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Segmüller Pius · Nationalrat · Luzern · Fraktion CVP/EVP/glp · 2009-03-04

Wortprotokoll

Im Süden von Spanien gibt es das wunderbare Kulturgut der Mauren, aus der Zeit, als Muslime und Christen eine Zeitlang harmonisch zusammengelebt und ihre Kulturstile sich verschmolzen haben. Hat das Christentum seine Wirkkraft nur noch, wenn es die anderen religiösen Zeichen verbietet?

Ich möchte, dass der Initiative Gültigkeit gewährt wird. Sie regt offene und kritische Gespräche an, hoffentlich friedliche Gespräche. Kommunale Bauvorschriften sollen eine übertriebene Bauart, die nicht ins Dorf passt, einschränken. Als eine der grössten Moscheen mit einem Minarett unweit vom Petersdom in Rom gebaut und eingeweiht wurde - das Minarett ist fast gleich hoch wie die Peterskuppel -, machten der Papst und der italienische Staat keine Einwände geltend. Ja, der Papst besuchte das Gotteshaus einen Tag nach dessen Einweihung. Religionskultur drückt sich auf verschiedene Arten aus, durch Musik, Bilder, Feste und auch durch Bauten. Jede Religion soll sich ausdrücken können, ohne die anderen Religionen zurückzudrängen. Dies bedingt aber, dass man sich miteinander auseinandersetzt und verstehen lernt. Der Islam und das Judentum mussten den Kreuzzug der Christen im 11. und 12. Jahrhundert ertragen: Wir haben sie schon einmal zurückgedrängt, der Kreuzzug hat aber nichts gebracht.

Ausgrenzung von Glaubensmeinungen bedeutet letztlich ein Eingeständnis von Angst und Furcht. Ist dies so, weil unser eigener christlicher Glaube schwächelt? Ich hoffe, dass diese und viele weitere Diskussionen über die Minarett-Initiative dazu führen, dass wir häufiger unter Christen und mit anderen Glaubensgemeinschaften über Glaubenszeichen, aber vor allem auch über den Glauben reden.

Ich beantrage Ihnen, die Initiative gültig zu erklären, sie aber wuchtig abzulehnen.

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