Lexipedia

AB 83766

Brändli Christoffel · Ständerat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2008-03-20

Wortprotokoll

Wir kommen zu zwei bedeutenden und bedauernswerten Verabschiedungen, nämlich zur Verabschiedung von Herrn Christoph Lanz als Sekretär des Ständerates und von Frau Mariangela Wallimann-Bornatico als Generalsekretärin der Bundesversammlung.

Bei Herrn Lanz ist das Wort "Abschied" wohl nicht ganz zutreffend; er bleibt ja im Hause. Jemand hat mir gesagt, er begebe sich gewissermassen vom Regen in die Traufe. (Heiterkeit)

Vorerst möchte ich Herrn Lanz, auch im Namen des Ständerates, zu seiner glanzvollen Wahl zum Generalsekretär der Bundesversammlung gratulieren. Die Wahl belohnt die immense Arbeit, die Christoph Lanz in all diesen Jahren für den Ständerat geleistet hat. Sie ehrt aber auch unseren Rat, der sich schon in anderen Fällen gewissermassen als Talentschmiede entpuppt hat: Von unseren letzten sechs Sekretärinnen und Sekretären wurden in der Tat deren drei Generalsekretärin bzw. -sekretär der Bundesversammlung oder sogar Bundeskanzlerin bzw. Bundeskanzler. Trotz dieser hohen Ämter behielten die ehemaligen Ständeratssekretäre eine geradezu nostalgische Erinnerung an den Ständerat. So wird es, daran zweifle ich nicht, auch bei Herrn Lanz sein.

Christoph Lanz wurde am 5. Juni 1948 in Basel geboren, in einer Stadt, der er im Herzen stets verbunden geblieben ist, sei es durch "seine" Fussballmannschaft - die ihm gestern endlich wieder eine Freude bereitet hat -, sei es durch seinen Dialekt. Nach Rechtsstudien in Basel und Genf erwarb Christoph Lanz 1975 das Doktorat der Rechte an der Universität Bern. Der Titel seiner Doktorarbeit, "Parlament und politische Planung", kündigte schon seine Absichten an. 1977 erwarb Christoph Lanz das Anwaltspatent, und 1979 erlangte er einen Master of Law an der prestigeträchtigen Universität von Harvard in den Vereinigten Staaten.

Nach einem kurzen, weiteren Rechtsstudien dienenden Abstecher an die Universitäten von Bern und Basel begann Christoph Lanz seine Karriere bei den Parlamentsdiensten im Jahr 1982, zunächst als wissenschaftlicher Adjunkt, dann als Chef des Rechtsdienstes. 1989 war er Sekretär der Parlamentarischen Untersuchungskommission zu den Vorfällen im EJPD, der "Affäre Kopp", und 1992 folgte er auf Annemarie Huber-Hotz als Sekretär des Ständerates. 2005 wurde er stellvertretender Generalsekretär der Bundesversammlung. Am 1. Juni 2008 wird er von Mariangela Wallimann-Bornatico die Leitung der Parlamentsdienste und damit die Funktion des Generalsekretärs der Bundesversammlung übernehmen.

Diese wenigen Etappen zeigen, wie sehr Christoph Lanz unseren parlamentarischen Institutionen verbunden ist. Diese Verbundenheit geht über eine an sich schon hoch einzuschätzende Treue gegenüber dem Parlament hinaus: Sie zeugt geradezu von einer veritablen Leidenschaft. Herr Lanz teilt diese Leidenschaft nicht nur mit uns; er lässt auch jüngere Generationen an ihr teilhaben, indem er an der Universität Bern Parlamentsrecht lehrt.

Seine Karriere im Ständerat hat Christoph Lanz am 24. August 1992 begonnen, anlässlich einer dem Europäischen Wirtschaftsraum gewidmeten Sondersession. In der Zwischenzeit diente er nicht weniger als 17 Präsidentinnen und Präsidenten unseres Rates. Zähle ich deren Namen auf, defiliert ein ganzes Stück Parlamentsgeschichte an uns vorbei: Josi Meier, Otto Piller, Riccardo Jagmetti, Niklaus Küchler, Otto Schoch, Edouard Delalay, Ulrich Zimmerli, René Rhinow, Carlo Schmid, Françoise Saudan, Anton Cottier, Gian-Reto Plattner, Fritz Schiesser, Bruno Frick, Rolf Büttiker, Peter Bieri und meine Wenigkeit.

