische Landwirtschaft enorme Vorteile bringt und Probleme löst, was eben für die ganze Landwirtschaft etwas bringt. Das eine Beispiel ist die antibiotikafreie Milchproduktion; wir haben ja heute darüber gesprochen, Frau Bundesrätin. Die Problematik des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft ist wegen der Resistenzen enorm. Wir brauchen deshalb eine Milchproduktion, die ohne Antibiotika auskommt. Das Fibl hat ein solches Programm erarbeitet, bei dem jetzt auch verschiedenste IP-Betriebe mitmachen. Es ist eben nicht eine Biolandbau-Frage, sondern es ist eine Frage, die uns alle angeht. Wir setzen heute in der Landwirtschaft mehr Antibiotika ein als in der gesamten Humanmedizin.

Ein zweites Beispiel: Die wildtierfreundliche Landwirtschaft ist ebenfalls ein Projekt des Biolandbaus, das das Fibl jetzt vorantreibt. Die Biodiversität und die Fütterung von Wildtieren in der Landwirtschaft sind ein Thema, das wir anpacken müssen, das ist ein Thema, das uns alle angeht. Deshalb scheint es mir sehr problematisch, wenn Sie jetzt den Einsatz der Mittel einfach am Anteil der Fläche oder des Marktes des Biolandbaus messen.

Ich bitte Sie, dieses Postulat anzunehmen - es ist ein Postulat, es ist keine Motion - und hier wirklich ein Zeichen zu setzen, dass uns die Forschung auch im Biolandbau wichtig ist, weil hier Lösungen erarbeitet werden, die für die gesamte Landwirtschaft von grosser Bedeutung sind.