Günter Paul · Nationalrat · 2000-11-30
Günter Paul · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-11-30
Wortprotokoll
Wenn man den Vorstoss von Frau Simoneschi sieht, ist es unausweichlich, dass es daraus eine Drogendiskussion gibt. Offenbar ist in Bezug auf Cannabis im Moment vieles im Umbruch. Das spricht natürlich dafür - da möchte ich Herrn Chiffelle unterstützen -, dass die Polizei jetzt nicht die Jugend kriminalisieren sollte, solange sie es noch kann. Vielmehr sollte es umgekehrt sein, nämlich dass die Polizei eine grosszügigere Haltung einnimmt. Ganz abgesehen davon macht es einfach keinen Sinn, 50 Prozent der Jugend bzw. diejenigen, die man erwischt - und damit auch ihre Eltern -, kriminalisieren zu wollen.
Zur Cannabis helvetica möchte ich einfach in Erinnerung rufen: Die Cannabis helvetica ist von alters her - seit dem Mittelalter - berühmt für ihre Qualität. Sie ist es nicht nur in Bezug auf Hanf für Kleider, sondern auch in Bezug darauf, dass man sie rauchen kann. Die Schweizer Landwirtschaft kann man zwar damit nicht retten. Cannabis helvetica wäre aber ein Produkt, mit dem unsere Landwirtschaft wahrscheinlich europa- und weltweit konkurrenzfähig wäre. Die Cannabis helvetica ist ein hervorragendes Produkt.
Als Arzt möchte ich in dieser Diskussion jetzt etwas wiederholen, was immer vergessen wird: Cannabis wird vor allem geraucht, und beim tiefen Inhalieren erzeugt dies einen halluzinogenen oder beruhigenden Effekt oder wie man das auch immer nennen will. Alle Nichtraucher unter Ihnen sollten das einmal ausprobieren. Ein Nichtraucher kann nicht Cannabis rauchen - man muss ihn inhalieren, und wenn man sich das nicht gewohnt ist, bekommt man einen Hustenanfall, und die Geschichte ist beendet.
Für all jene, die so um die Jugend besorgt sind, lautet die Frage: Was ist effektiv der Punkt? Der Punkt ist, dass die Einstiegssucht Rauchen verhindert werden muss. Den Jugendlichen wird heute mit grossem Werbeaufwand beigebracht, wie man raucht. Sie lernen z. B. inhalieren, und dann kommt der Joint - und nicht umgekehrt. Auch Herrn Wasserfallen möchte ich sagen: Wenn er etwas tun will, soll er unserer Kampagne gegen das Rauchen bei den Jungen beitreten, damit sie nicht lernen, zu inhalieren. Damit würden Sie wahrscheinlich viel mehr tun, als wenn die Polizisten auf den Strassen versuchen, Haschisch zu finden und die jungen Leute allenfalls zu kriminalisieren.