Müller Geri · Nationalrat · 2007-09-20
Müller Geri · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2007-09-20
Wortprotokoll
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Vorredner, Herr Pfister und Herr Ineichen, über die gleiche Vorlage gesprochen haben. Es geht mir hier um Artikel 3 der BFI-Vorlage und nicht um irgendwelche Artikel, die in der Zeitung oder irgendwo anders stehen.
De facto sieht es so aus, dass gemäss Artikel 3 gegenüber dem Standardbudget vom letzten Jahr rund 8 Millionen Franken gestrichen werden; es geht um eine Reduktion des Budgets. Ich unterstütze die Mehrheit, die den Status quo beibehalten will. Das ist die Faktenlage bei diesem Artikel 3. Es ist ein Status quo; man behält den Status quo, obwohl neue Aufgaben in der Lehrer- und Lehrerinnenbildung auf uns [PAGE 1302] zukommen. Es gibt mehr Interessentinnen und Interessenten für die Studiengänge. Diese Studiengänge sind aber bereits heute so ausgebucht, dass die Interessentinnen und Interessenten bis 2009 warten müssen, um einen Platz im allgemeinen Berufskundeunterricht zu bekommen - bis 2009! Ist es in Ihrem Sinne, dass das so bleiben soll? Es gibt mehr Interessenten. Das ist sehr wichtig; ich weiss das als Präsident einer Berufsschule, ich weiss, dass wir mehr Leute brauchen. Wir haben zum Teil Mühe, genügend qualifizierte Leute zu finden. Es muss in die Ausbildung dieser Leute investiert werden. Sie können den neuen Master-Studiengang dann schon kritisieren, aber wir haben uns in Gottes Namen einmal dafür entschieden, dass wir den Bologna-Prozess mitmachen. Dann müssen wir auch das mitmachen. Sonst gehen wir zurück auf Feld eins und überlegen uns noch einmal, ob wir uns international anpassen wollen oder nicht. Wir können auch sagen, dass wir es nicht wollen - und schneiden uns damit ganz bös ins Fleisch. Wir brauchen heute Lehrpersonen aus dem Ausland. Das ist eine Realität.
Dann zur Frage der Forschungs- und Entwicklungsabteilung; es kommt immer wieder die Kritik: "Die sollen nicht forschen, denn das ist ein bisschen zu akademisch." Ja, es geht aber nicht darum, vielmehr müssen unsere Berufsschullehrerinnen und -lehrer die Forschungsergebnisse, die sich an den Hochschulen, an den Universitäten usw. ergeben, in der Anwendung und in der Praxis präzise umsetzen können. Das ist eine Aufgabe des Forschungs- und Entwicklungsbereichs in der Berufsbildung. Das ist keine Akademisierung. Es geht nicht darum, die Ausbildung in der Schule von jener im Betrieb zu unterscheiden oder zu differenzieren, es sind zwei verschiedene Sachen. Unsere Berufsschullehrer müssen sich im Schulbetrieb entwickeln. Da gibt es keine Erhöhung der Zeiten, sondern sie müssen sich da drin entwickeln. In den Betrieben läuft eine andere Ausbildung, die ebenso wichtig ist. Wir setzen aufs duale Schulsystem, das ist klar.
Es geht darum, dass mittlerweile über 8000 Prüfungsexpertinnen und -experten ausgebildet werden müssen. Auch da ist es manchmal sehr schwierig, Leute zu finden, die an den Prüfungen teilnehmen. Das ist einfach auch eine Realität. Es geht um Praxisberatung. Es geht um den Förderunterricht für schwächere Schülerinnen und Schüler. Da braucht es spezielle Trainingsausbildungen, wir müssen die schwächeren Schülerinnen und Schüler mitnehmen. Es nützt uns nichts, wenn sie scheitern und dann draussen stehen. Dieses wenige Geld, das wir dort zur Verfügung haben, müssen wir investieren. Das ergibt Sinn: Ich habe Junge erlebt, die dank dem Förderunterricht die Lehrabschlussprüfung geschafft haben; das ist sehr wichtig. Aber die Lehrer müssen dafür speziell ausgebildet werden. Was Sie auch nicht vergessen dürfen: Es geht um die Entwicklung der GSK-Berufe. Das ist neu, und auch das braucht wieder Zeit. Es geht hier also nicht um eine Erhöhung des Kredites, sondern um eine Beibehaltung des Status quo.
Ich bitte Sie also wirklich, den Antrag auf 109 Millionen Franken anzunehmen.