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Freysinger Oskar · Nationalrat · 2007-12-05

Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-12-05

Wortprotokoll

Seit 23 Jahren unterrichte ich nun an einem Gymnasium junge Menschen, die zwischen 17 und 19 Jahre alt sind. In dieser langen Zeitspanne habe ich oft miterleben können, wie gewisse Schüler dem Cannabiskonsum verfielen, ihr Studium abbrechen mussten und in ihrer Existenz scheiterten. Als Pädagoge habe ich mich neben dem eigentlichen Schulbetrieb dafür eingesetzt, den Jugendlichen Basketball während der Mittagszeit, Austausche mit Deutschland und Skitourenwochenenden anzubieten; dies immer mit dem Ziel, ihnen den Wert der Anstrengung, des Über-sich-Hinauswachsens, zu demonstrieren. Denn wer glaubt, der Weg des geringsten Widerstandes führe zur Freiheit, der wird sehr schnell zum Sklaven seiner Triebe, weil er nicht gelernt hat, sich und seinen Körper in den Griff zu bekommen.

In diesen vielen Jahren Unterrichtstätigkeit habe ich immer versucht, durch Tat und Rat auf die Gefahren des scheinbar so harmlosen Joints hinzuweisen. Für das Kurzzeitgedächtnis, ohne das kein Schüler im täglichen Schulbetrieb bestehen kann, ist der regelmässige Konsum von Cannabis verheerend. Bei den heutigen THC-Werten sind auch der Abhängigkeitsfaktor und die zerstörerische Langzeitwirkung der so "coolen" Droge durchaus mit jenen der harten Drogen vergleichbar. Es gibt nur einen möglichen Weg zum Sieg über die Droge, und dieser heisst Abstinenz. Jede Verharmlosung und Verniedlichung, jede Konzession bedeutet in diesem Bereich den Anfang einer Spirale, an deren Ende die soziale und persönliche Selbstzerstörung des Menschen steht.

Als Lehrer muss ich den Staat unbedingt hinter mir wissen, wenn mein Schulalltag nicht zur Alibiübung verkommen soll. Ich brauche einen Staat, der, wo immer möglich, klare Signale gibt und dadurch meine pädagogischen Bemühungen stützt. Die vorliegende Initiative droht den an der pädagogischen Front stehenden Menschen - den Erziehern und Lehrern - jede Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Drogenabhängigkeit zu nehmen. Bei den im Falle einer Annahme unvermeidlich widersprüchlichen Signalen wird es fortan fast unmöglich sein, im konkreten Terrain etwas bewirken zu können. Mehr noch: Wie soll eine Schule strenge Reglemente durchsetzen, wenn im Gegenzug das Strafgesetz ausgehöhlt wird?

Dass aber gerade jene Leute, die sich über die Gewalt auf der Strasse und das Schweizer Sturmgewehr beklagen, Substanzen salonfähig machen wollen, die zu mörderischen Autounfällen und zu 60 Prozent der Selbstmorde mit Feuerwaffen führen, stösst mir sauer auf. Dahinter steckt die übliche Widersprüchlichkeit von Politikern, die das Absurde mit dem Absurden austreiben wollen. Das Leben soll entweder fristgerecht zu Beginn oder gegen Ende durch Exit ohne Dignitas "saniert" werden, die Familie durch die Krippe, die Selbstverantwortung durch den Rausch, die Lebensmüdigkeit durch den Joint; das Passivrauchen wird bekämpft, das aktive Jointrauchen begrüsst und gefördert. Den Bürgern soll das Recht zur Selbstzerstörung eingeräumt werden, aber bitte nicht zu schnell, nicht mit Messer oder Gewehr, sondern immer schön langsam mit Mitteln, die vor dem definitiven Ausscheiden eine lange Abhängigkeitsphase gewährleisten und also eine gesicherte Existenzgrundlage für ein Heer von Sozialarbeitern, Psychologen, Psychiatern, Beratern usw. schaffen. Dieses scheinheilige Spiel geht auf Kosten unserer Jugend und der Zukunft unseres Landes, das nur durch seine Unabhängigkeit zu einem erfolgreichen Staatswesen wurde, nicht durch Abhängigkeit. Was für das Land als Ganzes gilt, ist auch für den Einzelbürger wahr.

Darum empfehle ich Ihnen, diese unselige Initiative als blauen Rauch in immer kältere Himmel zu verbannen.