AB 75937
Pfister Theophil · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-09-19
Wortprotokoll
Ich möchte hier zu Beginn erwähnen, dass wir nicht ein darbendes Hochschulsystem haben, sondern allenfalls ein zu teures. Gemäss OECD-Vergleichen ist unser System pro Studierenden etwa doppelt so teuer wie der Durchschnitt der OECD-Staaten, doppelt so teuer etwa wie dasjenige in Deutschland. Sie finden diese Angaben in der Antwort des Bundesrates auf die Interpellation von Ständerat Lauri. Nun sollen in dieses System nochmals erheblich mehr Mittel eingebracht werden. Es ist natürlich von vornherein klar, dass der Staat - Bund und Kantone - dies alles zu 98 Prozent finanzieren muss.
Begründet wird dieser Mehrbedarf auch mit den nicht optimalen Betreuungsverhältnissen an den Universitäten - Sie haben das gerade vorhin gehört. Aus einem Bericht einer Arbeitsgruppe des Staatssekretariates für Bildung kann ich Folgendes entnehmen: "Ein Grund dafür" - das betrifft die schlechten Betreuungsverhältnisse an Universitäten - "ist, dass mit den reservierten Mitteln anstelle von Professuren hauptsächlich Mittelbaustellen geschaffen worden sind." Ich habe diese Frage auch der Vertretung der Kantonsregierungen gestellt; sie hat mir hierzu keine Antwort geben können.
Wenn wir uns im Klaren sind, dass wir das mit Abstand teuerste Bildungssystem in Europa haben, ist eine Mittelaufstockung von 26 Prozent ohne Strukturreformen nicht mehr logisch. Möglicherweise, ja mit Sicherheit verhindern wir damit gerade die notwendigen Reformen. Wir sollten auch darüber nachdenken, dass 50 Prozent der Doktorierenden in unserem Land Ausländer sind, denen wir in der Regel sogar eine Vollanstellung offerieren. Wollen wir das wirklich? Diese Tendenz ist immer noch steigend.
Mit dem minimalen Kürzungsantrag von 0,25 Prozent pro Jahr können wir nur ein kleines Zeichen setzen. Ich weiss aber schon, dass die SVP damit alleine bleiben wird und sich danach wieder von allen Seiten schöne Reden über die Ausgabendisziplin und die erfolgreichen Interventionen in Finanzsachen anhören muss.
Trotzdem bitte ich Sie, diesem Antrag der Minderheit II zuzustimmen.