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Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2008-03-19

Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2008-03-19

Wortprotokoll

Gestern in diesem Saal und letzte Woche in der parlamentarischen Gruppe "Erneuerbare Energien" hielt Bertrand Piccard ein flammendes Votum für den Einsatz von erneuerbaren Energien. Ich fasse seine drei wichtigsten Aussagen kurz zusammen:

1. In der Schweiz gehen wir in eine falsche Richtung; wir brauchen zu viel Energie und schöpfen das Potenzial der erneuerbaren Energien nicht aus.

2. Ohne unseren Lebensstandard aufgeben zu müssen, können wir mit dem Einsatz von neuen Technologien viel Energie sparen und den Verbrauch senken.

3. Knüpfen wir an die Geisteshaltung unserer Vorfahren an - meines Erachtens ist dies eine sehr wichtige Aussage. Das waren Pioniere; deren Geisteshaltung hat die Schweiz erfolgreich gemacht.

Minergie-P-Bauten senken gegenüber Bauten, die nur die SIA-Norm erfüllen, den Heizenergiebedarf und damit die CO2-Emissionen um etwa 80 Prozent. Konkret heisst das für die Bauherrschaft, dass die Energiekosten um 80 Prozent gesenkt werden können. Die Energiepreise werden in Zukunft steigen. Viel Geld kann gespart werden. Warum investieren die Bauherren also nicht in solche Minergie-Bauten? Vor allem verstehe ich überhaupt nicht, warum die öffentliche Hand nicht als Vorbild für private Investoren in diesen Baustandard investiert. Alle Parteien reden jeweils vor den Wahlen von Umweltschutz. Sie predigen, die Energieeffizienz sei zu steigern, und sie versprechen, die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken.

Eine mögliche Antwort auf meine Fragen habe ich in der Samstagsausgabe der "Neuen Luzerner Zeitung" gefunden. Im Dossier "Wohnen und Energie" sagt ein Energieingenieur, der ein 46-jähriges Haus auf Minergie-P-Standard umgebaut hat, Folgendes: "Nicht jeder Altbau kann mit einem vernünftigen Aufwand so renoviert werden, dass er dem Minergie-P-Standard entspricht. Damit dies möglich ist, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: das geeignete Objekt, eine sensibilisierte Bauträgerschaft sowie interessierte Handwerker, die mitdenken und bereit sind, bei auftauchenden Problemen kreative Lösungen zu suchen."

Grundsätzlich anerkenne ich, dass der Bund für seine Bauten fast immer den Minergie-Standard anvisiert. Das zivile Bauprogramm vom September 2007 belegt das eindrücklich. Jetzt haben wir aber einen weiteren Schritt zu machen. Wir peilen den Minergie-P-Standard an. Diese Investition kommt nicht nur der Umwelt, sondern auch der Staatskasse zugute.

Wir haben heute die Gelegenheit, die Bauträgerschaft, den Bund, mit dieser parlamentarischen Initiative zu sensibilisieren. Darum bitte ich Sie im Namen der Minderheit, dieser parlamentarischen Initiative unseres ehemaligen Kollegen aus der FDP Folge zu geben. Es genügt nicht, nur von Energieeffizienz zu sprechen und Absichtserklärungen auf dem Papier zu verewigen. Taten müssen folgen, damit die CO2-Ziele des Bundesrates nicht als Papiertiger in der berühmten untersten Schublade versenkt werden.