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Hämmerle Andrea · Nationalrat · 2007-06-05

Hämmerle Andrea · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-06-05

Wortprotokoll

Ich spreche für die SP-Fraktion und nicht für die Neat-Aufsichtsdelegation; das hat Herr Binder hervorragend gemacht. Wir führen hier ja auch eine politische Debatte über die Neat. Dazu möchte ich ein paar Bemerkungen machen.

In zehn Tagen findet die Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels statt. Die erste Neat-Achse wird in Betrieb genommen. Dazu zwei Hinweise:

1. Die Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels wurde vor zehn Jahren auf das Jahr 2007 festgelegt. Dieser Termin wird eingehalten, er wurde nie nach hinten verschoben. Das ist wahrscheinlich ein Weltrekord für ein Bauwerk dieser Dimension und dieser Komplexität. Dies ist gelungen dank der Politik und dank allen Beteiligten, vom Mineur bis zum CEO.

2. Der Lötschberg-Basistunnel wird mindestens zehn Jahre vor dem Gotthard-Basistunnel eröffnet, vielleicht sind es sogar noch mehr als zehn Jahre. In zwei Wochen steht jetzt die erste zusätzliche Infrastruktur für die Verlagerung zur Verfügung. Ohne den Lötschberg-Basistunnel - das sei denen ins Stammbuch geschrieben, die immer gesagt haben, man brauche nur den Gotthard-Basistunnel - wäre der Bau des Gotthard-Basistunnels keinen Tag früher in Betrieb genommen worden. Die Bauzeit des Gotthard-Basistunnels dauert so lange, unabhängig davon, ob der Lötschberg-Basistunnel gebaut wird oder nicht.

Zum Gotthard-Basistunnel: Es ist immer wieder in Erinnerung zu rufen, vor allem den vielen Kleinkrämerinnen und Kleinkrämern, dass es der längste je in Angriff genommene Tunnel ist; er ist über 50 Kilometer lang. Es ist der Tunnel mit der höchsten Überdeckung, die je bewältigt worden ist; es sind über 2000 Meter. Damit verbunden sind die höchsten je gemessenen Felstemperaturen, nämlich um die 50 Grad. Dieser Tunnel wird in schwierigster Geologie gebaut. Der Bau des Gotthard-Basistunnels ist technisch und logistisch viel eher mit einem Weltraumprojekt vergleichbar als mit einem Schulhausneubau, obwohl auch hier nur Beton und Eisen gebraucht wird.

Es gibt natürlich Probleme, selbstverständlich. Es sind technische Probleme, z. B. mit der Geologie bei der Multifunktionsstelle in Faido, in schwierigstem Fels. Es gibt Deformationen, Niederbrüche usw. Die Geologie zwischen Faido und Sedrun wird schwierig zu bewältigen sein. Das steht erst noch bevor. Rechtlich gibt es Probleme, ich erinnere nur an das berühmt-berüchtigte Los Erstfeld, das Los 151, und an das Los Bahntechnik. Hier muss man einfach sagen: Die vom Parlament gesetzgeberisch konzipierten Verfahren stossen bei derartigen Baulosen halt einfach an Grenzen, genauso wie die Vergabe- und Rekursinstanzen. Finanziell gibt es Probleme. Es gibt Bestellungsänderungen; sie wurden vom Parlament beschlossen, darüber ist nicht mehr zu diskutieren. Sie führen schnell zu Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich. Terminlich gibt es Probleme; es geht um Auswirkungen all der Probleme, die ich vorher erwähnt habe. Deshalb bin ich etwas vorsichtig mit Prognosen. Jetzt zu sagen, wann der Gotthard-Basistunnel genau eröffnet wird, scheint mir etwas gewagt zu sein. Das sei auch den Technikern mitgeteilt.

Die SP-Fraktion und auch ich möchten nicht in den Gesang der selbsternannten Patrioten einstimmen, die aber hier ein Jahrhundertbauwerk der Schweiz systematisch schlechtreden. Wir sagen: Die Neat ist insgesamt eine Erfolgsgeschichte. Die Technik, die Finanzen und die Termine sind so weit im Griff, wie man das bei einem Projekt von dieser Dimension und Komplexität erwarten kann. Dies ist einerseits der Erfolg einer besonnenen Politik mit satten Mehrheiten, trotz aller Unkenrufe. Es ist andererseits der Erfolg von hervorragenden Ingenieurinnen und Ingenieuren und von den vielen Hundert Tunnelbauarbeiterinnen und -arbeitern, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Bestes geben. Eines Tages werden wir alle hier drin stolz sein auf das Bauwerk, das wir vollbracht haben - auch die, die immer meckern.