Kleiner Marianne · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2008-12-16
Wortprotokoll
Dieser Minderheitsantrag ist eigentlich ein Antrag der WBK Ihres Rates. Der Nationalrat hat ihm in der ersten Runde knapp zugestimmt, der Ständerat hat diesen Beschluss abgelehnt. Entgegen anderen Aussagen, die hier gemacht wurden, ist es nicht so, dass die Filmförderung Jahr für Jahr aufgestockt wurde. Richtig ist, dass es im Jahr 2002 eine Aufstockung für das Modell "Succès Cinéma" gegeben hat. Richtig ist auch, dass 2006 eine Aufstockung für das Media-Programm gemacht wurde; das ist ein EU-Programm, das dem Schweizer Film aber nicht direkt zugutekommt.
Zum Modell "Succès Cinéma": Das ist ein wirklich cleveres Subventionsmodell, das eigentlich auch bürgerliche Mitglieder unseres Rates ansprechen müsste. Es belohnt erfolgreiches Filmschaffen und ist darum wohl das einzige Subventionsmodell, das erfolgs- bzw. leistungsorientiert funktioniert. Erfolgreiche Produktionen werden entsprechend der Zahl der Kinoeintritte gefördert. Das generiert eine Unterstützung für neue Schweizer Filmprojekte. Meines Wissens ist es auch der einzige Subventionsbereich, der in den letzten Jahren reformiert wurde. Der Erfolg kann sich denn auch sehen lassen. Ich erinnere Sie an grossartige Filme wie "Vitus", "Die Herbstzeitlosen" und - in Zusammenarbeit mit Frankreich - "Les choristes" oder "Die Kinder des Monsieur Mathieu". Filme sind identitätsstiftend. Wenn es irgendwo eine schweizerische Kultur gibt, dann in diesen Filmen.
Es stellt sich natürlich die Frage: Warum braucht etwas, was erfolgreich ist, Subventionen? Es ist so, dass das Herstellen von Filmen sehr teuer ist, auch wenn Schweizer Filme im Durchschnitt günstiger erarbeitet werden. Ein Schweizer Film kostet im Durchschnitt 2,6 Millionen Franken, Grossbritannien z. B. gibt für seine Filme durchschnittlich 8,5 Millionen aus, Frankreich 6 Millionen. Aber das Problem bei uns ist, dass die Zuschauerzahlen nicht gross genug sind, und zwar darum, weil wir ein kleines Land mit vielen Kulturen sind. Von den 7 Millionen Einwohnern ist ein Fünftel französischsprachig. Es gibt italienischsprachige Mitbürgerinnen und Mitbürger, und es gibt ausländische Zuschauer hier. Somit ist es fast nicht möglich, einen Schweizer Film so zu gestalten, dass er seine Ausgaben einspielt. Sogar bei äusserst erfolgreichen Filmen, wie "Vitus" einer war, sind die Ausgaben nicht eingespielt worden. Dann gibt es halt in Gottes Namen auch Schweizer Filme, die nicht erfolgreich sind. Man weiss meistens erst im Nachhinein, welcher Film das Publikum wirklich anspricht.
Die Filmförderung ist die einzige kreativ-kulturelle Aufgabe, für die der Bund zu 100 Prozent zuständig ist. Alles andere ist regional finanziert. Dennoch: Der Bund trägt das finanzielle Risiko nicht. Der Anteil des Bundes an den Produktionskosten ist im Durchschnitt 30 Prozent.
30 Millionen Franken sind viel Geld. Zum Vergleich: Die Subventionen, die das Zürcher Opernhaus bekommt, betragen 70 Millionen Franken. Ich liebe das Zürcher Opernhaus, aber ich glaube, diese Relation zeigt, dass der Betrag nicht übertrieben ist. In Zeiten wirtschaftlicher Probleme fliessen auch die privaten Gelder spärlicher.
Darum möchte ich Sie bitten: Halten Sie fest an Ihrem Entscheid vom letzten Mal, damit wir weiterhin gute Schweizer Filme geniessen können, Schweizer Filme wie "Vitus" und "Die Herbstzeitlosen", die unsere Identität darstellen und auch stärken.
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