Lexipedia

Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · 2007-09-24

Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · Appenzell A.-Rh. · 2007-09-24

Wortprotokoll

Infolge der Turbulenzen auf den Finanzmärkten, die durch die Hypothekenkrise in den USA ausgelöst wurden, sind die Risikoprämien in den letzten Wochen stark angestiegen: Der Dreimonats-Libor-Satz erhöhte sich in der Schweiz vorübergehend bis auf 2,9 Prozent. Die Nationalbank hat letzthin, am 13. September, das Zielband für diesen Dreimonats-Libor um 0,25 Basispunkte auf 2,25 bis 3,25 Prozent erhöht. Die Ankündigung der Nationalbank, einen Dreimonats-Libor von rund 2,75 Prozent anzustreben, bezweckte somit eine Entspannung am Geldmarkt. Unterstrichen wurde dies dadurch, dass die Nationalbank Repo-Geschäfte für drei Monate anbot, und dies zu einem weit unterhalb des Dreimonats-Libor liegenden Zinssatz, nämlich zu 2,39 Prozent. Wenn ich jetzt den heutigen Tag nehme, stelle ich fest, dass der Dreimonats-Libor diesen Erwartungen entsprechend tatsächlich auf das angestrebte Ziel abgesunken ist; er ist jetzt nämlich bei 2,75 Prozent - und die Nationalbank hat 2,75 Prozent angestrebt.

Die Auswirkungen der Veränderungen im Geldmarkt auf die Mieter, die Hauseigentümer, die KMU und auf die Landwirtschaft hängen eigentlich nicht von der Geldpolitik allein, sondern vielmehr auch vom gesamten Zinsumfeld ab. Wie stark sich die Turbulenzen hier auf die Renditen ausgewirkt haben oder noch auswirken werden, zeigt sich im jüngsten Verlauf der Rendite für Bundesobligationen. Die Verunsicherung, die jetzt herrscht, und das Misstrauen, das insbesondere die Banken teilweise untereinander haben, haben zu einer Flucht in sicherere Anlagen geführt, und das sind natürlich vor allem Staatspapiere. Die Preise für Staatsanleihen sind in der Folge angestiegen. Entsprechend sinken jetzt die Renditen. Die Renditen für Bundesobligationen sind innert kurzer Zeit um rund sechzig Basispunkte abgesunken. Bei den risikobehafteten Anleihen ist genau das Gegenteil eingetreten. Das wieder erwachte Risikobewusstsein im Markt und bei den Marktteilnehmern hat zu steigenden Renditen vor allem für risikoreiche Papiere geführt. Die gegenwärtigen Veränderungen im Zinsgefüge haben somit, wie ich vorhin sagte, weniger mit geldpolitischen Massnahmen zu tun, sondern sind vor allem der Ausdruck eines geänderten Risikoappetites und einer geänderten Risikobeurteilung.

Als Antwort auf die vorangegangenen Übertreibungen, die am amerikanischen Immobilienmarkt herrschten, werden heute Risiken offensichtlich wieder vorsichtiger eingeschätzt. Auch wenn die Teuerung gegenwärtig tief ist, kann es sich die Geldpolitik aber nicht leisten, sich nur auf das Heute zu konzentrieren. Geldpolitik bedeutet vor allem auch - und das ist eine der Kernaufgaben unserer Nationalbank -, die Zukunft zu antizipieren und heute die Weichen für morgen zu stellen. Geldpolitische Massnahmen schlagen sich deshalb eben nicht sofort in der Teuerung oder sogar im Wachstum nieder, sondern erst mit einer zeitlichen Verzögerung. Ein Blick auf die Inflationsprognose der Nationalbank vom 13. September 2007 zeigt, dass sich die Inflationsaussichten gegenüber der Prognose vom Juni 2007 leicht verschlechtert haben. Trotz der aktuellen Verunsicherung an [PAGE 1337] den Finanzmärkten sind die Wachstumsaussichten der schweizerischen Wirtschaft dank der im Grossen und Ganzen robusten Verfassung der Weltwirtschaft, besonders aber auch der Märkte in Asien, nach wie vor gut.

Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · 2007-09-24 | Lexipedia | Lexipedia