Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · 2007-12-19
Glanzmann-Hunkeler Ida · Nationalrat · Luzern · Fraktion CVP/EVP/glp · 2007-12-19
Wortprotokoll
Eine gute Erziehung ist die beste Grundlage dafür, dass aus unseren Kindern und Jugendlichen verantwortungsbewusste Erwachsene werden. Die Hauptverantwortung für eine gute Erziehung der Kinder liegt bei den Eltern bzw. bei den Familien, den Kernzellen unserer Gesellschaft. Diese Aufgabe können ihnen weder Lehrer noch Behörden, noch die Gesellschaft abnehmen.
Leider sind viele Eltern heutzutage aus ganz vielfältigen Gründen nicht mehr in der Lage, die nötige Zeit und die richtigen Mittel für eine gute Kindererziehung einzusetzen. Oft fehlt ganz einfach die Zeit, weil beide Elternteile arbeiten und selber am Limit sind. Oder Eltern können die geforderte [PAGE 1993] Erziehung nicht so weitergeben, weil sie selber nicht in einer intakten Familie aufgewachsen sind und damit das Wissen nicht automatisch weitergegeben wurde und sie, im Gegenteil, nichts anderes kennen. Besondere Probleme stellen sich vielfach bei der Erziehung in ausländischen Familien, insbesondere dann, wenn Erziehungsmuster aus der Heimat übernommen werden, welche im Widerspruch zur gesellschaftlichen Realität der Schweiz stehen. Mangelnde Integration, Verunsicherung und Heimatlosigkeit der Kinder sind vielfach die Folge davon. Dies führt leider oft auch zu mehr Gewalttätigkeit.
Ein weiterer Grund für Erziehungsdefizite ist oft auch der steigende Medienkonsum. So kommt eine in der letzten Woche veröffentlichte Studie zur Jugendgewalt vom Pädagogischen Institut der Universität Zürich zum Schluss, dass eine Hauptursache von Jugendgewalt darin bestehe, dass Eltern und Kinder sich zunehmend emotional auseinanderlebten. Kinder verbrächten ihre Freizeit viel seltener mit den Eltern. Stark zugenommen habe der Medienkonsum der Kinder, insbesondere Fernsehen und Internet.
Eltern müssen sich wieder vermehrt um ihren Nachwuchs kümmern. Mit geeigneten Anreizen ist die Erziehungsqualität stetig zu steigern, nötigenfalls muss konsequent eingegriffen werden, um Eltern zu einer guten Erziehungsarbeit zu verpflichten. Diese Forderungen stehen aber im luftleeren Raum, wenn Familien Rahmenbedingungen unterworfen sind, die ihnen eine gute Erziehungstätigkeit verunmöglichen. Ich spreche hier von Familienarmut, von Working Poor, aber auch von Familien, bei denen beide Elternteile arbeiten müssen, um das Einkommen zu sichern. Hier braucht es vom Staat besondere Unterstützung, sei dies durch Betreuungsangebote oder durch finanzielle Entlastung der Familien.
Für uns ist es ein wichtiges Ziel, die Wahlfreiheit der Eltern zu gewährleisten. Das heisst, Familien soll es möglich sein, selber zu entscheiden, ob beide Elternteile ganz bzw. teilweise arbeiten möchten oder ob nur ein Elternteil ausser Haus tätig ist. In diesem Sinn begrüsst die CVP/EVP/glp-Fraktion den Ausbau von Tagesfamilienplätzen und eine Vergünstigung von Krippen und Tagesschulen in der Partnerschaft Staat-Wirtschaft-Familie. Ebenfalls begrüsst unsere Fraktion den breiten Einsatz von Integrationsvereinbarungen. Migrantinnen und Migranten sollen möglichst schnell die entsprechende Landessprache erlernen. Sie leben sich dadurch besser ein, was wiederum positiv auf die Erziehung wirkt. Integrationsvereinbarungen sollen aber nicht generell, sondern nur dann zum Einsatz gelangen, wenn dies Sinn macht, unter Einbezug, aber ohne Bevormundung der Kantone.
Wir sind gefordert, die Eltern bei der Erziehung zu unterstützen und damit auch unseren Kindern eine gute Chance zu geben. In diesem Sinne bitte ich Sie, die entsprechenden Vorstösse anzunehmen.