Schelbert Louis · Nationalrat · Luzern · Grüne Fraktion · 2009-03-09
Wortprotokoll
Der Minderheitsantrag belässt den zusätzlichen Gesamtkredit für Schweiz Tourismus bei 12 Millionen Franken. Es wird aber beantragt, die beabsichtigte Zusatzinvestition wenigstens zur Hälfte qualitativ und zielgerichtet einzusetzen. 6 Millionen Franken sollen für Massnahmen zur Erhaltung, Sanierung, Weiterentwicklung und zum Bewerben der schweizerischen Unesco-Weltkulturerbestätten und -reservate eingesetzt werden. Zu den Begünstigten würden Kulturerbestätten in den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Bern, Tessin, Luzern, Wallis und Waadt gehören. In diesen Kantonen befinden sich die von der Unesco anerkannten Stätten und Reservate in der Schweiz. Ihr Erhaltungszustand wird regelmässig überprüft. Die Vertragsstaaten haben sich und sind zu Erhaltungsmassnahmen verpflichtet.
Der Tourismus ist für die schweizerische Volkswirtschaft wichtig. Wir Grünen sind auch deshalb dafür, dass sich die Schweiz in der jetzigen schwierigen wirtschaftlichen Phase der internationalen Konkurrenz stellt und Besucherinnen und Besucher für die Schweiz zu gewinnen sucht. Tatsächlich zeigen die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, dass bei einer weltweiten Rezession viele Gäste aus dem In- und Ausland ausbleiben können. Werbung und Massnahmen sind deshalb grundsätzlich nicht bestritten. Die Fragen, die wir stellen, sind: Wie und wofür? Wie sich kürzlich an einem Parlamentarieranlass gezeigt hat, beachtet Schweiz Tourismus die Grundsätze der Nachhaltigkeit zwar auch; jedenfalls ging dies aus den Ausführungen ihres Direktors hervor. Es zeigte sich aber in der Diskussion auch, dass gerade in diesem Bereich noch Potenzial besteht. Wenn es um die Umsetzung der Konzepte geht, rücken die guten Vorsätze gerne etwas weiter zurück. Das ist mehr als nur schade. Objekte mit dem höchsten Grad an Nachhaltigkeit werden nun mit unserem Antrag anvisiert. Wenn wir die Hälfte der zusätzlichen Mittel an die Weltkulturerbestätten und -reservate der Schweiz binden, stützen wir anerkannte, qualitativ hochwertige, nachhaltige Tourismusobjekte.
Zu beachten ist im Weiteren, dass sich für die regionale Wirtschaft daraus positive Effekte ergeben.
Ich finde es schade, dass die Schweiz und Schweiz Tourismus die Weltkulturerbestätten bislang nicht stärker in den Mittelpunkt ihrer Werbeanstrengungen gerückt haben. Diese Stätten verdienen Mittel zur Erhaltung, Sanierung, Weiterentwicklung und für die Werbung. Mit diesen Mitteln lässt sich [PAGE 206] zielgerichtet für weltweit anerkannte Qualität werben. Wir halten solche Massnahmen für weit wirkungsvoller als das Giesskannenprinzip. Unser Antrag gibt ihnen eine Chance. Er erfüllt die Kriterien, die an Kredite in dieser Botschaft gestellt werden. Er ist rasch umsetzbar. Darüber hinaus ist er auch qualitativ ausgerichtet. Wir bitten Sie, ihm zuzustimmen.
Im Übrigen finde ich es schade, dass wegen des Mehrheitsbeschlusses von vorher nun im Saal keine Debatte über diese Frage stattfinden kann. Das ist, denke ich, weder für die Debatte noch für den Rat wirklich ein Vorteil.