Lexipedia

Genner Ruth · Nationalrat · 2007-06-21

Genner Ruth · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2007-06-21

Wortprotokoll

Artikel 16 befasst sich mit weiteren Massnahmen zur Sprachenförderung. Gerade da, im Bereich der Sprachenförderung, ist das Engagement des Bundes eben gefordert. Ich beziehe mich dabei ganz klar auch auf die Verfassung, die verlangt, dass wir den inneren Zusammenhalt dieses Landes fördern. Und den inneren Zusammenhalt zu fördern hat sehr viel mit sprach- und kulturübergreifenden Möglichkeiten und Chancen zu tun. Gerade diese Chancen, Herr Bundesrat, müssen wir fördern. Das bedeutet auch, dass wir die Kenntnisse der verschiedenen Landessprachen unterstützen müssen. Das ist es, was in Artikel 16 Buchstabe a gefordert wird.

Dazu kommt nun das Anliegen der sprachlichen Integration von Migrantinnen und Migranten. Das betrifft vor allem die Buchstaben b und c. Es ist für uns Grüne ein ganz zentrales Anliegen, dass wir Massnahmen haben, welche die Integration von Migrantinnen und Migranten fördern. Deshalb begrüssen wir auch die Bestimmung, dass der Bund die Kompetenz zur Förderung der Kenntnisse einer Amtsprache einerseits und von Kursen für heimatliche Sprache und Kultur für Migrantinnen und Migranten andererseits erhält. Wenn in Buchstabe c steht: "Die Förderung der Kenntnisse Anderssprachiger in ihrer Erstsprache", geht es darum, dass die Migrantinnen und Migranten die Struktur ihrer eigenen Muttersprache verstehen, weil dann die Voraussetzungen gegeben sind, dass sie auch eine Fremdsprache gut lernen können; und das ist es, worauf wir hier abzielen. Ich möchte ein Beispiel geben. In der Stadt Zürich ist die am dritthäufigsten gesprochene Sprache serbokroatisch. Das ist keine unserer Landessprachen, aber wir müssen gerade diesen Menschen eine Chance geben und ihnen zeigen, wie ihre Sprache aufgebaut ist, damit sie dies dann als Grundlage nehmen können, um die schwierige deutsche Sprache lernen zu können.

Die Schwierigkeit in Zürich ist auch die, dass wir nicht einfach hochdeutsch sprechen, sondern wir haben eine Vielzahl von verschiedenen Dialekten, mit Strukturen, die sich noch einmal vom Hochdeutschen unterscheiden. Das ist ja auch der Grund dafür, weshalb uns Romands und Tessiner immer wieder bitten, hochdeutsch zu sprechen - weil sie nicht auch noch mit unseren Dialektstrukturen konfrontiert sein wollen. Es geht vor allem darum, hier die Kompetenzen zu fördern. Das ist nicht nur in der Schule so, Herr Pfister, sondern das ist auch da so, wo es eben erwachsene [PAGE 1092] Migrantinnen und Migranten gibt, die gerade diese Kurse brauchen.

Ich möchte auch den Bundesrat bitten, hier wirklich Hand zu bieten und den Kantonen Unterstützung zu gewähren. Denn nur wenn Sie das wollen, wenn Sie jetzt den politischen Willen bekunden, werden die Kantone arbeiten. Und es braucht gerade diese Integrationsmassnahmen, damit Integration gelingen kann. Dabei müssen wir unbedingt auch Erwachsenen diese Chance geben. Denn wenn wir die Kurse nicht anbieten, können Migrantinnen und Migranten auch nicht den eigenen Lerneffort erbringen. Und das ist gerade das, was die SVP immer verlangt: Die Leute sollen sich selber integrieren. Wie aber sollen sie das leisten, wenn nirgends solche Kurse gegeben werden? Bieten wir heute also Hand und schaffen die Möglichkeit, damit diese Kurse gegeben werden können.

Lernen müssen die Lernenden immer selber. Sie müssen diesen Effort erbringen. Deshalb wollen wir der Minderheit I zum Durchbruch verhelfen, damit der Bund diese Mittel gewährt, damit nicht das eintritt, was die SVP-Fraktion postuliert: Sie will diesen Absatz ganz streichen. Es ist absolut inkonsequent angesichts ihrer politischen Haltung, die immer besagt: Wir fordern die Leute auf, sich zu integrieren. Bieten Sie diesen Leuten heute die Gelegenheit, dies tun zu können. Wenn Sie die Voraussetzungen nicht schaffen, ist alles andere hohles Geschwätz!

Ich bitte Sie, die Minderheit I zu unterstützen.