Christoph Lanz ist ein Mann von Prinzipien und Qualitäten, der seine Passion für das Parlament mit dem Sinn für das Gemeinwohl zu verbinden weiss. Auch mit der von ihm immer wieder an den Tag gelegten Unparteilichkeit und Korrektheit könnte er nicht zuverlässiger sein. Wenn sich ein Problem stellt, findet er immer eine Antwort, kennt er doch die Finessen der parlamentarischen Prozesse bis in die Fingerspitzen, ebenso wie die grosse Geschichte des Ständerates und manch kleine Geschichte aus dem Ständerat. Dank seinen Fähigkeiten und seinem Takt hatte er immer den richtigen Rat zur Hand und hat so zahlreichen Ratspräsidenten geholfen, kleinere Irrtümer, vielleicht penible Versehen oder gar grobe Fehler zu vermeiden. Es ist an und für sich leicht, Präsident zu sein, wenn Christoph Lanz da ist.

Diskretion ist ein weiterer Charakterzug von Christoph Lanz. Man hat mir erzählt, dass er von einem meiner Vorgänger - es war Carlo Schmid - gebeten wurde, einen Nationalrat aufzufordern, das Halbrund des Ständerates zu verlassen, weil sein Gewand nicht dem Kleiderkanon unseres Rates entsprach. Christoph Lanz entledigte sich dieser Aufgabe mit einem derartigen Fingerspitzengefühl, dass der Betroffene wohl heute noch nicht weiss - er wird es nie wissen -, weshalb er den Saal verlassen musste. Um solche Kunstgriffe wird Christoph Lanz im Nationalrat sicher froh sein. (Heiterkeit)

Wenn man anmerkt, dass der Ständerat weniger lange tagt als der Nationalrat, erinnert Christoph Lanz gerne daran, dass das Parlament nicht dazu bestimmt sei, jeden Tag Gesetze zu erlassen, sondern nur dann, wenn sie nötig seien. Als Absolvent einer klassischen, griechischen Maturität pflegt er zu sagen, dass die griechischen Republiken wegen einem Übermass an Steuern und Gesetzen zugrunde gegangen seien.

Für die Arbeit im Nationalrat wird Christoph Lanz viel Ausdauer und Geduld brauchen können; darüber verfügt er ohne Zweifel. [PAGE 212]

Indem uns unser Sekretär verlässt, weil er - ich sage es etwas poetisch - vom Gesang der Sirenen des Nationalrates betört worden ist, schwimmt er auch gegen den Strom parlamentarischer Gewohnheiten: Während unser Rat zahlreiche ehemalige Nationalrätinnen und Nationalräte beherbergt, die den Lärm des Nationalrates gegen die Ruhe des Ständerates eingetauscht haben, hat sich Christoph Lanz für den umgekehrten Weg entschieden und wendet sich nun der Volkskammer zu. Für einen Basler ist dies nicht überraschend; vielleicht ist es ein Hauch von Fasnacht, der ihn dorthin zieht. (Heiterkeit)

Ich hoffe zumindest, dass er sich, vom Ständerat im kühlen Norden zum Nationalrat im lebhaften Süden ziehend, nicht in der Richtung irrt, wie es geschah, als er, unterwegs zu einem offiziellen Besuch in Portugal, wohin er den damaligen Ständeratspräsidenten Ulrich Zimmerli begleitete, den Zug nach Genf statt den Zug nach Zürich nahm.

Lieber Christoph, die letzten Jahre im Ständerat waren schön und bereichernd. Ich möchte Dir im Namen all meiner Kollegen und Kolleginnen nochmals für die grosse Arbeit danken. Ich danke Dir persönlich für die Freundschaft und die Zusammenarbeit. Wir werden uns natürlich immer wieder freuen, wenn du hie und da einige erholsame Minuten bei uns im Ständerat verbringst. (Grosser Beifall)

Heute nimmt Frau Mariangela Wallimann-Bornatico zum letzten Mal als Generalsekretärin der Bundesversammlung an der Sitzung des Nationalrates teil. Es ist mir ein Anliegen, sie auch hier im Ständerat herzlich zu verabschieden und ihre Verdienste für das Parlament zu würdigen. Man hat mir hier ihre ganze Berufskarriere dargelegt; ich werde darauf zurückkommen. Aber ich möchte doch noch zwei, drei Worte auch zu den ersten zwanzig Jahren ihres Lebens sagen.

Mariangela Wallimann, nata a Poschiavo e cresciuta a Roveredo in Mesolcina, ha frequentato tra l'altro la Scuola cantonale a Coira. Queste radici hanno plasmato il carattere di Mariangela Wallimann, persona di grande cordialità e con una spiccata sensibilità per le minoranze.

(discuorra ladin) Quai è era da manar enavos al fatg che sia mamma deriva da l'Engiadina Bassa, dal territori rumantsch. Sia lingua materna è damai il rumantsch. Era quai - Mariangela Wallimann-Bornatico discurra nossa quarta lingua naziunala a moda perfetga - furma sia persunalitad. Mariangela è Grischuna cun corp ed olma - jau schess schizunt: ella è ina Grischuna perfetga. Jau l'engraziel fitg per la lavur excellenta ch'ella ha fatg era en l'interess da las minoritads qua a Berna.

