Müller Geri · Nationalrat · 2007-09-19
Müller Geri · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2007-09-19
Wortprotokoll
Zuerst möchte ich etwas klarstellen: Die Initiantinnen und Initianten, zu denen ich auch gehöre, hatten die Initiative ergriffen, bevor diese fünf Methoden aus der Grundversicherung gestrichen worden sind. Dass es natürlich nach dieser Streichung aus der Grundversicherung für uns ein Leichtes war, Unterschriften zu sammeln, möchte ich hier nicht verhehlen, aber die Initiative war früher gestartet worden.
Was will diese Initiative? Sie entspricht einem langjährigen Bedürfnis, das schon in den Siebzigerjahren vermehrt aufgekommen ist. Sie entspricht einem Grundsatz einer Medizin, die seit Hunderten von Jahren hier in Europa ansässig ist. Komplementärmedizinische Methoden sind eine Tradition, die in Europa wie auch auf anderen Kontinenten gross Schule gemacht hat. Dass sich die medizinische Akademie irgendeinmal von Teilen dieser Methoden verabschiedet hat, ist eine andere Geschichte, hat aber auch sehr viel mit der Medizingeschichte und nicht mit der Wirksamkeit der Methoden zu tun.
Worum geht es? Zum einen geht es klar darum, eine sogenannt integrative Medizin zu fördern. Es ist unbestritten, dass die Schulmedizin ihre Erfolge gefeiert hat, und es ist wahrscheinlich hier bestritten, dass auch die Komplementärmedizin Erfolge hatte. Aber als Angehöriger oder als ehemaliger Angehöriger eines Spitals, der dort gearbeitet hat, wo Komplementärmedizin möglich war, weiss ich genau, dass dort auch solche Erfolge zu verzeichnen waren; das sind nicht Spontanheilungen gewesen, weil man Komplementärmedizin eingesetzt hatte, sondern die Heilungen sind umgehend nach dem Einsatz von Komplementärmedizin eingetreten.
Unter integrativer Medizin verstehe ich eine Zusammenarbeit zwischen Komplementärmedizin und Schulmedizin. Das ist heute de facto unmöglich, weil Komplementärmedizin nicht einfach ein Angebot an den Universitäten, an den Pflegefachschulen, an den Fachhochschulen usw. ist. Komplementärmedizin muss man sich auf dem privaten Markt erwerben, teilweise muss man dafür ins Ausland gehen. Es ist ein Wissen, das wir bewusst, also wissentlich, unseren Studierenden und unseren Auszubildenden nicht weitergeben.
Zweitens möchte diese Initiative dafür sorgen, dass der Heilmittelschatz bewahrt wird. Sie kennen alle - wenn man das Durchschnittsalter unseres Parlamentes anschaut - die berühmte "Grossmuttermedizin". Für viele ist diese Medizin nicht mehr aktuell, sie ist zu langsam, sie entspricht nicht dem wirtschaftlichen Bedürfnis, dass wir schnell und sofort [PAGE 1246] gesund werden. Diese Medizin ist aber teilweise - langfristig gesehen - eine ganz wichtige Komponente unseres Alltags. Es geht hier nicht darum, Komplementär- und Schulmedizin gegeneinander auszuspielen. Es geht darum, diese beiden integrativ zu fördern. Die "Grossmuttermedizin" basiert sehr oft auf komplementärmedizinischen Grundlagen. Es geht darum, dass viele unserer traditionellen Heilmittel weiterbearbeitet werden können, dass weitergeforscht und mit diesen Mitteln weiterhin seriös gearbeitet werden kann. Das ist ein Ziel dieser Initiative. Das ist heute praktisch unmöglich geworden. Aufgrund von Auflagen, die bei den Pharmaproduzenten im Alternativbereich gemacht worden sind, ist es für einen Kleinbetrieb fast unmöglich geworden, weiter daran zu arbeiten. Hier braucht es die gleichen Bedingungen, die gleich langen Spiesse wie bei den multinationalen Konzernen am Rheinknie.
Diese Heilmittel müssen, auch wenn sie zur sogenannten Grossmuttermedizin gehören, auch wenn sie zur Komplementärmedizin gehören, durch Fachpersonen abgegeben werden. Nicht jeder kann damit umgehen. Es braucht hier Kompetenzen, die geschult werden müssen. Diese umfassende Forderung der Initiative verlangt auch eine Schulung des Fachpersonals auf allen Ebenen im Bereich der Komplementärmedizin. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Damit grenzt sich diese Initiative auch ganz klar von Scharlatanerie und von der Abgabe durch jeden und jede ab. Das ist nicht die Idee dieser Initiative.
Es geht hier um fünf ärztliche Leistungen, die wiederaufgenommen werden müssen, es geht nicht um 200 verschiedene Methoden. Es ist hier ganz klar definiert, was wir mit dieser Initiative wollen. Alles andere, was hier geäussert wurde, sind Fantasien, die ganz klar zurückzuweisen sind. Das, was ich gesagt habe, wird ja protokolliert, und Sie können es dann nachlesen. Sie können dann kommen, wenn es um eine Ausweitung geht. Es ist aber ganz wichtig, dass wir hier von einer beschränkten, kontrollierten Komplementärmedizin sprechen. Sie ist ein Volksbedürfnis.
Ich bitte Sie sehr, auch wenn das Parlament heute reduziert tagt, diese Initiative zur Annahme zu empfehlen.