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Noser Ruedi · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2009-03-03

Wortprotokoll

Der Schlussbericht, den uns der ETH-Rat vorgelegt hat, ist ein guter Bericht. Er ist umfassend und zeigt den Leistungsbereich der ETH sehr gut auf. Ich möchte aber nicht zu lange bei diesem Schlussbericht bleiben, sondern ihn vielmehr dazu benutzen, auf das hinzuweisen, was wir in der nächsten Periode werden machen müssen.

Zunächst einmal ist anzumerken - und das haben wir Freisinnigen schon mehrmals gemacht -, dass wir den Leistungsauftrag, wie er jetzt vom Bundesrat vorgegeben ist, auch für die aktuelle Periode und für die Periode, für die der Schlussbericht nun vorliegt, für zu detailliert halten. Wir gehen davon aus, dass er, wenn man es ganz streng anschauen würde, nicht einmal gesetzeskonform wäre. Im ETH-Gesetz steht nämlich, dass der Bundesrat nur Leistungsaufträge erteilen kann, die klar messbar sind und die auch evaluiert werden können. Ich denke, in diesem Leistungsauftrag hat es vieles, das nicht klar messbar und nicht klar evaluierbar ist. Darum ist der Schlussbericht auch, wie er ist. Hier wäre eine Beschränkung auf das Wesentliche für die Periode 2012-2015 vermutlich viel wichtiger als ein weiterer Ausbau. In dem Sinn wäre ich froh, wenn der neue Staatssekretär für Bildung sich hier dann etwas zurückhalten würde. [PAGE 53]

Zu den einzelnen Zielen: Ich denke, der beste Wissenstransfer von der ETH in die Wirtschaft geht über eine erstklassige Lehre. Es ist wichtig, dass wir hier festhalten, dass es nicht in erster Linie darum geht, über ganz viele komplizierte WTT-Wege Wissen aus dem Labor in die Wirtschaft zu bringen. Das ist ein Teil, aber nur ein kleiner Teil. Der absolut grösste Teil ist eigentlich der Transfer über die Absolventen.

Die Wirtschaft fordert zum einen, dass man sehr gut ausgebildete Leute in die Wirtschaft bringt, und zum andern, dass man genügend Leute in die Wirtschaft bringt. Befriedigt nehmen wir zur Kenntnis, dass die Zahlen im ETH-Bereich wieder zunehmen und dass die Wirtschaft wieder zu ihren Leuten kommt. Ich möchte aber auch anmerken: Mehr Lehre bedeutet nun einmal auch mehr Lehrkörper, sprich: Wenn die Zuwächse weiterhin so sind, kann es durchaus sein, dass wir bei der Finanzierungsbotschaft 2011 das eine oder andere zusätzlich bewilligen müssen.

Ein weiterer Punkt, den ich hier ansprechen möchte, ist der internationale Platz der ETH in der Spitzenforschung. Wenn Sie den Leistungsauftrag 2004-2007 anschauen - also der Auftrag, über den jetzt Bericht erstattet wird -, stellen Sie fest, dass dort steht, die ETH solle ihren Platz halten. Wenn Sie den Leistungsauftrag 2008-2011 anschauen, dann steht darin, dass die ETH ihren Platz verbessern solle. Ja, aber wie verbessert man einen solchen Platz? Diese spannende Frage wird dann noch zu beantworten sein, wenn der neue Leistungsbericht vorliegt. Ich möchte aber längerfristig - und das betrifft die Botschaft, die das nächste Mal vorliegen wird - auf ein paar Trends aufmerksam machen, die mir sehr, sehr wichtig sind.

Zu einem ersten Punkt. In der Vergangenheit ging man davon aus, dass Wissenschafter irgendwelche Netzwerke schaffen und auf der ganzen Welt verteilt arbeiten und miteinander forschen. Dieser Trend dreht jetzt etwas. Es ist wieder ein Trend da, da man sagt, man ziehe die besten Köpfe für ein Projekt zusammen und lasse sie zusammen arbeiten; und wenn das Projekt vorbei ist, gehen die Beteiligten wieder an ihre Heimuniversitäten und bilden sich dort wieder weiter oder machen bei der Lehre mit.

Und wo zieht man diese besten Köpfe zusammen? Dort, wo die besten Bedingungen gestellt sind. Was heisst das nun für die ETH? Was muss sie tun, damit sie die besten Forschungsbedingungen für die besten Köpfe bietet? Erstens - und ich möchte das als wirklich ersten Punkt bringen -: Autonomie und Forschungsfreiheit. Wir haben im ETH-Bereich eine einmalige Forschungsfreiheit bei den Professoren. Professoren haben einen Teil des Budgets, den sie frei verwenden können. Das ist ein ganz wichtiges Argument, um die besten Köpfe nach Lausanne, Zürich, in den Aargau, nach Dübendorf oder auch ins Bündnerland zu bringen. Das muss beibehalten werden. Ich möchte auch betonen - und darauf werden wir beim nächsten Leistungsauftrag genau schauen -, dass uns die Autonomie der Institute wichtiger ist als die Koordination.

Zweiter Punkt: Es wird immer wichtiger, dass man auch über die nötigen Forschungsplattformen verfügt. Diese Forschungsplattformen werden immer grösser und teurer. Die hier im Hause bekannteste Forschungsplattform wird wohl das Cern in Genf sein. Das ist schlussendlich nichts anderes als eine Fabrik, die Forschern aus der ganzen Welt Arbeitsplätze anbietet. Ein ähnliches System hat der Bereich Synchotronstrahlung am Paul-Scherrer-Institut. Das ist schlussendlich nichts anderes als eine Plattform, die Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Forschern benutzen und wo sie ihre Forschungsarbeiten machen können.

Zum einen sind solche Forschungsplattformen nun mal sehr teuer, zum anderen brauchen sie viel Platz, es sind meistens halbe Fabriken. Wenn wir wollen, dass wir in Zukunft solche Forschungsplattformen finanzieren können, sind wir darauf angewiesen, eine gute Zusammenarbeit mit privaten Forschungsinstituten zu pflegen. Der eine oder andere hier drin weiss ja, dass die privaten Forschungsaufgaben auf der Welt bald grösser sind als die öffentlichen. Es muss uns also gelingen, private Forschungsgelder in die Schweiz zu locken, um solche Systemplattformen finanzieren zu können. Das ist das eine, das andere ist wie gesagt, dass man auch den Platz dazu braucht. Das müssen Sie bedenken, wenn Sie einen Reinraum bauen wollen. Aktuell wird ein solcher zusammen mit IBM gebaut; es ist ein grosses Industrieprojekt, das heute auf ETH-Forschungsgelände keinen Platz hat; es wird auf einem Gelände von IBM gebaut. Es ist wichtig, dass wir dem Bereich auch Fläche für solche Projekte zur Verfügung stellen. Es werden grosse Projekte sein, die da realisiert werden müssen, Projekte, die man auch finanzieren kann.