Leumann Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2008-12-11
Wortprotokoll
Wir haben allen Grund, auf unsere ETH stolz zu sein, denn die Rankings zeigen: Die ETH Zürich ist nach wie vor die beste kontinentaleuropäische Universität und weltweit in der Spitzengruppe; 2008 liegt sie auf Platz 24. Um diesen Platz halten zu können oder gar zu verbessern, müssen jedoch weitere Anstrengungen gemacht werden. Wir sind auch sehr dankbar, dass immer mehr junge Leute an der ETH studieren wollen. Im Wissenstransfer wurde zwar viel erreicht; es besteht aber auch hier noch Raum für Verbesserungen. Besonders die Leistungen der einzelnen Schulen, aber auch die der Forschungsanstalten sollten in der Bevölkerung besser wahrgenommen werden können.
Die Arbeitsbedingungen sind attraktiv. Schade ist, dass der Frauenanteil nur sehr langsam steigt. Bei den Professorinnen ist die Situation zwar zufriedenstellend, aber bei Weitem nicht gut genug. Wir haben nach wie vor das Problem, dass sich die Frauen an der ETH leider keine Professur zutrauen. Frauen sind - ich bedaure das ausserordentlich - nach wie vor unsicher. Die Frage "Ja, kann ich das denn wirklich?" wird von ihnen viel zu oft gestellt, anstatt dass sie es einfach einmal probieren.
Konkurrenzfähig sind wir bei den Berufungen, aber in den leitenden Positionen ist Deutschland führend, das auch besser bezahlt. Bei den Ingenieurwissenschaften haben sich die Studierendenzahlen positiv entwickelt. Die ETH hofft, dass das nicht nur ein Strohfeuer ist, denn die Nachfrage aus der Industrie ist wesentlich grösser als das Angebot. Hingegen möchte ich an die Wirtschaft appellieren, mit den Studienabgängern etwas geduldiger zu sein. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich weiss von unseren Chemikern, dass man auch Universitätsabgänger in den Branchen zuerst anlernen muss, bis sie mit der Materie vertraut sind und nicht mehr nur theoretisch argumentieren. Allzu oft wird ein junger Bewerber oder eine junge Bewerberin abgewiesen, mit der Aussage: Ihr habt ja keine Erfahrung. Es ist frustrierend für diese jungen Leute, wenn sie voller Tatendrang arbeiten möchten und dann nichts als Absagen bekommen.
Etwas relativiert wurde in diesem Zusammenhang die Durchfallquote von 25 Prozent, denn 10 Prozent sind Studienabbrecher, die oft gar nicht zur Prüfung antreten. Die ETH hat aber begonnen, mit Bewerbern frühzeitig Gespräche zu führen und ihnen zu erklären, was auf sie zukommt. Ich möchte hier ein ganz spezielles, grosses Kompliment an Fritz Schiesser richten, dass er sich dieser Studenten annimmt.
Ein weiteres Problem besteht mit den Fachhochschulen bei den Passerellen, denn es ist problematisch, wenn [PAGE 968] Fachhochschulabgänger in einem ETH-Studium nicht genügen; darauf sollten wir in Zukunft unser Augenmerk lenken.
Intensiv ist auch die Zusammenarbeit mit der Uni Zürich und den Universitäten im Arc lémanique und in Neuenburg. Die Bevölkerung hat ihr Interesse an den Forschungsanstalten an den 150-Jahr-Feiern in Lausanne und Zürich und an der 125-Jahr-Feier der Empa bewiesen. Auch an den Besuchstag am PSI kamen ausserordentlich viele Leute; ich war dort dabei, und es gab viele interessante Diskussionen. Hingegen herrscht bei uns leider eine gewisse Technologieskepsis in der Bevölkerung. Ich erinnere z. B. an die Diskussion über die Gentechnik. Diese Herausforderung müssen wir annehmen, ihr müssen wir uns stellen.
Aufgrund der Ereignisse der Jahre 2004 bis 2007 wurde der ETH-Rat erweitert. Man hofft, dass mit der neuen Zusammensetzung unterschiedliche Auffassungen intern ausgetragen und nicht nach aussen getragen werden, denn das schadet dem ganzen Bereich, und das wäre sehr schade. Ich kann nur noch einmal betonen, wie wichtig unsere technischen Hochschulen sind und dass wir sie wo immer möglich unterstützen müssen. Denn sie sind das Kapital, auf dem unsere vielen innovativen Klein- und Mittelbetriebe aufbauen können.
Ich bin selbstverständlich für Eintreten und Zustimmung.