Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · 2007-12-19
Aeschbacher Ruedi · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2007-12-19
Wortprotokoll
Die Jugend kann nicht besser sein als die Gesellschaft, in der sie aufwächst. Die Jugend wird von der Gesellschaft, von ihrer Umgebung, geprägt. Die Jungen orientieren sich an Vorbildern: Vorbildern in ihren Familien, in ihrem Freundeskreis, in ihren Schulen, an ihrem Lehr- oder Arbeitsplatz; auch an Vorbildern, die ihnen in Zeitungen, Inseraten, Fernsehen, Filmen, Videogames und auf Plakaten entgegenkommen. Die von uns so geprägte Jugend hält uns mit ihrem Verhalten eigentlich nur den Spiegel vor, in dem wir sehen, wie wir uns selbst verhalten.
Unsere Gesellschaft - das müssen wir anerkennen - hat sich in den letzten zwanzig, dreissig, vierzig Jahren sehr stark verändert. Gemeinsam gelebte und anerkannte Werte und Normen sind verlorengegangen; Individualismus, Egoismus und Materialismus haben Einzug gehalten. Eine Werbung hat ja lange gesagt: Geiz ist geil. Die Lauten, die Rücksichtslosen, die Unanständigen haben überhandgenommen, nicht nur in der Gesellschaft generell, sondern auch in der Wirtschaft. Rücksichtnahme und Anständigkeit werden zum Teil als Schwäche denunziert. Wer sich nicht immer extremer verhält - übrigens auch in der Politik -, fällt nicht auf. Gefragt ist - und da spielen die Medien eine wichtige Rolle -, was schrill und schräg ist, was anstössig ist, was aus dem Rahmen fällt. Je ausgefallener und je verrückter, desto besser. Kommt dazu, dass seit zwei, drei Jahrzehnten die Wirtschaft die Jugend als Konsumenten entdeckt hat, und sie bewirbt diese neuen Konsumenten knallhart.
Schliesslich ist da aber auch noch die Wirtschaft, ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft. Hier haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Profitgier grassiert, gerade in den obersten Teppichetagen, eigentlich dort, wo wiederum auch die wichtigsten Vorbilder für unsere Jungen sein sollten. Von dort werden aber die denkbar schlechtesten Vorbilder geliefert, zumal eine enorme Abzockerei oft mit einer harten, kalten Politik gegenüber der Belegschaft auf der anderen Seite gekoppelt ist.
Kälte, Härte, Profitgier und Rücksichtslosigkeit haben sich aber nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in unserer Gesellschaft breitgemacht, haben die tragenden Werte wie Solidarität, Verantwortung, Wertschätzung, Zuhören-Können und Ehrlichkeit verdrängt. Wenn sich unsere Gesellschaft so verändert hat, weshalb sollten wir da erwarten können, dass unsere Jugend nicht auch anders denkt und handelt?
Was wir bräuchten, sind sicher Perspektiven für die Jungen, Möglichkeiten, dass sie sich entwickeln können, die Übertragung von Verantwortung, aber auch gleichzeitig das Verlangen von Leistungen und das Setzen von Grenzen. Wir müssen die Jugend aber auch vor schädlichen Einwirkungen schützen. Beste Jugendförderungspolitik ist nicht diejenige, die man mit viel Geld macht, sondern diejenige, die mit Zeit und Zuwendung verbunden ist und dazu führt, dass wir wiederum gemeinsame, tragende Werte in unserer Gesellschaft aufleben lassen; tragende, gemeinsame Werte, die unser Land und unsere Gesellschaft stark gemacht haben und die auch unserer Jugend ein Ziel und eine Richtung geben können.
Wir werden entsprechende Anträge bei den vorliegenden Vorstössen unterstützen. Jene Vorstösse, die sich nur darauf beziehen, dass man mit Geld versucht, etwas besser zu machen, werden von uns eher kritisch angeschaut.