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Freysinger Oskar · Nationalrat · 2007-06-21

Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-06-21

Wortprotokoll

Ich unterrichte seit 22 Jahren Deutsch als Fremdsprache an einem Gymnasium und habe in dieser Zeit einige Erfahrungen im Sprachbereich sammeln können. Hinzu kommt, dass ich als Kind im französischsprachigen Sitten aufgewachsen und in die deutsche Schule gegangen bin, was mir erlaubt, in völliger Kenntnis bezüglich des Erwerbs einer Zweitsprache und der Zweisprachigkeit ein Votum abzugeben.

Eine Effizienzsteigerung ist im Sprachbereich nicht durch wissenschaftliche Theorien zu erreichen, sondern durch die Stärkung des realen Lernbetriebs, insbesondere der bestehenden Austauschprogramme. Mit Artikel 17 soll ein wissenschaftliches Kompetenzzentrum zwecks Sprachforschung geschaffen werden. Das führt zu einer Doppelspurigkeit, da es ja schon die Sprachinstitute der Universitäten gibt, und zieht erhebliche Mehrkosten nach sich. Das dafür vorgesehene Geld kann viel effizienter im Terrain selbst investiert werden, so zum Beispiel durch eine vermehrte Unterstützung von bestehenden Austauschstrukturen oder durch die Organisation von neuen Austauschprogrammen.

In der Schule kann ich den Schülern in dreimal 45 Minuten pro Woche lediglich Grundstrukturen und grammatische Kenntnisse vermitteln. Soll dieser Unterricht wirklich fruchten, dann ist ein Austausch im fremden Sprachgebiet eine unbedingte Notwendigkeit. Ich habe persönlich jahrelang solche Austausche organisiert und oft bedauert, dass gewisse Schüler aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen konnten. Wenn wir im Sprachbereich weiterkommen wollen, dann sind vor allem zwei Bedingungen zu erfüllen - und dafür braucht es kein neues Gesetz -: Erstens muss so früh wie möglich mit dem Spracherwerb angefangen werden, wenn möglich schon kurz nach der Geburt; zweitens müssen Auslandaufenthalte im Fremdsprachengebiet gefördert werden als Unterstützung für das, was in der Schule angeboten wird. Die Strukturen dafür bestehen - es gibt jede Menge Organisationen, die das betreiben -, die wissenschaftlichen Erkenntnisse auch, und falls solche fehlen sollten, können diese gemäss meinem Eventualantrag von den bestehenden Sprachinstituten der Universitäten nachgeliefert werden.

Die Schaffung eines neuen Kompetenzzentrums würde einen Geldverschleiss bedeuten, zur sprachlichen Kompetenz der Schüler nichts Konkretes beitragen und eine grössere Investition in tatsächlich wirksame Massnahmen verhindern. Es braucht kein neues Gesetz, es braucht einfach nur den Willen, das Geld direkt im Terrain zu investieren; es ist nur der Wille der Regierung oder der Kantone, der das bestimmt. Wir können hier die besten Gesetze machen - wenn diese nicht direkt einen Einfluss haben auf das, was im Schulbetrieb passiert und die Möglichkeiten der Austauschprogramme beeinflussen, bleiben sie einfach Paragrafen auf dem Papier.

Ich schlage Ihnen also vor: Unterstützen Sie in erster Linie den Antrag der Minderheit I auf Streichen, weil ein solches Kompetenzzentrum nicht notwendig ist, weil wir Sprachinstitute haben, die diese Arbeit liefern können; und unterstützen Sie in zweiter Linie den Antrag der Minderheit II, das heisst, dass man, wenn der erste Antrag abgelehnt wird, wenigstens sagt: Bestehende Strukturen an den Universitäten sollen damit beauftragt werden; es soll daneben also [PAGE 1093] nicht noch etwas Spezielles, etwas Neues geschaffen werden.

Die SVP-Fraktion wird mich in dieser Absicht, also mit Zustimmung zur Minderheit I oder II, wahrscheinlich unterstützen.