Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2009-03-09
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2009-03-09
Wortprotokoll
Die Grünen werden den Minderheitsantrag Carobbio Guscetti unterstützen. Für uns ist es wichtig, dass zusätzliche Investitionen in die familienergänzende Kinderbetreuung getätigt werden, eben diese zusätzlichen knapp 24 Millionen Franken, was dann insgesamt 50 Millionen Franken ergibt. Es könnte unserer Meinung nach sogar mehr sein, denn gerade in der Krise, wenn die Jobs ohnehin rar sind und volle Flexibilität gefordert wird, ist gute Kinderbetreuung zentral. Es ist anerkannt, dass familienergänzende Betreuungseinrichtungen eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie sind; da ist die Schweiz ja leider immer noch im Hintertreffen. Damit die Aufgabe der Berufstätigkeit nicht mehr zwingend ist, damit beide Elternteile ihre beruflichen Qualifikationen erhalten und erweitern können und auch dem Arbeitsmarkt weiterhin zur Verfügung stehen, sind die Kinderbetreuungsplätze wichtig.
Wir haben trotz der Rezession einen Mangel an qualifiziertem Personal; dem kann entgegengewirkt werden. Gerade in der jetzigen Finanzkrise werden die Frauen dringend benötigt; lesen Sie nur den Artikel im "Tages-Anzeiger" vom letzten Wochenende. Das Engagement der Frauen im Beruf bringt volkswirtschaftlich positive Auswirkungen und ist ein weiterer Schritt zur effektiven Gleichstellung von Frau und Mann.
Familienergänzende Betreuungseinrichtungen sind aber auch ein wichtiges Mittel gegen die Armut in Familien, die sich leider in dieser Rezession noch verschärfen wird. Alleinerziehende müssen erwerbstätig sein, und in vielen Familien reicht ein Lohn nicht zur Existenzsicherung; Mann und Frau müssen Geld verdienen. Die Erwerbstätigkeit kann nur beruhigt angegangen werden, wenn die Eltern wissen, dass ihre Kinder gut betreut sind. Zudem trägt die Betreuung an [PAGE 203] diesen Stätten auch dazu bei, die kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Kinder zu fördern; diese Stätten leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration.
Der Bundesbeschluss über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung hat zwar einen wichtigen Schub ausgelöst und neue Betreuungsplätze gebracht, aber - wir haben es gehört - es braucht noch sehr viel mehr Plätze. Es fehlen 120 000 Plätze. In einzelnen Regionen ist das Netz gut ausgebaut, beispielsweise in der Stadt Zürich, in anderen Regionen aber schlecht bis sehr schlecht, obwohl wir wissen, dass dies ein wichtiger Standortfaktor wäre. Viele private Initiativen würden gerne starten, aber es fehlt ihnen an Geld. Deshalb sind die Finanzhilfen des Bundes wichtig. Leider sind die Voraussetzungen für die Finanzhilfen aber für viele private Initiativen unerfüllbar. Einen Finanzplan mit einer garantierten Finanzierung über sechs Jahre zu erstellen ist für viele nicht möglich. Eine Anschubfinanzierung wäre zwar garantiert, aber ein Finanzplan über sechs Jahre ist nicht möglich. Hier müsste der Bund zusätzlich einspringen, damit gute Initiativen nicht an den Finanzhürden scheitern. Wir haben dazu auch eine entsprechende Motion eingereicht.
Wir bitten Sie also, den Minderheitsantrag zu unterstützen und Ja zu sagen zu mehr qualitativ guten Betreuungseinrichtungen.