Pfister Theophil · Nationalrat · 2007-12-11
Pfister Theophil · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-12-11
Wortprotokoll
Ich spreche für die SVP-Fraktion. Wir beantragen Ihnen, alle Anträge der Minderheit Kiener Nellen abzulehnen.
Zuerst zur Entschädigung von "Jugend und Sport": Dieser Antrag Kiener Nellen zielt darauf ab, die Bewegungsprobleme und das sonstige Verhalten der Kinder zur [PAGE 1897] Bundessache zu machen. Demgegenüber gibt es in diesem Bereich klare Verantwortlichkeiten. Es sind die Kantone, die gemäss Verfassung die Schulhoheit haben, die gerade mit dem Projekt Harmos die Kategorie der vier- bis achtjährigen Kinder neu erfassen. Es sind die Lehrer, auch die Sportlehrer, die sich um das Wohl der Kinder ab Schulbeginn zu kümmern haben. Es ist die Lehrerbildung, die nicht am Problem des Bewegungsmangels von Kindern vorbeigehen kann. Und es sind primär natürlich die Eltern gefragt.
Wenn sich der Bund mit Bundesmitteln anbietet und mit zusätzlichen Kursleitern hier aktiv wird, dann wird das Problem zu "Jugend und Sport" verschoben, zu jemandem, der dafür gar nicht zuständig ist und auch nicht zuständig sein soll. Ich plädiere dafür, dass sich die neuen Pädagogischen Hochschulen ihrer Verantwortung in diesem Bereich bewusst werden und für die Ausbildung oder die Zusatzausbildung zum Turnlehrer entsprechende Massnahmen beraten. Die SVP-Fraktion lehnt den Antrag der Minderheit Kiener Nellen und damit natürlich auch eine neue Bundesaufgabe ab.
Jetzt zum Doping: Die Bekämpfung des Dopings ist eine sehr schwierige Aufgabe, und sie kann auf absehbare Zeit kaum befriedigend gelöst werden. Es ist damit zu rechnen, dass immer wieder neue Fälle und Skandale auftreten. Der Bund leistet in der Bekämpfung eine angemessene technische und logistische Unterstützung. Die Durchführung obliegt jedoch den Sportverbänden, die mehr oder weniger aktiv, mehr oder weniger breit die Sache behandeln können. Mit dem Spielraum, den die Sportverbände immer haben werden, ist auch die Verantwortung für ihre Sportart in der Öffentlichkeit verbunden. Es wäre grundsätzlich falsch, wenn der Bund das Wenn, das Wo und das Wie der Dopingkontrollen bestimmen würde und damit eine grundsätzliche Verantwortung übernehmen würde.
Man kann die Verantwortung nicht zwischen den Sportverbänden und dem Bund aufteilen. Die Aufgabe des Bundes ist es, die exakte Auswertung der Proben zu sichern und damit auch den sauberen Sportler vor Fehlurteilen zu schützen. Das ist mit der vorgeschlagenen Aufteilung der Funktionen und Kosten gewährleistet. Die Minderheit Kiener Nellen geht hier zu weit und bringt den Bund in eine unschöne Lage. Sie entlässt die Verbände teilweise aus ihrer Verantwortung.
Ich bitte Sie namens der SVP-Fraktion, die Anträge der Minderheit Kiener Nellen abzulehnen.