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AB 79935

Egerszegi-Obrist Christine · Nationalrat · Aargau · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2007-06-04

Wortprotokoll

Sie erinnern sich: Am Ende der letzten Session habe ich aus tiefstem Herzen zwei Kollegen alles Gute und gute Besserung gewünscht. Ich freue mich, dass einer dieser Kollegen wieder gesund unter uns weilt.

Leider mussten wir in der Zwischenzeit von unserer lieben Kollegin Josy Gyr-Steiner Abschied nehmen. Nur fünf Tage nachdem sie mir den Rücktritt aus dem Parlament mitgeteilt hatte, ist unsere Kollegin gestorben. Das Schicksal liess uns keine Zeit, Josy Gyr-Steiner in unserem Kreis würdig zu verabschieden, wie wir das normalerweise tun.

So tun wir das heute mit schwerem Herzen in Form eines Nachrufs. So, wie ich Josy Gyr kennengelernt habe, glaube ich zwar, dass ihr die vielen Reden und das Lob gar nicht recht gewesen wären. Und trotzdem: Josy Gyr hat dies alles verdient wie wohl selten ein Mensch. Sie hatte es nicht leicht, weder im Leben noch in der Politik, noch im Bundeshaus und ganz bestimmt auch nicht auf ihrem letzten, von der Krankheit überschatteten Lebensabschnitt. Doch sie war eine Kämpferin. Im Leben hat sie persönliche Schicksalsschläge nicht nur weggesteckt, sondern ist an ihnen gewachsen. In der Politik hat sie sich als Nichtakademikerin durchgesetzt, und hier im Bundeshaus hat sie sich ihre Stellung erkämpft. Auch aus ihrer schweren Krankheit hat sie nie ein Geheimnis gemacht und den Kampf dagegen aufgenommen. Diesen hat sie jedoch zuletzt verloren.

Josy Gyr-Steiner wurde 2003 für die SP Schwyz in den Nationalrat gewählt; damals für einige überraschend. Uns wurde aber schon bald klar, dass sie mit ihrer Offenheit, mit ihrem Engagement und ihrer Kraft eine Glaubwürdigkeit besass, die manchmal in der Politik schmerzlich vermisst wird. Vorher war sie seit 1990 als Bezirksrätin in Einsiedeln politisch aktiv gewesen. Für Josy Gyr stand bei der politischen Tätigkeit immer der Mensch im Mittelpunkt. Das war auch in der Kommissionsarbeit und im Plenum spürbar.

Sie hat sich weniger für abstrakte Ideologie als vielmehr für urmenschliche Gerechtigkeit eingesetzt. Josy Gyr war es ein Anliegen, dass Menschen, die ihr Leben lang "gekrampft" haben, zu dem ihnen zustehenden materiellen Lohn, zu Wertschätzung und zu dem ihnen zustehenden bisschen Glück kommen. Sie engagierte sich für Mütter in Not, gegen Ungerechtigkeiten und Vorurteile in der Gesellschaft, und trotzdem war sie es, die selbst immer wieder von Unglück und Ungerechtigkeiten eingeholt wurde.

Hier im Bundeshaus war Josy Gyr mit ihrer einfachen, geradlinigen und bodenständigen Art, ihrer klaren, aber immer humorvollen Sprache eine Ausnahmeerscheinung. Ihre Arbeit in der Geschäftsprüfungskommission und in der Kommission für öffentliche Bauten ging sie - auch damals, als sie von ihrer Krankheit bereits schwer gezeichnet war - mit einer Selbstverständlichkeit und einem Engagement an, die unseren Respekt forderten.

Josy Gyr war ein unverwechselbarer Mensch, und wir sind tieftraurig, dass sie nicht mehr unter uns weilt. Sie hat allen gezeigt, dass Politik von Menschen für Menschen gemacht werden soll und gemacht wird - und zum Menschsein gehört eben auch der Tod. Er hat Josy Gyr nun viel zu früh [PAGE 614] eingeholt. So trauern wir heute um einen Menschen einer Art, wie es sie überall braucht, ganz besonders in der Politik. Wir trauern um unsere Kollegin Josy Gyr-Steiner. Unsere Anteilnahme gehört ihrem Mann, ihrem Sohn und der ganzen Trauerfamilie.

Ich bitte Sie, der Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.

[VS]

Der Rat erhebt sich zu Ehren der Verstorbenen

L'assistance se lève pour honorer la mémoire de la défunte