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Waber Christian · Nationalrat · 2000-12-07

Waber Christian · Nationalrat · Bern · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2000-12-07

Wortprotokoll

Ich spreche nicht für die Fraktion, ich spreche für meine Partei, die EDU.

"Mein Herz blutet", hat eine Frau anlässlich der Sommersession auf dem Bundesplatz mit einer Beschriftung ausgesagt. Sie hat den ganzen Tag ausgeharrt, um uns diese Botschaft zu überbringen. Es war eine schwangere Frau - in der Zwischenzeit kam dieses Kind auf die Welt -, sie brachte ihre persönliche Betroffenheit zum Ausdruck. Auch mein Herz blutet, und vielleicht gehen diese Emotionen, dieses Bluten des Herzens, auch in meine Ausführungen ein.

Wir entscheiden heute über Leben oder Tod von ungefähr 12 000 Kindern im Jahr. Die Vorlage ist zutiefst Frauen verachtend, weil wir, mit der Lüge der Selbstbestimmung, der Frau die alleinige Verantwortung übertragen. Sie muss die Verantwortung der Kindstötung alleine übernehmen. Schon hier beginnt die Heuchelei.

Ein Parlament, das dermassen oberflächlich über eine solche Frage diskutiert, ist in meinen Augen nichts anderes als ein Parlament der Heuchelei - Heuchelei in diesem Sinn, dass die Handlungen und die Worte der Menschen nicht ihrem Inneren entsprechen. Was aber ganz schlimm ist, und das trifft mich auch persönlich: Wir glauben einfach einer Lüge mehr als der Wahrheit.

Es ist unbedingt die Aufgabe des Staates, das Leben vom Beginn, der Zeugung, bis zum natürlichen Tod zu schützen. Wir diskutieren hier über zwölf, vierzehn oder sogar sechzehn Wochen, wir diskutieren, ob Minderjährige die Zusage der Eltern brauchen oder nicht, wir diskutieren über viele andere Dinge. Aber ich möchte Ihnen Bilder zeigen, aus diesem Buch hier, von gezeugtem Leben, diese Bilder - ich bin mir voll bewusst, dass Sie sie von Ihrem Platz aus nicht erkennen - von Kindern von der 8. bis zur 16. Woche. Es ist mir absolut klar, dass es jetzt nicht erkennbar ist - aber wir wollen dieses Leben ja überhaupt nicht erkennen! Wir wollen von Ferne feststellen und eben nicht auf dieses gezeugte Kind eintreten.

Für uns von der EDU ist es nicht wichtig, ob es zwölf oder vierzehn Wochen sind, ob es Beratung oder keine Beratung gibt, sondern für uns ist es sehr wichtig, dass wir eben in dieser Gesellschaft - die eine "Kühlschrankgesellschaft" ist - Alternativen, echte Alternativen aufzeigen. Das heisst, wir müssen vom Zeitgeist wegkommen, wir müssen auf Werte zurückkommen: Verantwortung übernehmen, Treue, aber auch persönliche Betroffenheit und Beistand.

Es ist Ihnen allen klar, dass unsere Diskussion hier und heute in ein Referendum münden wird, und die 50 000 Unterschriften sind so gut wie sicher. Das heisst, dass das Volk sich erneut über diese Frage aussprechen muss. Ich glaube, dass gerade in der heutigen Zeit auch die jungen Menschen wieder auf Werte zurückkommen, die ein Überleben unserer Gesellschaft garantieren.