Lexipedia

Schenker Silvia · Nationalrat · 2007-10-04

Schenker Silvia · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-10-04

Wortprotokoll

Rauchen tötet; diese Tatsache wird nicht bestritten. Dennoch würde ich nie so weit gehen, das Rauchen grundsätzlich zu verbieten. Es soll die Freiheit jeder einzelnen Person sein zu entscheiden, ob sie rauchen will. Genauso steht es uns allen frei, zu viel zu arbeiten, zu viel Schokolade zu essen oder einer der anderen Süchte zu frönen, die es gibt. Passivrauchen tötet auch. Ob Mann oder Frau passiv raucht, ist jedoch in vielen, zu vielen Fällen keine freie Entscheidung. Obwohl es Restaurants, Bars, Spitäler oder andere öffentliche Einrichtungen gibt, in denen das Rauchen nicht erlaubt ist, sind an vielen Orten Menschen dem Passivrauchen ausgesetzt. Besonders stossend ist es dort, wo Arbeitnehmende an ihrer Arbeitsstelle gezwungen werden mitzurauchen, wenn Restaurantgäste, Kundinnen und Kunden rauchen.

Wir haben heute die Gelegenheit, einen wichtigen Schritt zum Schutz vor dem Passivrauchen zu tun. Wenn Sie der Vorlage zustimmen und alle Minderheitsanträge ablehnen, was ich Ihnen im Namen der SP-Fraktion beantrage, werden öffentliche Räume und Gastronomiebetriebe in Zukunft rauchfrei sein. In geschlossenen, unbedienten Räumen, sogenannten Fumoirs, soll nach wie vor geraucht werden dürfen. Ebenso dürfen die Gäste draussen vor einem Lokal rauchen.

Wer vor einigen Jahren in Irland in einem verrauchten Pub war, hätte sich wohl nie vorstellen können, dass dereinst in einem solchen Lokal das Rauchen nicht mehr erlaubt sein würde. Heute ist es so, und es funktioniert. Die Lokale sind nach wie vor gut besucht. Wie man mir erzählt hat, hat sich eine andere Kultur des Rauchens, eine andere Kultur des Restaurantbesuches entwickelt.

Letzten Freitag hat der Bundesrat in den Fragen der Prävention und der Gesundheitsförderung einen wichtigen Entscheid getroffen. Er hat entschieden, dass die gesetzliche Grundlage für eine bessere Koordination und eine Stärkung der Prävention und der Gesundheitsförderung erarbeitet werden soll. Das ist ein guter, das ist ein wichtiger Schritt. Vorsorge soll und muss eine grössere Bedeutung erhalten. Das gilt für verschiedenste Themenbereiche und für verschiedenste Krankheitsbilder. Vermehrte Investitionen und die Bereinigung von Strukturen sind für die Gesundheitsvorsorge sehr wichtig. Ob wir wirklich bereit sind, etwas für die Gesundheitsförderung zu tun, können wir heute zeigen.

Treten Sie auf die Vorlage ein, und stimmen Sie ihr zu. Sie helfen damit, die Bevölkerung vor dem Passivrauchen zu schützen. Stimmen Sie der Vorlage zu. Sie ersparen damit der Volkswirtschaft hohe Kosten - Kosten, die durch gesundheitliche Schäden und durch Arbeitsausfälle bedingt sind.

Die Diskussion über die Vorlage wird in der Öffentlichkeit und auch hier drin vor allem unter dem Aspekt "Freiheit der Raucherinnen und Raucher versus Freiheit der Nichtraucherinnen und Nichtraucher" geführt. Ich kann verstehen, dass liberale Geister, ob sie selber rauchen oder nicht, mit einem generellen Rauchverbot Mühe haben. Trotzdem: Wenn Sie, wie z. B. die Mitarbeitenden der Krebsliga oder der Lungenliga, Tag für Tag mit Menschen zu tun haben, die unter den Folgen des passiven Rauchens leiden, wenn Sie in einem Restaurant oder in einer Bar sehen, wie dick die Luft ist, die das Servicepersonal während unzähligen Stunden einatmen muss, dann müssen Sie dieser Vorlage zustimmen und alle Minderheitsanträge ablehnen.

Ich bitte Sie, das zu tun.