Frau Wallimann hat, nach dem Studium der Rechtswissenschaften und einigen Jahren Berufstätigkeit bei der Oberzolldirektion, ihre Karriere bei den Parlamentsdiensten im Jahre 1977 begonnen. Sie war zunächst juristische Beamtin und Adjunktin des damaligen Generalsekretärs Alois Pfister, dann Sekretärin von Ad-hoc-Kommissionen, der Petitions- und Gewährleistungskommissionen, der Begnadigungs- und der Redaktionskommission sowie der interfraktionellen Arbeitsgruppe für die Vorbereitung der Richterwahlen. Ausserdem betreute sie einige ausländische Parlamentsdelegationen in der Schweiz.

1988 verliess sie die Parlamentsdienste und wurde persönliche Mitarbeiterin von Bundesrat Flavio Cotti. Später wechselte sie als stellvertretende Pressechefin in die Generaldirektion der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, wo sie unter anderem für die Beziehungen zum Parlament verantwortlich war. Dabei ist wohl ihre Überzeugung gereift, dass niemand und nichts dem Parlament und seinen Diensten das Wasser reichen kann. Was also lag näher, als sich im Jahr 1994 zur Sekretärin der Geschäftsprüfungskommission wählen zu lassen?

Im März 2000 wurde Frau Wallimann als Nachfolgerin von Annemarie Huber-Hotz zur Generalsekretärin der Bundesversammlung gewählt. Seither leitet sie die Parlamentsdienste und ist Chefin von gegen 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Parlamentsdienste haben sich in den vergangenen acht Jahren als Dienstleistungsunternehmen weiterentwickelt; Frau Wallimann hat diesen Prozess mit viel Geschick unterstützt. Beachtlich sind die zahlreichen Dokumente und Informationen, die heute elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Gerade das Projekt E-Parl, welches zu Beginn dieser Legislaturperiode operationell geworden ist, wurde durch die Generalsekretärin stark gefördert. Aber auch andere Bereiche wurden ausgebaut, so die Betreuung der Besucher von ausländischen Parlamentsdelegationen im Parlamentsgebäude, gewisse Kommissionssekretariate und der Übersetzungsdienst. Letzterer lag der Generalsekretärin besonders am Herzen; übrigens auch die Sprachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Parlamentsdienste, welche gezielt gefördert wird.

Eine Herausforderung stellte sich der Generalsekretärin während der letzten acht Jahre immer wieder: die Folgen der Renovationen und Umbauten im Parlamentsgebäude. Nicht nur, dass diese erhebliche Auswirkungen auf den Rats- und Kommissionsbetrieb sowie auf das Personal der Parlamentsdienste hatten und viele Sitzungen der Geschäftsleitung und der Verwaltungsdelegation nötig machten - sie wurden auch zum Anlass genommen, Sessionen extra muros, in den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz, durchzuführen. Fast könnte man meinen, das Parlament habe der italienisch- und romanischsprachigen Bündnerin eine spezielle Freude machen wollen, denn im Jahre 2001 tagten die Räte in Lugano und im Herbst 2006 in Flims. Dass diese beiden Sessionen reibungslos gelungen sind, ist auch ein Verdienst der Parlamentsdienste und ihrer Generalsekretärin.

Neben ihrer fachlichen Kompetenz haben wir in all den Jahren Frau Wallimanns menschliche Qualitäten, ihre Ruhe auch in schwierigen Situationen und ihren Humor sehr geschätzt. Frau Wallimann wird sich in Zukunft neuen Herausforderungen widmen. Sie wird gewisse Mandate bei gemeinnützigen und sonstigen Organisationen annehmen. Daneben liest sie gerne verschiedenste Literatur, hat viele Interessen kultureller Art, und auch für Reisen zusammen mit ihrem Mann wird nun vermehrt Zeit zur Verfügung stehen.

Im Namen des Ständerates danke ich Dir, liebe Mariangela, herzlich für die ausgezeichneten Dienste, die Du für die Bundesversammlung während vieler Jahre in verschiedenen Funktionen geleistet hast. Ich wünsche Dir für die kommende Zeit von Herzen alles Gute. Grazia fitg e tut il bun per l'avegnir! (Grosser Beifall)

Damit sind wir am Schluss der Sitzung und der Session angelangt. Ich möchte Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Art und Weise, wie Sie hier tagen, ganz herzlich danken. Es ist eine Freude, Präsident dieses Rates zu sein. Ich freue mich natürlich, Sie am kommenden 28. April zum ausserordentlichen Anlass - der Ständerat hält eine Sondersession ab und der Nationalrat nicht - hier wieder begrüssen zu dürfen. Ich wünsche Ihnen frohe Ostern und eine schöne Zeit!

[VS]

[VS]

[VS]

Schluss der Sitzung und der Session um 08.50 Uhr

Fin de la séance et de la session à 08 h 50

[PAGE 213]

[VS]

[VS]

[VS]

[VS]