Genner Ruth · Nationalrat · 2007-09-20
Genner Ruth · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2007-09-20
Wortprotokoll
Ich spreche zu einem völlig anderen Thema als mein Vorredner; wir sind bei Artikel 3, beim Thema Krebsregister und angewandte Krebsforschung. Für die Jahre 2004-2007 sprachen Bundesrat und Parlament insgesamt 14,1 Milliarden Franken Unterstützung für den gesamten Bereich Forschung, Bildung und Technologie. Auf die klinische Krebsforschung entfielen davon 23,6 Millionen Franken.
Der Betrag für die Förderung von Forschung, Bildung und Technologie soll einen Zuwachs von 6 Prozent haben. Das haben wir festgelegt. Der Entwurf des Bundesrates sieht für die klinische Krebsforschung in den nächsten vier Jahren einen Rahmenkredit von 18,3 Millionen Franken vor. Zusätzlich kommen 5,3 Millionen Franken für die Vereinigung Schweizerischer Krebsregister hinzu. Das macht den Gesamtbetrag von 23,6 Millionen Franken aus, den Sie auf der Fahne finden. Dieser Zahlungsrahmen für die klinische Krebsforschung entspricht somit genau demjenigen der Vorperiode. Das würde bedeuten, dass die klinische Krebsforschung nicht von der Aufstockung um 6 Prozent profitieren würde. Deshalb lautet der Antrag der Minderheit, den Betrag für die unabhängige klinische Krebsforschung moderat um 2,3 Millionen Franken aufzustocken.
Warum ist die unabhängige klinische Krebsforschung in der Schweiz so wichtig? Sie ist renommiert und innovativ. Aber sie hat insbesondere ein Problem, und das ist ein grosses Ungleichgewicht, das zwischen der profitorientierten Forschung der Pharmaindustrie und der unabhängigen akademischen Forschung in Kliniken und Universitätsspitälern besteht. Die erstere funktioniert nach rein wirtschaftlichen Logiken. Sie verfolgt ein kommerzielles Interesse und orientiert sich an den Gesetzen des Marktes. Die klinische Forschung verfolgt als Erstes das Ziel, konkurrenzfähige Medikamente zu entwickeln und diese dann im Hinblick auf ihre Markttauglichkeit zu optimieren und dann natürlich gewinnbringend zu verkaufen. In diesen Gewinnen sind auch die entsprechenden Gelder enthalten, die es erlauben, diese Forschung zu finanzieren.
Die unabhängige klinische Forschung kann ihr Geld nicht nachträglich am Markt wieder hereinholen. Die wichtigsten Geldgeberinnen und -geber für die unabhängige Forschung sind vor allem bei der öffentlichen Hand, allen voran beim Bund. Dieser finanziert die Krebsforschung primär über zwei unterschiedliche Kanäle, nämlich über den Schweizerischen Nationalfonds und über die direkte Unterstützung des Schweizerischen Instituts für experimentelle Krebsforschung und auch der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung. Deshalb dieser Antrag: Wenn wir bekräftigen wollen, dass wir in der Schweiz eine glaubwürdige, unabhängige klinische Krebsforschung haben, müssen wir diesen Betrag anheben. Auch zur Stärkung gegenüber der kommerziellen Krebsforschung braucht es eine gewisse Stärkung dieses Kredites, sodass wir uns auch darauf beziehen können, dass wir eine unabhängige klinische Krebsforschung haben. Nachdem wir den ganzen Kredit bei der BFI-Botschaft angehoben haben, darf diese Forschungsart jetzt nicht leer ausgehen.
Ich möchte Sie bitten, diesem Anliegen der unabhängigen Krebsforschung Ihre Unterstützung zu gewähren und diesen moderaten zusätzlichen Betrag zu sprechen.